Rigi Anzeiger
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Arbeitseinsätze für Asylsuchende geplant

Ebikon: Dass in den nächsten Wochen bis zu 60 Asylbewerber im Hotel Löwen einziehen, gibt in Ebikon zu diskutieren. Rund 120 Besucher nahmen an der Orientierungsversammlung teil.

Das Thema Asylzentrum «Löwen» in Ebikon bewegt und führt bei einigen Ebikonerinnen und Ebikonern zu Ängsten. Das kam an der Orientierungsversammlung am vergangenen Donnerstagabend zum Ausdruck. Befürchtungen haben aber auch die Betreuer der Asylsuchenden. Deshalb haben sie schon kurz nach dem Auszug der Löwen-Wirtefamilie die ersten 12 Asylbewerber einquartiert. «Um eine allfällige Hausbesetzung zu verhindern», verriet Ruedi Fahrni, Asyl- und Flüchtlingskoordinator des Kantons Luzern in der Aula Wydenhof. Zum Auftakt der einstündigen Orientierung mit anschliessender Diskussion, versuchte Fahrni Verständnis für die Asylbewerber zu gewinnen. Skizzierte die gewaltigen und weiter zunehmenden Flüchtlingsströme vor allem aus Afrika. Und die Notwendigkeit, diese Menschen kontrolliert und begleitet aufzunehmen, statt sie unkontrolliert einsickern zu lassen. Darunter sind Familien mit bis zu 18 Mitgliedern. Und Clans bis 60 Personen. Das ist die Zahl, die in den kommenden Wochen im Hotel Löwen untergebracht werden soll. Aus welchen kaputt gewirtschafteten und zerbombten Länder die Menschen kommen, in welchem Alter und Zustand sie sind – das weiss auch der kantonale Flüchtlingskoordinator nicht. «Sie werden uns zugeteilt», sagt er. Er geht davon aus, dass im Hotel Löwen sowohl einzelne Männer, als auch Paare und Familien aus Eritrea, Syrien, Afghanistan, Sri Lanka, China (Tibet) und Irak einquartiert werden. «Aber keine alleinlebenden Kinder», versichert er.

Infoabend Ebikon

Ruedi Fahrni, Asyl- und Flüchtlingskoordinator des Kantons Luzern «Die Asylbewerber, die im ‹Löwen› einquartiert werden, sind bereits etwas akklimatisiert. Sie haben schon einige Monate in einem Zentrum hinter sich, bevor sie nach Ebikon kommen.»

Bereits etwas akklimatisiert
«Allein in den syrischen Nachbarstaaten halten sich derzeit 3,2 Millionen Flüchtlinge auf. Und wenn in Jemen etwas passieren sollte löst das eine weitere Flüchtlingswelle mit gewaltigen Dimensionen aus», skizzierte Fahrni die künftigen Flüchtlingsströme. Und es handle sich zunehmend um echte Flüchtlinge, denen die Schweiz Schutz zu gewähren verpflichtet sei. Im vergangenen August seien 70 Prozent der Asylbewerber unter die Schutzklausel gefallen, wogegen es Ende 2013 erst 35 Prozent waren, die aus guten Gründen Anrecht auf Asyl hatten. Unter dem grossen Rest damals seien viele problematische «Flüchtlinge» gewesen, namentlich aus nordafrikanischen Staaten, deren kriminellen Machenschaften dem Ansehen der Schweizer Flüchtlingshilfe schwer geschadet hätten. «Die sind wir aber heute wieder los», beruhigte Fahrni. Die Asylbewerber, die in der «Unterkunft für Asylsuchende Hotel Löwen» einquartiert würden, seien bereits etwas akklimatisiert. Sie hätten schon einige Monate in einem ersten Zentrum hinter sich, bevor sie nach Ebikon kämen. Trotz dieser Ausführungen kam es zu einigen Unmutsäusserungen im Saal. Eine Mutter gab ihrer Angst vor den Asylanten Ausdruck, eine Geschäftsfrau klagte über wiederholte Einbrüche und Diebstähle durch Asylbewerber, ein Ebikoner beklagte den fehlenden Mut der Politiker, energischer gegen kriminelle Asylanten vorzugehen. Mehrere kritische Wortmeldungen bezogen sich auf das als tragisch empfundene Schicksal des Hotel Löwen, das als örtliches Gastkulturobjekt mit Denkmalcharakter aus dem Dorfbild verschwinden und zuvor noch als Asylzentrum benützt werden soll.

