Rigi Anzeiger
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«Afrika-Durst» verhilft Kindern zu Schulbüchern

Oktober 2012, abends um neun Uhr vor dem Flughafen im Tansanischen Arusha, bekannt als Ausgangspunkt für die Besteigung des höchsten Berges Afrikas, den Kilimandscharo. Alle Flugpassagiere sind weg ausser einer Schweizerin. Die Rotkreuzerin Franziska Imbach (damals 26 Jahre alt) wartet darauf abgeholt zu werden zu ihrem Einsatz in einem Waisenhaus.

Das mehrfache Angebot des Taxifahrers lehnt sie ab. Mit ihrem Handy – wohl noch «auf Schweizer Verhältnisse eingestellt» – erreicht sie den Leiter des Heims nicht. Der Taxifahrer ruft für sie an, will sie erneut von der Fahrt dorthin überzeugen. Sie weigert sich, besteht darauf von ihrem künftigen Arbeitgeber abgeholt zu werden. Der sie dann nach einer Dreiviertelstunde in das eine halbe Stunde entfernte Dorf chauffiert. So der harzige Start in einem Afrika, von dem Franziska bereits in der Kindheit, die sie in Kriens verbrachte, gesprochen hatte. «Schon als Mädchen war sie sich sicher, einmal nach Afrika zu reisen», sagt ihre Mutter.

Kniefrei mit Anfangsschwierigkeiten
Die ersten drei Wochen im neuen afrikanischen Zuhause seien schon hart gewesen, erinnert sich Franziska Imbach. Einquartiert war sie bei der Familie des Waisenhausleiters in einem kleinen Haus ohne fliessendes Wasser. Immerhin blieb es ihr erspart, dieses im Fluss zu holen. Der Nachbar verfügte über einen Wasserhahn. Candlelight-Diners, «schöne Momente», gab es oft – der Strom «kam und ging». Die Heimleiter-Eltern waren viel unterwegs, eine Nanny versorgte die 2- und 5-jährigen Kinder. Zur Familie zählte auch der Grossvater «Babu». Er tadelte die junge Schweizerin, weil ihr Rock beim Sitzen über die Knie rutschte oder weil sie «als Christin» die Namen der 12 Apostel nicht aufzählen konnte.
In den ersten zwei bis drei Wochen tat sie sich schwer in der neuen Rolle.

Eine Verständigung war anfangs schwierig, auf der Strasse wurde über die Weisse getuschelt und gelacht. «Ausgelacht haben sich mich, wenn ich am Fluss mit blossen Händen und geschundenen Fingerknöcheln versuchte die Wäsche sauber zu kriegen.» Ein Unterfangen, das nur zum Teil gelang «weisse Kleidungsstücke wechselten sehr schnell auf grau». Doch ihre offene Art im Umgang mit Menschen verbesserte bald die Kommunikation und nach fünf Monaten war es der Abschiedsschmerz der sie schon bald wieder in «ihr» Afrika zurückführte.

Franziska Imbach bei der Schulmöbelieferung im August 2014 ins Massaidorf namens Sendui. Bild zVg.

Franziska Imbach bei der Schulmöbelieferung im August 2014 ins Massaidorf namens Sendui. Bild zVg.

Kindertraum erfüllt
Ein erster Kontakt mit dem schwarzen Kontinent zuvor war beim Besuch ihrer Freundin in Südafrika viel moderater verlaufen. «Das war aber nicht ‹mein› Afrika», sagt sie rückblickend. So suchte sie nach Abschluss der Ausbildung das «richtige Afrika». Inzwischen hat sie es gefunden und bereits das vierte Kinderhilfsprojekt im Fokus. Sie macht das aus Überzeugung, von ganzem Herzen und völlig allein. Von Verwandten und Bekannten trug die studierte Sozialpädagogin die ersten 1500 Franken zusammen. Bestimmt für eine Anzahl Schulbücher für Massai-Kinder. 2013 flog sie mit dem Geld zum zweiten Mal nach Arusha, kaufte nach der Liste von Massai Arpakwa Ole Sikorei, ihrem Ansprechpartner vor Ort, Geografie- und Mathematik-Bücher sowie einen Dictionnaire für Englisch.

Sie lieferte das Bücherpaket in der Schule ab und übernachtete im Dorf in einer Rundhütte. Das Wasser musste aus einer Entfernung von vier Stunden Fussmarsch, Feuerholz aus dem näher gelegenen Wald, geholt werden. Zu anstrengend auch für eine fitte Europäerin – sie kaufte sich dafür einen Esel. «Massai sind gesellige Leute, lachen viel und haben mich trotz mangelnder Verständigung sofort am abendlichen Lagerfeuer einbezogen». Der Kindertraum hatte sich erfüllt – das «richtige Afrika» war gefunden. Nur zu schnell waren die 5 Wochen der Schulferien verflogen und der Afrika-Durst noch immer nicht gestillt. Wieder an ihrem Arbeitsplatz in der Geschäftsleitung bei «Familie plus Hünenberg» konkretisierte sie bald darauf die nächste Idee.

Eine Idee konkretisiert sich
Als nächstes mussten noch Schulmöbel her. Schon der Transport im Sommer 2014 mit dem Lastwagen vom Schreiner zur Schule Sendui war für die Massai ein Ereignis. Stolz, dankbar und mit dem Wissen auf eine erfolgreiche Zukunft wurden die Pulte in Beschlag genommen. Aktuell treibt die unermüdliche Afrika-Freundin momentan den Bau einer Schule in Alchaniomelock voran. «Geplant war die Eröffnung im Herbst 2017. Voraussichtlich sind wir aber bereits Ende 2016 soweit». Dies dank guter Planung und der ausgezeichneten Zusammenarbeit mit den freiwilligen Helfern vor Ort. «Ich kann es kaum erwarten, in den Ferien im Februar das fertige Projekt zu besichtigen», sagt eine kribbelige Kinderfreundin. Und die Ideen gehen ihr nicht aus. Als nächstes steht der Bau eines Waisenhauses in Uganda, genauer in Kampala an – sobald die Finanzierung gesichert ist. Das wird bestimmt gelingen, wie bei den bisherigen Vorhaben.
Marlis Jungo

Unser nächster Gast in der Rubrik «Menschen» ist auf Wunsch von Franziska Imbach, Rotkreuz (www.safaritoschool.com), der langjährige Dorfpolizist von Root, Otto Bucher.