Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Alltäglicher Wahnsinn

Die Freude an der prickelnden Dusche währt nicht lange, denn schon wieder so eine dämliche Tüte, die sich mit dem besten Willen nicht öffnen lässt. Zwar verfügt die Shampooverpackung über eine Einreisshilfe, doch ich kann reissen, wie ich will, da tut sich nichts.

Kolly_kleinDas Wasser plätschert auf meinen Kopf, rinnt in die Augen, Schere ist keine in Griffnähe und nicht mal mit den Zähnen lässt sich was ausrichten. Das Plastikding widersteht hartnäckigst sämtlichen verzweifelten Öffnungsversuchen. Verbraucherunfreundlicher gehts nicht. Frustverpackungen, die immer wieder den Alltag schwer machen. Gurkengläser, die sich nicht drehen lassen, Aludeckel, deren Laschen abbrechen, die Produzenten müssen Sadisten sein. Am schlimmsten sind die Hardcore-Plastik-Verpackungen, welche das Fleisch gleich luftdicht einschweissen. Die Plastikschalen verfügen an der Ecke über neckische aber völlig untaugliche Einreisshilfen. Die Kraft in meinen Fingern reicht reicht jedenfalls nie. Vor allem, wenn sie etwas feucht sind, und das kommt beim Kochen öfters vor, glitscht die Ecke unbarmherzig weg. Und wenn sich denn diese obere Verpackungsschicht entfernen liesse, liegt darunter eine zweite, noch viel mühsamere, die Schweissschicht. Derweil wird in der Pfanne das Öl heiss, beissender Rauch steigt auf, ein schneller Griff zum spitzen Küchenmesser. Und hier lauert schon die nächste Gefahr. Um komplizierte Verpackungen zu öffnen, greifen viele Menschen in ihrer Verzweiflung zu gefährlichem Werkzeug. Das kann schmerzhafte Folgen haben. Gemäss einer englischen Studie verletzen sich pro Jahr rund 50 000 Menschen beim Öffnen solcher Ärgerverpackungen. Die in der Untersuchung aufgeführten Versu- che, schwierige Verschlüsse mit Hilfe von Schraubenziehern, Messern und Zangen zu überwinden, endeten nicht selten sogar im Krankenhaus. 90 Prozent der Leidtragenden fügten sich Schnittwun- den zu. Weitere Verletzungstypen waren Stichwunden, Zerrungen, Verstauchungen und Prellungen. Angesichts dessen bin ich bis anhin glimpflich davon gekommen, es blieb bei kleinen Schnitten, aber grossem Ärger über die Produzenten. Auch wenn da harte Faktoren wir Produkteschutz, Optik, Transport oder Lagerung als äussere Zwänge ins Feld geführt werden, solche Verpackungen, die den Konsumenten in den Wahnsinn treiben, kann nur jemand entwickeln, der sich am Leid anderer erfreuen kann. Linda Kolly

 

 

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