Rigi Anzeiger
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Angelfluh als Senioren-Residenz?

Ganz vernünftige Ideen. Aber weder Lust noch Zeit, sie umzusetzen

Die Gasthaus-Ruine Angelfluh verkommt zum Schandfleck der noblen Gemeinde Meggen. Weil einer der beiden Besitzer unfähig und der andere unwillig ist, auf dem einmaligen Grundstück am Seeufer etwas «G’freutes» aufzubauen. Zumindest vorerst.

«Einfach ein neues Gasthaus zu bauen und dann glauben, dass sich diese Inve-stitionen lohnen, das funktioniert heute nicht mehr. Die Auflagen sind so komplex geworden, dass diese Rechnung nicht aufgehen würde. Selbst an dieser Lage nicht», ist Marius Heer überzeugt. Und doppelt nach. «Wenn die Gemeinde Meggen sich so sehr ein Gasthaus als Ausflugsziel am See wünscht, dann soll sie ihr Schloss Meggenhorn dafür nutzen. Dann kann sie selber sehen, wie schwierig das heute ist».

Erbengemeinschaft Heer
Doppelt gewappnet scheint für Marius Heer die einzig richtige Strategie für die Angelfluh zu sein. «Vorne am Seeufer ein Gasthaus-Betrieb und auf dem hinteren Teil des Grundstückes Senioren-Residenzen. Beides könnte mit einem Tunnel miteinander verbunden sein. So könnte die Angelfluh das ganze Jahr über wirtschaftlich genutzt werden», malt er sich aus. Und erklärt mit Nachdruck: «Wenn auf der Angelfluh etwas gebaut werden soll, dann muss es zwingend wirtschaftlich funktionieren. Etwas anderes kommt nicht in Frage. Und ein Verkauf auch nicht». Doch wer ist Marius Heer? Es ist jener der drei Erben der 2009 verstorbenen Margrit Heer von St.Niklausen, dem heute zwei Drittel der Angelfluh gehören. Der letzte Drittel ist im Besitz seines Bruders Walter Heer. Ein dritter Sohn hat sich diesen Erbanteil auszahlen lassen. Mit guten Gründen. Denn was immer auch in Zukunft auf der Angelfluh entstehen soll, es muss von den Erben einstimmig beschlossen werden. Und das ist mit dem Erben Walter Heer ein aussichtsloses Unterfangen. Wie dessen bisherige Aktivitäten auf der Angelfluh eindrücklich demonstriert haben.

Hafen soll saniert werden
Das weiss auch der Sachwalter der Erbgemeinschaft, Peter Bachmann in Adligenswil. «Die Situation ist durch die persönlichen Gegebenheiten sehr schwierig. Ich glaube nicht, dass sich in absehbarer Zeit etwas am Zustand der Angelfluh ändern wird», sagt er. In seiner Befugnis liegt allein der Werterhalt der Liegenschaft. Und wenigstens diese Befugnis will er nutzen. «Beim Hafen muss man jetzt etwas unternehmen», kündigt er an.

Wie der Zahn der Zeit unter der inzwischen vom Sachwalter unterbundenen Mitwirkung von Walter Heer an der Angelfluh nagt, das tut auch dem «Mehrheits-Erben» Marius Heer weh. «Seit meinem zehnten Lebensjahr habe ich davon geträumt, hier als Gastgeber zu wirken. Dafür habe ich sogar die Hotelfach-Ausbildung absolviert», verrät er.

Doch als er von einem Auslandaufenthalt wieder in seine Heimat zurückkehrt, muss er erfahren, dass fortan sein Bruder Walter sich um die Angelfluh kümmern wird. Wie der Jurist und Jungeselle ohne Beschäftigung, der stets bei seiner Mutter in St. Niklausen gewohnt hatte, sich in den vergangenen 18 Jahren um die Angelfluh gekümmert hat, davon können die Megger ein Lied singen. «Er ist mit einer solchen Aufgabe überfordert», sagt sein Bruder Marius dazu.

Angelfluh Meggen

Unter dem Vorwand des «Eigenbedarfs», kündigte die damalige Besitzerin Margrit Heer 1993 dem tüchtigen italienischen Wirtepaar Franco und Theres Tolone, das mit seinen Fischgerichten und dem gut bestückten Weinkeller seit den 1980er Jahren die Angelfluh zu einem Begriff für Geniesser und Feinschmecker machte. Die Verhandlungen vor Amtsgericht bewirkten zwar noch zwei Jahre Aufschub zum Preis einer erneuten massiven Pachtzins-Erhöhung. Dann aber waren die Stunden des letzten Pächterpaares der Angelfluh und damit auch jene des Gasthauses gezählt.

