Rigi Anzeiger
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Allgemeine Erhellung im Bahnhöfli

Restaurantretter Bumann brachte nicht nur frische Farbe in die alte Beiz

Daniel Bumann, der bekannte Restauranttester, der eigentlich Restaurantretter ist, machte im Bahnhöfli in Ebikon Station. Zurück blieben neue Anstriche und ein geschlauchtes, aber geläutertes Wirtepaar. Das nun mit neuen Ideen und Eigenprodukten das Bahnhöfli wieder zum belebten Treffpunkt machen will.

«Als ich am Dienstag hier eintraf, fand ich eine ungepflegte nicht gerade einladende Beiz vor, in der alles etwas verlottert schien. Abgeblätterte Farbe, trostlose Innenausstattung und nicht einmal eine Menükarte hing vor der Türe», schildert Bumann dem Rigi Anzeiger seinen ersten Eindruck vom Restaurant Bahnhof, das in der Nähe des M-Parks und gleich neben der Landi in Ebikon zu finden ist. Wenn man es sucht….Aber wer sucht schon hier in der Industrie- und Shoppingecke 140 Meter vom Bahnhof weg ein Restaurant? Dabei steht es schon seit überhundert Jahre hier. Seit 1975 wird es von der Familie Vogel bewirtschaftet. Und seit 1999 vom heutigen Wirt Roger Vogel. Er ist ein Mann der klaren Worte, gelernter Metzger und Koch. Auch Berufskollege Bumann pflegt eine frontale Kommunikation und ist darauf spezialisiert, vor allem zur Unterhaltungszwecken marode Gastbetriebe vor dem endgültigen Untergang zu bewahren. Befindet sich die Gastgeberfamilie Vogel also demnach im unternehmerischen Sturzflug? «Auf diese Frage möchte ich jetzt nicht eingehen. Das sieht man dann im TV-Bericht», sagt Roger Vogel ungewohnt ausweichend. Um gleich anzufügen, dass nicht etwa er selbst, sondern ein Gast den TV-Restauranttester auf das Bahnhöfli aufmerksam gemacht habe. «Man esse zwar sehr gut hier, aber es habe kaum Gäste», weiss der Wirt über den Wortlaut des Hilferufes.

Essen überraschend gut

Daniel Bumann kann den Wahrheitsgehalt des Hilferufes bestätigen. «Das Essen, das ich bei meinem Überraschungsbesuch vorgesetzt erhielt, war wirklich gut. Besonders die Bratwurst war hervorragend. Die Rösti leicht angebrannt, was allerdings ein verzeihlicher Fehler ist», lobt er die Kochkünste des Bahnhöfli-Wirtes. Das gute Essen habe einen überraschenden Kontrast zum ungepflegten Erscheinungsbild des Lokals gebildet. Ein dankbarer Umstand für den Restaurantretter Bumann, der sich für jede Sendung mit der immer gleichen Aufgabe konfrontiert sieht, ein Lokal optisch und kulinarisch zu werten, die Schwachstellen zu analysieren, vom Wirt genehmigte Abhilfemassnahmen umzusetzen und ein Musteressen zu initiieren. Und das innerhalb von vier Tagen. Eine echte Herausforderung. Auch für einen tatendurstigen Profi. Im Falle des Bahnhöfli hat Daniel Bumann die Innenwände des Lokals neu streichen lassen. Und die Aussenfassade auch gleich. Mitgewirkt haben dabei freiwillige Helfer aus dem Kreis der Stammgäste, der Freunde und der Wirtefamilie. Dazu wurde der Gästeraum um einige freundliche Requisiten bereichert. Und den Wirtsleuten in innovativer Richtung ins Gewissen geredet. «Ich habe Ihnen die Schwachstellen in Ihrer unternehmerischen Wahrnehmung zur Erkenntnis gebracht. Im routinierten Alltag nimmt man dieses und jenes nicht mehr so wahr und bewegt sich im gewohnten Kanal. Da braucht es einen fachlichen Input von aussen», umschreibt Bumann den psychologischen Aspekt seiner Mission.

«Musste die Hosen runterlassen»

«Es war für die beiden sicher schwierig die Schwachstellen einzusehen und darauf einzugehen», räumt der Restaurantretter ein. Offenbar haben während der vier Drehtage im Bahnhöfli zu Ebikon nicht immer Friede, Freude und Eierkuchen geherrscht. Und vor allem die Wirtin Martina Vogel war sichtlich gezeichnet vom Wirken Bumanns. Details wollte sie keine preisgeben. Und die Frage, ob auch in dieser Folge tatsächlich Tränen flossen blieb offen. «Aber ich musste schon ein paar Mal tief durchatmen», gestand sie immerhin. Am letzten Drehtag und nach dem Test-Mittagessen mit 60 Gästen im Lokal, das zuvor über Mittag nur von vereinzelten Gästen besucht wurde, war die Frustration wie weggewischt. «Jetzt ist alles gut», versichert sie. Und: «Nein ich hasse Herrn Bumann nicht!». Hin und weg ist auch Roger Vogel: «Sein Besuch hat sich sehr gelohnt. Es war sensationell. Aber ich musste schon die Hosen runterlassen», gesteht er. Jetzt liegt es an der Wirtefamilie, den frischen Wind für einen optimalen Kurs zu nutzen. «Ich habe ihnen empfohlen, auf die hausgemachten Würste und Fleischwaren zu setzen. Die sind wirklich ausgezeichnet und passen in diese an sich gemütliche Schweizer Beiz», verrät Bumann. Besonders die Bahnhöfli-Bratwurst sei eine Klasse für sich. «Und zu der haben wir eine feine ‹Sauce Martina› kreiert. Was es mit dieser ganz besonderen Sauce auf sich hat, verraten wir aber erst in der Sendung», sagt der Starkoch. Die neue Staffel wird im nächsten Frühling ausgestrahlt. Das Sendedatum steht noch nicht fest. Bis dahin hat das Wirtepaar Zeit, neue Menüs mit Spezialitäten des Hauses zu kreieren, die Speisekarte neu aufzusetzen und das Angebot innovativ zu optimieren. «Erfahrungsgemäss kommt der grosse Gästeandrang nämlich erst nach der Ausstrahlung der Sendung. Bis dahin müssen die beiden bereit sein», verrät Restaurantretter Bumann.

Restaurantretter Bumann im Restaurant Bahnhof in Ebikon LU
Daniel Bumann (links) leistet Überzeugungsarbeit in der Küche – Roger Vogel scheint skeptisch und Martina Vogel beschäftigt…

Restaurantretter Bumann im Restaurant Bahnhof in Ebikon LU
So sah das Bahnhöfli vor dem Besuch von Daniel Bumann aus. Inzwischen ist der helle Bereich der Fassade neu gestrichen.

Restaurantretter Bumann im Restaurant Bahnhof in Ebikon LU
Dreh- und Streicharbeiten im Restaurant: Starkoch Daniel Bumann (Mitte) zeigt, worauf es ankommt.