Rigi Anzeiger
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Anschlag galt wohl dem Vormieter

In Megger Wohnquartier explodierter Sprengsatz wirft Rätsel auf

Am Montagmorgen um 4 Uhr wurden die Bewohner des ruhigen Lettenquartiers in Meggen jäh auf einen dänischen Neuzuzüger aufmerksam. Vor dessen Eingang explodierte ein Sprengsatz. Eine Warnung für den längst ausgezogenen Vormieter? Ein deutscher Investor, der in diverse Gerichtsverfahren verwickelt war und ist.

Von der Strasse aus, wirkte es unauffällig und bescheiden. Das Haus an der Lettenstrasse in Meggen. Gleich bei der Gemeindegrenze zu Merlischachen. Doch das Anwesen hat es in sich. 325 Quadratmeter Nutzfläche, sieben Zimmer, ein grosser Garten mit direktem Seeanstoss und ein Mietpreis von 17000 Franken monatlich. Mit diesen Fakten war es Ende vergangenen Jahres zur Miete ausgeschrieben. Mieter war damals ein deutscher Investor namens Marco Hahn. Ein Mann, der in Deutschland zu den angeklagten Hauptfiguren diverser Gerichtsverfahren zählt. «Prozess in Hamburg: Mildes Urteil für Investor Marco Hahn?», «Bewährung für Marco Hahn: Schuldig – aber auf freiem Fuss» oder «Vor dem Millionen-Prozess kam der Gerichtsvollzieher: Marco Hahn – Besuch vom Gerichtsvollzieher», lauten die Schlagzeilen in deutschen Medien zu diesem schillernden norddeutschen Beteiligungsunternehmer.

Schillernder Geschäftssitz

Ein Google Streifzug zur Adresse Lettenrain 18 fördert diverse Firmen zutage, die hier residiert und offenbar zum Unternehmensgeflecht des Deutschen gezählt haben: Unter anderem die Maximus Consulting GmbH, die CapiTrust AG, die Monte Chisto Group AG und die Rooster Holding AG. Der Lettenrain 18 in Meggen ist also für geprellte Opfer des Investors Hahn ein leicht zu ortendes Racheziel. Aber kein aktuelles. Denn der Deutsche ist schon vor Monaten ausgezogen. «Es ist alles ordentlich bezahlt und bereinigt. Ich kann nichts Nachteiliges über ihn sagen», sagte der Hausvermieter, der gleich nebenan wohnt. Hütet sich aber wohlweislich, den Namen von Hahn zu nennen. «Damit Sie keine falschen Schlüsse ziehen», begründet er. Die Nachbarschaft indes hat insgeheim wohl längst ihre Schlüsse gezogen. «Ich habe da mal über meinen Nachbarn gegoogelt und es hat mir nicht gefallen, was dabei zum Vorschein kam», erzählt eine Nachbarin. «Wenn der Vormieter noch hier wohnen würde, wäre der Grund für so einen Anschlag wohl nicht so rätselhaft», meint eine andere. Weil der norddeutsche Investor aber schon seit Monaten weg ist, herrscht über den Hintergrund des Anschlages allgemeines Rätselraten. «Wir rätseln auch», sagt der Vermieter vom Lettenrain 18.

Überwachungskamera ausser Betrieb

Dass ein erbostes Hahn-Opfer schlicht nicht mitbekommen haben könnte, dass sein Gegner inzwischen den Wohnsitz gewechselt hat – auf diese Idee kommt offiziell keiner. Und dass der Anschlag dem neuen Mieter gegolten haben könnte, hält keiner für möglich. «Die sind ja erst eingezogen», lautet die allgemeine Argumentation. Es ist eine dänische Familie mit zwei Kindern, die nach dem Anschlag verschreckt in ein Hotel geflüchtet sein soll. «Die Leute sind freundlich und offen auf mich zugegangen und haben mich begrüsst», schildert eine Nachbarin. Eine ganz normale Familie. Das Gegenteil vom Vormieter also. Der hatte übrigens wohlweislich eine Überwachungskamera auf seinen Hauseingang gerichtet. Deutlich als solche erkennbar trohnt sie oben auf einer Stange. Ein Logenplatz zur Beobachtung der Vorgänge vor dem Haus. Aber leider ausser Betrieb. «Wir haben sie noch nicht in Betrieb genommen, weil die neuen Mieter ja eben eingezogen sind», erklärt der Vermieter der Seeufervilla.