Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

An der Theateraufführung «Alles für d’Chatz» sprang der Funke

Menschen im Gespräch: «Ich hatte das Glück, dass ich meiner Mutter noch an der Schürze zupfen durfte», sagt David Beeler auf seine glückliche Kindheit in Immensee rückblickend. Als jüngster, mit zwei älteren Brüdern und einer Schwester wuchs er auf einem Bauerngut mit Seean­stoss am Zugersee auf. Was künftig noch eine wichtige Rolle im Leben des Immenseer «Ureinwohners» spielen wird. «Heile Welt war es damals», sagt der heute 66-Jährige und ein wenig Wehmut schwingt mit.
Schon in der Primarschule schimmerten zwei Talente durch: die grosse Selbstständigkeit und das Zeichnen. Beides setzte David dann im Berufsleben um. Bereits in der zweiten Sekundarklasse bewarb sich der Schüler eigeninitiativ für eine Lehrstelle als Maschinenzeichner bei Rittmeyer in Zug. Die Aufnahmeprüfung in Theorie und Praxis bestand er problemlos. So machte der Lehrmeister eine Ausnahme und liess den selbstbewussten Jüngling vor Abschluss der dritten Klasse seine Lehre antreten. «Meine Eltern haben den Lehrbetrieb erst im dritten Lehrjahr zum ersten Mal gesehen. Zuvor hatten sie lediglich den vorbereiteten Lehrvertrag unterschrieben.»

Musikalisches Hobby
Nebst Lehre und Ausbildung kam das Musische zum Zug: Mit grossem Einsatz spielte und spielt er noch heute auf dem Cornet in der Musikgesellschaft Immensee. Als Ende der 60er Jahre eine Weiterbildung anstand, kam dem jungen Musiker zu Ohren, dass es in Goldau ein «russische Musikerin» gebe. Die sich dann als die 17-jährige Annemarie Miksovic, tschechisch-stämmige Klarinettistin, herausstellte. So richtig gefunkt habe es dann nach einer Theateraufführung der Goldauer Gesellen. Als sich die Immenseer ansehen wollten, wie die Goldauer das Stück «Alles für d’Chatz» in Goldau inszenierten.

Bauherr mit 22 Jahren
1970 reisten die beiden Verliebten mit Annemaries crèmeweissem VW-Käfer, «s’Tanti» von Italien nach Griechenland, in die Süd- und Südosttürkei und zurück über Bulgarien. «Den Eltern haben wir vorsichtshalber nur Italien als Ziel angegeben», fügt Annemarie Beeler verschmitzt an. Davids Traum nach einem eigenen Heim auf einem Grundstück der Eltern, am See gelegen, wurde als nächstes Projekt in Angriff genommen. An seinem 22. Geburtstag erfolgte die Baueingabe des selber gezeichneten Hauses. Nachdem ihm zu Ohren gekommen war, dass es nach Ende Juli 1972 keine Baubewilligungen am See mehr geben werde, setzte der junge Bauherr alles daran seinen Traum zu verwirklichen – mit Vehemenz bei den zuständigen Ämtern in Schwyz und Küssnacht. Täglich um 17 Uhr nach Arbeitsschluss bei der Maschinenfabrik Mettler in Goldau ging es für David nun auf die Baustelle am See. Auch Annemarie half tatkräftig mit: «Sie könnte noch heute Beton anrühren», sagt ein lachender Ehemann. Nach zwei Jahren Bauzeit, unzähligen Feierabend- und Wochenendeinsätzen, war das Haus 1974 bezugsbereit und das frisch verheiratete Paar zog ein.

Konstrukteur mit Leidenschaft
Ein kleines Inserat eines Immenseer Betriebs änderte die berufliche Laufbahn des Maschinenzeichners. Rigert, ein «kleines Budeli», spezialisiert auf Treppenlifte suchte einen Konstrukteur. Für den 28-Jährigen öffnete sich ein weiteres Tor. Ihn reizte die Aufgabe beim Auf- und Ausbau des Kleinbetriebs mitzuhelfen. Er optimierte die Fertigung, erstellte die technischen Unterlagen, sorgte für Kos­tentransparenz sowie Qualität und Genauigkeit bei den Zulieferanten. «Als grosses Erlebnis bleibt mir in Erinnerung, als mir der ‚Capo’ – César Rigert – das ‚Du’ angeboten hat.» Es wurden daraus 15 Jahre bei Rigert, sieben davon als Geschäftsführer. «Noch heute wird weltweit bei Treppenliften und Senkrechtliften die von mir vor 35 Jahren konstruierte Fangvorrichtung (Notbremse) eingebaut», sagt stolz der Konstrukteur mit Leib und Seele.
Zusammen mit der Weltfirma Garaventa in Goldau gründete Beeler dann die Garaventa Liftech AG und begann mit zwei Mitarbeitern. Inzwischen mit Rigert fusioniert produziert sie mit 70 Mitarbeitern Treppenlifte für Senioren oder Rollstuhlfahrer sowie Senkrechtlifte.

Erfülltes «Rentnerleben»
Inzwischen im «Unruhestand» finden beide Passionen – das Zeichnen und Musizieren – ihre Fortsetzung. Erstere beim Entwerfen von filigranen Iffele-Kunstwerken. «Die erste trug das Motiv
‚100 Jahr MG Immensee’, ein einmaliges Fest, das ich als OK-Präsident erleben durfte», erinnert sich Beeler. Die schulterhohe zweite wartet auf die Fertigstellung. In die beiden Kartonteile eingestanzt wurden zwei traditionelle Elemente – Klaus und JHS. Dazu kommen die vielen vom Künstler selber entworfenen und entwickelten grafischen Elemente. Die Farbkombinationen liegen vor, akribisch aufgezeichnet mit Buntstiften. Erstrahlen soll das Werk im Dezember am Klausumzug der Klausengesellschaft Immensee. Für diesmal wird er dann sein Musikinstrument zu Hause lassen. Sonst pflegt David das Musizieren als gemeinsames Hobby mit Annemarie. Monatlicher Veteranenhöck als deren Obmann seit fünf Jahren, jährlicher Ausflug und regelmässige Proben und Konzerte der MG Immensee füllen Tage und Abende. An schönen Tagen lockt die Rigi, die er auf direktem Weg besteigt. «Rigi-Kulm im Blickfeld machte ich auch schon ein paar Meter unterhalb in den ‚Bändern’ Halt und bin dann wieder abgestiegen. So dem Gipfelrummel ausweichend!» Annemarie pflegt indes Haus und Garten und hat als Katzenliebhaberin ihre Passion gefunden, also doch nicht «Alles für d’Chatz».

Marlis Jungo

Unser nächster Gast in der Rubrik «Menschen» ist auf Wunsch von David Beeler, Immensee, Veteranenobmann der Musikgesellschaft Immensee und Inful(Iffele)-Bauer, Franziska Imbach, Rotkreuz. Sie hat 6 Monate in einem Waisenhaus in Tansania gearbeitet und engagiert sich seither für Kinder und Jugendliche in Ostafrika.

David Beeler arbeitet im Garten am Zugersee an seiner zweiten Iffele. Bild Marlis Jungo

David Beeler arbeitet im Garten am Zugersee an seiner zweiten Iffele.
Bild Marlis Jungo