Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Anwalt droht mit Berufung

Das juristische Geplänkel um Rooter Bauherrn, der 2007 seinen Gipsermeister erstach, geht weiter

Der Fall in Root erregte landesweites Aufsehen. Im Verlaufe einer Auseinandersetzung um angeblichen Baupfusch hat ein Serbe einen Landsmann erstochen. Vor mehr als sechs Jahren. Inzwischen wurde der Messerstecher vom Kriminalgericht verurteilt, vom damaligen Obergericht freigesprochen und jetzt doch noch verurteilt. Nun droht sein Anwalt mit Rekurs.«Wie ein hässliches Mahnmal steht ein unverputztes Haus mitten in einer Einfamilienhaussiedlung in Root. Es ist Ursache und Schauplatz eines Tötungsdeliktes. Und der Täter haust weiterhin drin…» so hat der Rigi Anzeiger am 21. Februar dieses Jahres über den bizarren Fall berichtet. An den geschilderten Umständen hat sich seither nichts geändert.  F.H., der einst einen tödlichen Streit zu Ungunsten seines Gipsermeisters provoziert hatte, lebt nach wie vor hier. Eine ebenso endlose Baustelle droht nun die Bestrafung des Täters zu werden.

Messerstecher von Root

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wohnsitz im Rohbau – für ein Jahr dürfte der Hausbesitzer in eine andere Unterkunft ziehen.  

 
Ein Jahr unbedingt
Der heute 43jährige Serbe wurde rund drei Jahre nach der Tat vom Luzerner Kriminalgericht als erste Instanz zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Wegen vorsätzlicher Tötung. Sein Pflichtverteidiger Urs Rudolf focht das Urteil an und erreichte einen  Freispruch vor Obergericht, das dem Angeklagten eine Notwehrsituation attestierte. Das war Mitte 2011. Die Angehörigen des erstochenen Gipsermeisters waren entsetzt, der Staatsanwalt konsterniert. Sie erhoben beim Bundesgericht Einsprache gegen den Freispruch des Luzerner Obergerichtes, das inzwischen als Kantonsgericht agiert. Ende August 2012 traf auf diesem Kantonsgericht dann dicke Post aus Lausanne ein:  Die Einsprecher hätten recht, der Fall müsse neu beurteilt werden. Damit liess sich das Kantonsgericht rund ein Jahr lang Zeit. Am 17. September fällte es ein neues Urteil:  «F.H. ist der (eventual-) vorsätzlichen Tötung nach Art. 111 StGB, begangen in Notwehrexzess nach Art. 15 und 16 Abs. 1 StGB, schuldig …… und wird mit drei Jahren Freiheitsentzug bestraft, ein Jahr davon unbedingt.»

Dieses Urteil hat vorerst keinerlei Folgen. Denn es liegt erst in Form eines sogenannten «Dispositivs» vor. Also als Urteilsspruch ohne Begründung. Mühsam für die Juristen, die zuerst  das begründete Urteil abwarten müssen, um ihre Reaktion darauf abzustimmen. Und das kann Wochen bis Monate dauern. Und wenn es vorliegt, haben die Parteien erneut rund drei Wochen Zeit, um Einsprache gegen den mittlerweile dritten Richterspruch zu erheben. Doch schon jetzt ist klar, dass niemand mit diesem Urteil zufrieden ist.  Schon gar nicht die Witwe des erstochenen Gipsermeisters. «Ich bin zwar zufrieden damit, dass er nun nach Intervention des Bundesgerichtes verurteilt wird. Aber das Strafmass ist viel zu gering. Er müsste nach Abzug der Untersuchungshaft nur noch drei Monate absitzen», kritisiert sie.

Ihr Rechtsanwalt Beat Hess aus Luzern. doppelt nach. «Dass das Strafmass des Kriminalgerichtes von vier Jahren vom Kantonsgericht nun auf drei Jahre reduziert wurde ist für uns unbefriedigend und hat wohl mit der langen Dauer des Verfahrens und mit dem Anerkennen eines Notwehr-Exzesses zu tun. Daraus resultiert auch die deutliche Reduktion der Genugtuungs-Forderung. Die Notwehr-Situation haben wir immer bestritten, doch aufgrund der Beweislage hat das Gericht offenbar zu Gunsten des Beschuldigten entscheiden müssen. Zum heutigen Zeitpunkt und vor Kenntnis des begründeten Urteils sehe ich aber keinen Grund, deswegen den Fall an das Bundesgericht weiter zu ziehen», erklärte er gegenüber dem Rigi Anzeiger.
Ganz anders sieht das der gegnerische Anwalt. «Wir warten die Begründung des Urteils ab. Ein Weiterzug an das Bundesgericht ist wahrscheinlich», erklärte Urs Rudolf aus Emmenbrücke, der den Angeklagten bereits vor Kriminalgericht und dann vor Obergericht als Pflichtverteidiger vertreten hatte.
Noch unentschlossen in der Sache ist der Luzerner Staatsanwalt Peter Bühlmann. Aber immerhin vorerst erleichtert. «Wenigstens ist er nun mal verurteilt worden. Ob das Strafmass allenfalls zu beanstanden ist, lässt sich erst nach dem Studium der Urteilsbegründung beurteilen», erklärt er auf Anfrage.
Und was sagt der Verurteilte selbst zum Urteil? Nichts. Er ist telefonisch nicht erreichbar – weil nicht existent – und nur gelegentlich zuhause anzutreffen. Die Nachbarn wissen aber: Er wohnt noch immer hier. Es gäbe noch einiges zu erzählen. Aber Erzähler gibt es hier keine. Nur Beobachter und Ohrenzeugen.
Auch die Rooter Behörden hüllen sich in Schweigen zum hierzulande erstaunlichen Umstand, dass ein Rohbau als Dauerzustand akzeptiert wird.

Niklaus Wächter

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