Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Acht Jahrzehnte Leben in Root

Root: Er ist ein Rooter durch und durch, lebt heute noch im gleichen Haus, in dem er geboren wurde. Diese Woche feiert Josef Bucheli seinen 80. Geburtstag.

Wache Augen, ein warmes Lächeln, ein kräftiger Händedruck: Josef Bucheli strahlt Zufriedenheit aus. Und wirkt frisch und munter, wenn er von seinen in acht Jahrzehnten gemachten Lebenserfahrungen berichtet. Geboren als zweitältester Sohn im stattlichen Bauernhaus an der Luzernerstrasse, mitten im Dorf. Zusammen mit vier Geschwistern ist er hier aufgewachsen, die Primarschulzeit absolvierte er in den schwierigen Jahren des Zweiten Weltkrieges. Keine einfache Zeit. Als der Vater in den Krieg einrückte, mussten die Kinder noch mehr auf dem elterlichen Hof helfen. «Im Bauernbetrieb war ich für alles einsetzbar. Holzen im steilen Wald ob Root, die Stämme mit dem Ross zu Tale führen, eine gefährliche Angelegenheit, zumal noch keine Strasse existierte. Pflügen, Kartoffeln setzen, später einbringen, Kühe melken, grasen, heuen – für Josef Bucheli fing der Tag jeweils früh an. Auch externe Aufträge gab es zu erledigen: «So half ich auch in einer Molkerei in Zug als Milchmann aus. Morgens um fünf Uhr rückte ich mit Ross und Milchwagen in Richtung Zugerberg aus, um bei einem Bauern die Milch abzuholen. Von da ging es weiter von Haus zu Haus, bis die Milch verteilt war. Gegen Mittag schliesslich war die Tour beendet.» Es war die Zeit, wo Telefonanschlüsse noch äusserst rar waren. So musste Josef des öfteren telefonische Nachrichten an andere Gehöfte überbringen.

Barren, Reck und Pferde
Für Freizeit blieb da nicht viel übrig. Eine Leidenschaft hatte dennoch Platz: In der Jugendriege des Turnvereins fiel Josef schnell als Talent auf. Vor allem am Barren und am Reck fand er Gefallen. Hart hat er dafür trainiert und brachte es als Kunstturner sogar zum Kranzturner. Das Turnen sollte jedoch nicht die einzige erfolgreiche Disziplin in Josefs Leben sein. Im Frühling 1954 rückte er als stolzer Kavallerist in die RS ein. «Da fing die Liebe zum Pferd so richtig an», erinnert er sich. Er ersteigerte «Angela, ein wunderbares Pferd, das sowohl ein gutes Zugpferd auf dem Hof war als auch als Springpferd beeindruckte.» Mit Angela bestritt er seine erste eidgenössische Springkonkurrenz, am Weissen Sonntag 1955 auf dem Seetalplatz in Emmen, und landete gleich auf dem dritten Platz. Fortan rückte das Kunstturnen in den Hintergrund, nun waren Springkonkurrenzen angesagt. Die Reise zu den Wettbewerben erfolgte zuerst auf dem Pferderücken, und erst später mit dem Traktor und Viehwagen. Seit 22 Jahren führte er mit seiner Familie den CS Concours in Root durch. Die Pferdesporttage verbuchten jeweils ein beachtliches Teilnehmerfeld, auch dank dem Beziehungsnetz, das Josef Bucheli in seiner jahrzehntelangen Tätigkeit als CSI-Stewart und Jurymitglied aufbauen konnte.

Ein Leben als Bauer
Natürlich absolvierte Josef Bucheli nach der Schule die Landwirtschaftsschule. Weil jedoch der Erstgeborene Adolf Bucheli den elterlichen Hof übernahm, verdiente Josef Bucheli seinen Lohn als Aussendienstmitarbeiter bei einer Versicherung: «So habe ich die Welt kennengelernt», kommentiert er diesen Lebensabschnitt. Als 1966 der ältere Bruder verunglückte, änderte sich sein Leben mit einem Schlag. Nun kümmerte er sich um den Hof. Unterstützt von seiner Ehefrau Anni, eine gebürtige Rooterin, die er an der Älplerchilbi in Stans kennengelernt hatte. Vier Kinder, Carina, Roland, René und Sybille, sowie sieben Grosskinder umfasst die Familie heute. «Die sieben Buben sind unser ganzer Stolz», erzählt Josef Bucheli erfreut. Überhaupt sei die Familie das Beste in seinem Leben. Als ebenso guten Entscheid bezeichnet er die Aussiedlung des Hofes an den neuen Standort. Da sei ein kleines Paradies entstanden, das viel Freude bereite. Nicht nur sich, sondern auch anderen Menschen. Ein Gebot, das für ihn sehr wichtig ist. «Ich freue mich, wenn es anderen gut geht. Das Leben ist ein Nehmen und Geben.» Einsatz zu leisten für die Gesellschaft, ist für ihn selbstverständlich. Sei es als Frondienstler für einen Verein, als Offizier der Feuerwehr oder als Rechnungsrevisor für die Gemeinde. «Wenn man mitten im Dorf lebt, ist man halt auch mittendrin.» Die Vereine verdanken es ihm mit der Ehrenmitgliedschaft, wie etwa der Musikverein, die Theatergesellschaft, der Turnverein oder Kavallerievereine.
Wunschlos glücklich sei er, sagt Josef Bucheli, der sich im Jahre 2008 von der beruflichen Tätigkeit verabschiedete und seither die Freizeit zu geniessen weiss. Mit kleinen Reisen, mit Freunden, mit seiner Familie. Stets gradlinig. Ehrlich mit sich und seiner Umwelt. «Das Leben meinte es gut mit mir.»

Josef Bucheli 1954 mit Pferd Angela ...

Josef Bucheli 1954 mit Pferd Angela …

... und heute in seinem Haus.

… und heute in seinem Haus

Aktuelle Zeitung

Die Gewinner: Leserbilder Sommer 2017

Die Gewinner: Leserbilder Sommer 2017

Like uns auf Facebook!

Razli

Razli

Razli Wetternachhersage

Partner

Partner

Horoskop

Horoskop