Rigi Anzeiger
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138’240 Bilder digitalisiert

Root: Der Filmemacher Erich Langjahr hat seinen Film «Morgarten findet statt» aus dem Jahre 1977 mit aufwändiger Technik digitalisiert. Wir habe ihn über dieses Mega-Projekt und die Motivation zum «Remake» befragt.

Wirtschaft, Militär, Politik und Kirche in Eintracht versammelt – auch das ist Morgarten.

Wirtschaft, Militär, Politik und Kirche in Eintracht versammelt – auch das ist Morgarten.

In der Programm-Ankündigung zu ihrem neuen Film heisst es: «Der Zuschauer erlebt, wie Morgarten – ein Symbol der Freiheit – heute gefeiert und verstanden wird. Bezieht sich das «heute» auf 1977 oder auf 2015?
Sowohl als auch. Die leitende Idee des Filmes war es und ist es, zu untersuchen, wie Morgarten, als Begriff, in der Bevölkerung, insbesondere in der Innerschweiz, verstanden und verwirklicht wird. Wir haben versucht in Stimmungsbildern festzuhalten, wie die Bevölkerung nach Morgarten zieht und worin jeder die Bedeutung dieses nationalen Symbols für sich und seine Mitmenschen sieht. Der Film hat ganz bewusst keinen Kommentar und ist kinomässig montiert. Das ist gut so, denn Kommentare lassen Filme schnell altern. Für jene Zuschauer, die mehr wissen wollen, haben wir das Buch «Texte zum Schweizer Film Morgarten findet statt» herausgegeben. So wie sich der Film heute darstellt, hat er an Aktualität nichts eingebüsst.

Der Film wurde an vielen Festivals und in ausländischen Kinos gezeigt. Wie waren da die Reaktionen?
Anlässlich von Espace 79 in Paris, der von Pro Helvetia organisierten Filmtage, zieht die renommierte Filmzeitschrift, Der Cinématographe einen Vergleich zu Robert J. Flaherty. Er war einer der ersten Regisseure, der dokumentarisches Material spielfilmmässig gestaltete, so auch den berühmten Filme «Nanuk oft he North» aus dem Jahre 1922. Das heisst, der Film «Morgarten findet statt» sorgte in Paris als volkskundliches Kino für eine Überraschung. Überhaupt hat der Film in Frankreich einen Festivalweg gemacht. Der ging von Paris (Cinéma du réel und L’homme regarde l’homme) nach Lille und von dort nach Canne in eine Nebensektion. Ein anderes Beispiel ist Österreich, wo der Film im Land der Habsburger unter dem Festivaltitel «Hilfe die Schweizer kommen» in Wels und Linz gezeigt wurde.

Können Sie in wenigen Worten schildern, was der Originalfilm damals und bis heute ausgelöst hat?
Anlässlich der Solothurner Filmtage 1979 war das Publikum gespalten. Für die einen war es das Erlebnis von Kino aus der Wirklichkeit und andere vermissten einen ideologischen Standpunkt der Autoren. Anlässlich der Premiere in der Turnhalle in Sattel musste der Film wegen Riesenansturm zwei Mal am gleichen Abend gezeigt werden. Die Presse titelte am anderen Tag: «Volkskundliche Augenweide oder ein Denkanstoss?» (Luzerner Neuste Nachrichten), «Der Feiergedanke wird zur Diskussion gestellt» (Vaterland), «Hafechabis und Kafi Kirsch» (Luzerner Tagblatt), «Wir danken Ihnen, dass Sie uns nicht kaputt gemacht haben» (Bote der Urschweiz), «Morgarten wie es ist» (Schwyzer Zeitung).

Welche Reaktionen erwarten Sie vom heutigen Publikum?
Ich habe «Morgarten findet statt» für das Kino gemacht. Ich liebe das Kino, das Dunkel, das Licht auf der Leinwand, das mich in etwas eintauchen lässt, in etwas das mich bewegt, etwas was auch mit mir zu tun hat. Das Kino als Ort der emotionalen Vernunft, das nicht das Trennende sucht, sondern das Verbindende. In diesem Sinne ist dieser Film für alle gemacht, die gerne ins Kino gehen. Infos zum Film und Spieldaten sind auf www.langjahr-film.ch»
Sie arbeiten an einem technischen «Remake» dieses Films. Warum eigentlich?
Dieser Film ist die erste Innerschweizer Filmproduktion mit kantonaler Förderung. Das Budget war allerdings sehr bescheiden. Darum wurde der Film mit einem günstigen Material gedreht, welches über die Jahre sehr gelitten hat. Dies machte eine Restaurierung unumgänglich. Es ist alles andere als selbstverständlich, dass Memoriav, der Kulturgüterschutz vom Bund, sich mit einem grossen Betrag an der Restaurierung und Digitalisierung beteiligt hat. Aber auch die Kantone Schwyz, Luzern und Zug sowie einige Stiftungen haben sich an den Kosten beteiligt, um so den Film für die Nachwelt zu erhalten. Dieser kulturelle Schulterschluss hat mich sehr gefreut.

Wie läuft die Digitalisierung eines 35mm-Films ab?
Gedreht wurde damals meistens im 16mm Format. Von diesem Original wurden die 35mm Kopien fürs Kino kopiert. Für die Digitalisierung greift man aufs Original zurück. Der Digitalisierungsvorgang ist der selbe wie bei einem Foto, das heisst der Scanner tastet das Bild ab. Beim Film gibt es 24 Bilder pro Sekunde, das ergibt beim Film «Morgarten findet statt» 138240 Bilder, die abgetastet werden müssen. Im Unterschied zum damaligen, analogen Kopieren, wo alles mit chemischen Flüssigkeiten passierte, ist das Scannen ein trockener Vorgang, was zur Folge hat, dass der Rohscan verschmutzt ist und teilweise auch zerkratzt ist oder Laufspuren hat. Spezialisten säubern Bild für Bild. Schlussendlich muss auch die Farbgestaltung neu gemacht werden. Beim Ton ist es ein ähnlicher Aufwand. Die Kinokopien hatten in etwa die Tonqualität wie ein UKW Radio. Um auf die heutigen Ansprüchen im Kino zu kommen, muss die Mischung ab der Originalmischung neu überarbeitet werden. Im Weiteren müssen die elektronischen Untertitel-Versionen neu gestaltet werden.

Ist das nicht unglaublich teuer?
Eine Digitalisierung ist zugleich eine Restaurierung und ist mit sehr viel Arbeit von Spezialisten und dem Einsatz von teuren Geräten verbunden. Dies ist nur möglich mit finanzieller Unterstützung.

Ist die digitalisierte Version mit dem Original vergleichbar, oder vielleicht sogar besser?
Durch diesen Aufwand erhält auch ein alter Film ein Face Lifting für den Anspruch, der in einem modernen, digitalen Kino erfüllt sein muss. Physikalisch betrachtet kann eine Kopie nicht besser sein als das Original. Doch die moderne Kopiertechnik leistet absolut Erstaunliches.

Aufführungen:
Zug Kino Gotthard Do, 15.10., 20.15 Uhr
Schwyz Kino Mythenforum ab 15. Oktober
Luzern Kino Bourbaki 18./25. Oktober,
SO Matinée 11:30 Uhr
(evtl. weitere Vorstellungen)