Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

100 Jahre alt und immer noch eine Pracht

Küssnacht: Am nächsten Dienstag, 5. Dezember, irgendwann nach 20.15 Uhr, dürfte die wohl älteste Iffele am Klausjagen auftauchen – sofern es nicht regnet. Sie ist im Besitze von Ruth Küttel und wird von ihren Söhnen getragen.

cek. Ruth Küttel ist in Küssnacht keine Unbekannte. Sie strotzt voller Energie und ist äusserst kreativ. In ihrem Garten hat sie in diesem Jahr die Hydranten als Geisslechlöpfer und Hornbläser verkleidet, zur Freude der Passanten. Viel hat sie zu erzählen, insbesondere über die wohl älteste Iffele, die sie 1996 in einer Brockenstube in Root erstand. Doch so einfach war das nicht, denn die Brockenstube wollte ihr diese vorerst nicht verkaufen. Sie blieb hartnäckig, bestand darauf, dass diese Iffele nach Küssnacht gehöre. Nach längerem Verhandeln stand der Preis fest: 300 Franken. Sie klaubte die letzten Münzen aus ihrem Portemonnaie – 10 Franken fehlten ihr noch. Dennoch durfte sie das Kunstwerk mit nach Hause nehmen. Das war allerdings in sich zerfallen und wies einige kaputte Stellen auf. Die handwerklich begabte Frau, die Erfahrungen als Schneiderin, Buchbinderin und Einrahmerin hat, zerlegte die Iffele und beschwerte sie mit alten Bügeleisen. Stück für Stück restaurierte sie das prachtvolle Kunstwerk aus dem Jahre 1917 vom einstigen bekannten Iffelebauer Franz Sidler und begann sie zu restaurieren, erneuerte auf der Rückseite das Seidenpapier. Rund 300 Stunden arbeitete Ruth Küttel an ihr und liess sie zu neuem Glanze erstrahlen. Die braune Grundfarbe ist noch original und wurde mit Klarlack aufgefrischt. Ebenfalls original ist das Bild des Samichlaus. Nicht lange nach dem sie diese Iffele restauriert hatte, erhielt sie von anderen weitere zur Reparatur. Inzwischen hat Ruth Küttel sogar selber eigene Iffele geschaffen. Eines ihrer Markenzeichen: Der wellenartige Rand des oberen Iffele-Teils, der in den Spitz verläuft. Ausserdem verwendet sie wie einst Franz Sidler ausschliesslich hellen Karton.

In Baar aufgetaucht
Die von Ruth Küttel restaurierte und inzwischen 100jährige Iffele war ursprünglich im Besitz einer Küssnachter Familie, die nach Baar zog. Diese liess dann ihren Estrich räumen, worauf die Iffele versehentlich nach Root kam. Nun sieht Ruth Küttel voller Vorfreude dem Küssnachter Klausjagen vom kommenden Dienstag entgegen, denn dann werden ihre Söhne Emanuel und Simon abwechselnd die 84 Zentimeter hohe und zugleich älteste aller Iffelen tragen. Insbesondere hofft sie, dass es dann nicht regnet. Sonst bleibt die Iffele zuhause, im Schutz des Trockenen. Das Nass würde sie nämlich zu arg beschädigen.

Iffele 5 - Bild zvg

So sieht die älteste Iffele auf der Vorder- …

Ifffele 6 - Bild zvg

… und Rückseite aus, wenn sie am Küssnachter Klausjagen getragen wird.

Iffele 4

Iffele 3

Das «Innenleben» der Iffele zeugt von Detailarbeit.

Iffele 1

Ruth Küttel mit der inzwischen 100jährigen Iffele.