Untalentierter Heimwerker
Während sich Franco und Theres Tolone an der Fluhmattstrasse in Luzern mit ihrem «Casa Tolone» sehr erfolgreich eine neue Existenz aufbauten, ruinierte Besitzer-Sohn Walter Heer das Aus- und Ansehen der Angelfluh hartnäckig und gründlich. Unter der Ankündigung, das Hotel-Restaurant und die Umgebung eigenhändig zu sanieren und dann darin zu wirten, präsentierte der inaktive Jurist eine Heimwerker-Posse nach der anderen. Zum Auftakt fällte er einen grossen Teil des Baumbestandes, bestückte das Gelände mit zahlreichen Verbotstafeln, stellte mit einer missglückten Treppe zum See hinunter sein bescheidenes handwerkliche Talent unter Beweis, zog einen imposanten Grenzzaun mit Stacheldrahtverhau quer über das Gelände und benutzte das Anwesen als Abstellplatz. Die Angelfluh wurde zum unansehnlichen Schlachtfeld eines Nichthandwerkers der bei allen Wetterlagen sein Unwesen trieb. Neugierigen gegenüber gab er sich als unwissender Angestellter aus. Die behutsamen Versuche der Gemeindeverwaltung, das Treiben des Walter Heer wenigstens auf ein umweltverträgliches Niveau anzuheben, verliefen im Schutt von dessen jüngsten unvollendeten «Kleinbauwerken». An die wirkliche Herausforderung, nämlich das Gebäude zu restaurieren hat sich der Möchtegern-Gastronom aber nie gewagt. Wohl zum Glück. Immerhin steht das Haus noch.

Bis vor Bundesgericht
Auch in administrativer Hinsicht agierte Walter Heer mehr als unbeholfen. Kaum war das letzte Pächterpaar weg, gründete er die Einzelfirma «Angelfluh Hotel Heer». Der entsprechende Eintrag im Handelsregisteramt ist bis jetzt die einzige Aktivität dieser Firma mit «Sitz in Meggen» geblieben. Als Zweck ist der «Betrieb des Angelfluh Hotels und dazugehöriger Restaurants etc.; Erbringung von Dienstleistungen insbesondere im Gastronomiebereich» vermerkt. Auch im Schweizer Zentralregister der Unternehmens- Identifikationsnummern (UID-Register.ch) figuriert bereits ein «Angelfluh Hotel Heer». Und im «Business Branchenbuch» figuriert Walter Heer gar unter «Angelfluh Weine Heer».

Als sich Heer im Jahre 2007 dazu verstieg, mit einem aus etwa 50 Lastwagenladungen bestehenden veritablen Erdwall und Sichtschutzvegetation auf dem Kamm den Anwohnern und Passanten die Sicht auf sein Treiben, und damit auch die Sicht auf den See zu versperren, wurde es der Gemeinde endlich zu bunt. Sie forderte Heer ultimativ dazu auf, die illegalen Erd- und Gartenarbeiten wieder rückgängig zu machen. Ohne Erfolg. Erst ein Bundesgerichtsurteil konnte den starrsinnigen Junggesellen schliesslich dazu bewegen, die illegalen Erdbewegungen und Bepflanzungen im Herbst 2011 wieder rückgängig zu machen.

Erfolgreicher Auktionshaus-Besitzer
Inzwischen hält Sachwalter Peter Bachmann von Amtes wegen den passiven Minderheitsbesitzer der Angelfluh in Schach. Walter Heer darf nicht mehr nach eigenem Gutdünken wirken. Und sein Bruder Marius besucht immer wieder mal den heruntergekommen Ort seiner Jugendträume. «Die Angelfluh hat in der Tat Besseres verdient», seufzt er. Doch neben der Aussichtslosigkeit, sich mit seinem Bruder Walter auf ein sinnvolles Vorgehen einigen zu können, halten ihn auch seine aktuellen, persönlichen Lebensumstände davon ab, auf der Angelfluh aktiv zu werden. «Mit meinem jetzigen Unternehmen bin ich voll ausgelastet», sagt Marius Heer, Besitzer der Dobiaschofsky Auktionen AG in Bern. Der heute bald 60jährige hat das Berner Traditionshaus 1989 erworben und investiert seine ganze Arbeitskraft in die Veräusserung von Kunst und Antiquitäten. Hat er seinen Jugendtraum von der Angelfluh inzwischen ausgeträumt?

«Nein!» widerspricht Heer energisch. «Aber es eilt nicht. Es ist nicht nötig, von heute auf morgen auf der Angelfluh etwas zu bauen. Wir haben ja Zeit», findet er.

 

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