Rigi Anzeiger
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Als Meggen ein Obstbaumparadies war

Meggen: Kaum zu glauben: Vor weniger als hundert Jahren war Meggen übersät von tausenden von Birn- und Apfelbäumen. Heute ist es eine attraktive Wohngemeinde. Das Buch «Most» von Heiri Scherer berichtet vom Kultur- und Landschaftswandel.

Heiri Scherer: «Most, Kultur, Architektur, Kulinarik – das Erbe vom Vierwaldstättersee», Verlag Neue Zürcher Zeitung; erhältlich in der Hirschmatt Buchhandlung Luzern

Heiri Scherer: «Most, Kultur, Architektur, Kulinarik – das Erbe vom Vierwaldstättersee», Verlag Neue Zürcher Zeitung; erhältlich in der Hirschmatt Buchhandlung Luzern

jp. «Most» tönt irgendwie altmodisch? Sagt Ihnen der Begriff «Scheidmost» etwas? Das Buch von Heiri Scherer erzählt Geschichten von Mensch und Baum, Most und Mostereien und soll als Grundlage für einen Obstsorten-Garten, für eine geplante Allee entlang eines neuen Wanderwegs im Gebiet Badhof, Krusenweid und Siten in Vorder Meggen dienen. Im imposanten, kühlen Kellergeschoss der Kreuztrotte stellte der Megger Buchgestalter, Heiri Scherer, sein neustes Werk «Most» – Kultur, Architektur, Kulinarik – das Erbe vom Vierwaldstättersee, mit Bildern und Anekdoten vor. Nach einem Begrüssungswort durch den Megger Gemeindepräsidenten, Urs Brücker, gab Mitautor Benno Furrer von der Bauernhausforschung Schweiz einen kurzen Abriss zur bäuerlichen Mostkultur und zur Architektur der Mosttrotten vor und nach den Jahren um 1800.
Obst war einst für die Bevölkerung ein wichtiger Teil der Grundversorgung. Die damaligen Bauern nutzten das Terrain rund um die Rigi, um Birnen- und Apfelbäumchen zu setzen. Tafelfrüchte wurden in die Stadt geliefert. Doch der Grossteil des Ertrags wurde in Trotten vermostet. Ein wichtiges Ziel war, den Birnen- und Apfelsatz haltbar zu machen. Auch durch Dörren. Zur Blütezeit des Obstbaus im 19.Jahrhundert wurden eigentliche Dörrhäuschen eingerichtet.
Mit dem Aufkommen der Kartoffel und ihrer Verwendung in vielen Rezepten wurde diese zum wichtigsten Nahrungsmittel. Das Obst verlor kontinuierlich an Bedeutung. In Meggen gab es beispielsweise im Jahr 1951 eine Gesamtzahl von über 21000 Obstbäumen. Dreissig Jahre später, 1981, zählte man schon weniger als 5000 Obstbäume. In der Blütezeit des Obstbaus waren in Meggen 18 Pressen in Trotten in Betrieb. Viele Mostereien sind noch erhalten. Sie sind umgenutzt als Wohnungen, Ateliers, Werkstätten oder Verkaufsräume. Die eigenständige Architektur der Trotten erinnert an das einst florierende Geschäft mit dem Obst.

Das Beschicken der Obstmühle im Letten, Ende der 1930er-Jahre.

Das Beschicken der Obstmühle im Letten, Ende der 1930er-Jahre.

Über die einstige Vielfalt an Apfel- und Birnbäumen und der aus dem Obst erzeugten Produkte erzählte der auf dem Megger Bauernhof Eiholz aufgewachsene Heiri Scherer selber. 31 Sorten an Mostbirnen gab es ums Jahr 1900. Das vielseitige Mostangebot, vom «Neuen» bis zum «Alten», vom «Süsslauteren» über «Trüben» bis «Klaren» vermochte die verschiedenen «Geschmäcker» der damaligen Konsumenten vollauf zu befriedigen. Das Brennen verschiedener Obstweine war nicht nur ein Segen. Im 19. Jahrhundert wuchs die «Schnapspest» in der Schweiz zu einem ernsthaften Problem aus. Wenn es bei einem «Canärli», dem Bettmümpfeli für Erwachsene, einem Würfelzucker in etwas Schnaps getaucht, blieb, war in der kalten Jahreszeit für einen guten Schlaf gesorgt.