Arbeiten für die Gemeinde
Die Vertreter von links-grünen Parteien und Beschäftigte aus dem Asyl- und Sozialwesen, konterten, gratulierten dem Gemeinderat zu der vom Kanton inszenierten Lösung und unterstützten die Aussage von Flüchtlingskoordinator Fahrni, wonach nur ein Prozent der Asylbewerber kriminell sei. Nicht mitgezählt sind dabei die Eierdiebe, wie er sie nennt. Asylbewerber, die in Verkaufsläden «Kleinigkeiten» mitlaufen lassen. Was weiter nicht erstaunen kann vor dem Hintergrund, dass diese Leute Fr. 11.50 pro Tag für Nahrungsmittel und persönliche Bedürfnisse zur Verfügung haben. Apropos Arbeit. «Die Leute wollen arbeiten», sagt Fahrni. Und das sollen sie in Ebikon auch tun: Es seien verschiedene Arbeitseinsätze mit Asylbewerbern zugunsten der Gemeinde geplant: Vor allem Aufräum- und Unterhaltsarbeiten in Wäldern, Gehölzen und Wiesen zu einem maximalen Stundenlohn von Fr.10.– pro Tag.

Am Anfang war das Dementi
In einem Beitrag im Rigi Anzeiger von Anfangs vergangenen Oktober mit dem Titel «Löwen soll kein Asyl-Hotel werden» haben wir den Ebikoner Gemeinderat Ruedi Kaufmann mit dem Gerücht konfrontiert, wonach der Löwen als Asylunterkunft dienen soll. «Nein – ganz sicher nicht», lautet damals die entschiedene Antwort. Man wolle keine Konzentration von Asylbewerbern im Ort, sondern diese dezentral platzieren. Und sei dabei, verschiedene geeignete Lokalitäten zu prüfen.
Zu Beginn der Info-Veranstaltung berichtete Gemeindepräsident Daniel Gasser, weshalb alles ganz anders gekommen ist. Man habe auf die Vorgabe des Kantons, 47 zusätzliche Asylplätze bereitzustellen, nur 32 Plätze finden können. Verteilt über die ganze Gemeinde. Einige davon in der Wirtewohnung des Hotels Löwen. Dann habe sich die Gemeinde eingeschaltet und Gespräche mit der Firma PAX Liegenschaften AG als neue Besitzerin des vorerst leer stehenden «Löwen» aufgenommen. Dies mit der Argumentation, dass die Nutzung des gesamten Löwen ökonomischer sei, als die dezentrale Unterbringung. Die Gemeinde erhielt die Garantie der kantonalen Instanzen, dass mit der Schaffung von bis zu 60 Plätzen das «Soll» der Gemeinde in Sachen Asylplätze für die nächsten drei Jahre erfüllt sei. Und schliesslich stand nicht zuletzt auch die kantonal-politische Androhung im Raum, wonach jede Gemeinde, die die angeforderten Plätze nicht aufbringt, mit einem Bussgeld von täglich bis zu 150 Franken pro fehlendem Platz bestraft wird. Bei 15 fehlenden Plätzen hätte das die Gemeinde immerhin bis zu 810000 Franken gekostet. Indem der Gemeinderat die Löwen-Vollnutzung gutheisst, erspart er sich Buss- und Unkosten. Die Kosten für den Zentrumsbetrieb werden nämlich zuerst vom Bund und einige Jahre später vom Kanton getragen. Aber: Weil der «Löwen» einem Neubau weichen soll, ist die Nutzung auf wenige Jahre ausgelegt. Der Vertrag zwischen der PAX und dem Kanton ist frühestens auf den 30.3.2016 kündbar. Wieviel die PAX für die Zwischennutzung vom Kanton Luzern kassiert, war weder von der Gemeinde, noch vom Kanton, noch von der Caritas zu erfahren. Niklaus Wächter