Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Architektur am Tourismusweg

Die etwas andere Rigi – eine Sommerserie zur Königin der BergeTeil 3

Die Rigi mit einmaliger Lage in der Mitte der Schweiz hat viel zu bieten. Nach den ersten beiden Wanderungen auf dem historischen Pilger- und Panoramawanderweg von Rigi Scheidegg nach First, gehts nun in Richtung Kaltbad.

Rigi First – früherer Glanz ist weg

Auf unserer Rigi-Tourismusweg- und Architekturreise gelangten wir vom mittleren Rigigipfel Scheidegg, 1656 Meter hoch, bis nach First – 200 Meter tiefer gelegen. Auch Rigi First hatte eine glorreiche Vergangenheit. Zwischen den beiden grossen, früheren Rigi-Destinationen Kaltbad und Scheidegg liegt First am nächsten an der Arther Rigibahn, knapp einen Kilometer entfernt und mit eigener Bahnstation. Da war es also naheliegend, dass auch auf First 1875 ein grosses Luxushotel mit 220 Betten entstand. Etwas oberhalb des Grand-Hotels gab es sogar ein grosses Alpenschwimmbad – ausschliesslich für Hotelgäste. Nach dem Ende der Scheidegg-Bahn 1931, ging es auch mit diesem Hotel rasant bergab. Noch vor dem 2. Weltkrieg folgte der Konkurs. 1948, wenige Tage nach der Versteigerung, brannte auch dieser einstige Prunkbau ab. Bis vor drei Jahren blieb der einstige Hotelplatz eine Brache.

«Rigikönig» Alois Dahinden, ein Onkel von Justus Dahinden, baute 1957, an der Stelle des ehemaligen Wasch- und Badehauses, das «neue» Hotel Rigi First. Heute wenig einladend bemalt. Aber es gibt Hoffnung. Schwierigkeiten für Projekte auf dem 63 Jahre brach liegenden Platz des ehemaligen Grosshotels war oft auch die mitten durch das Grundstück verlaufende Kantonsgrenze. Vor drei Jahren erhielt endlich ein einheimischer Unternehmer die Baubewilligung für eine so genannte Alpenloft-Überbauung, bestehend aus vier kleinen Häusern und sechs Eigentumswohnungen. Zurzeit ist das letzte Haus im Rohbau und wohl bald bezugsbereit.

Heutige Situation First am früheren Hotelstandort
Heutige Situation auf Rigi First am früheren Hotelstandort.

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Ehemaliges Hotel Rigi First

Panoramaweg bei First
Panoramaweg bei First

Ferienhaus zw. Kaltbad und First
Ferienhaus zwischen Kaltbad und First.

Impressionen im Rigi-Zweitwohnungsparadies
Impressionen vom Zweitwohnungsparadies …

 

Kaltbad – zwiespältiges Rigi-Bergdorf

Wir wandern weiter zu unserem Tourismus-Wanderwegziel, zum einzigen Rigi-Dorf. Die Wege werden nun auf dem Gebiet des Kantons Luzern besser, sind gepflegter, und angenehmer. Wir nehmen den oberen Bärenzingelweg, um nach weiteren Bautrouvaillen im weniger als zwei Kilometer langen Gebiet zwischen First, Rigi Kaltbad und Rigi Staffelhöhe Ausschau zu halten. In diesem Gebiet hat es einige gelungene und formvollendete Bauten aus 1950er- bis 1960er-Jahren. Sechs Hüsli sind im Luzerner Inventar der schützenswerten Bauten und fünf haben den Status «erhaltenswert». Besonders erwähnenswert ist das schlichte, einfache Ferienhaus des Zürcher Architekten Ernst Gisel aus dem Jahre 1959. Gestaltet nach dem Vorbild einer Berghütte, aber in einer raffinierten Formensprache und mit eigenwilliger Dachgestaltung, die auf einer Bergseite bis weniger als zwei Meter an den Boden reicht. Vor vielen Jahren war die Terrasse von Gisels Ferienhaus oft auch Arbeitsort für die damals noch unbekannten Architekturstudenten Jacques Herzog und Pierre de Meuron, die mit Gisels Sohn studierten. Verständlich, wenn die heute wohl berühmtesten Schweizer Architekten Herzog & de Meuron das Rigi-Ferienhaus als regelrechtes kleines Meisterwerk loben.

Bevor wir nun zum «Neuen Stolz von Rigi Kaltbad» gelangen, laufen wir auf dem unteren Panoramaweg gut 300 Meter zurück. Am steilen, talseitigen Abhang mitten im Walde steht noch ein ausgezeichnetes Werk von Ernst Gisel: die 1963 aus Beton und Holz erbaute protestantische Bergkirche. Die bis heute moderne Kirche verströmt mit dem Holzaufbau eine angenehme, warme Atmosphäre. Die Kirche passt hervorragend in das steile Waldgelände und verweigert sich ganz bewusst der Aussicht – die schmalen und spärlichen Fenster dienen lediglich als Lichtquellen. Die noch immer viel besuchte und gerühmte Bergkirche wird in Fachkreisen als Meisterwerk gelobt.

Ref. Kirche Kaltbad von Ernst Gisel, 1963 - 3

Die protestantische Bergkirche von Ernst Gisel.

 

Zurück ins vermeintliche «Zentrum» am Westrand des kleinen Bergdorfes und in die jüngere Vergangenheit. Nach dem verheerenden Brand des Grandhotel im Kaltbad vom 9. Februar 1961, bei dem im mit 240 Personen gut gefüllten Hotel elf Menschen starben, wollte man etwas Neues, weniger Gigantisches bauen. Mit der neuen Seilbahn von Weggis sollte auch ein neues Hotel- und Sportzentrum mit 120 Betten entstehen – später noch ein zusätzliches Grandhotel, so die Pläne.

 

Von Dahindens Hostellerie zum Botta-Bad

Als Wettbewerbssieger für das neue Hotel ging der Entwurf von Justus Dahinden hervor. Der ausladende, etwas schwer wirkende Gebäudekomplex der Rigi Hostellerie entstand 1967. Man merkt ihm auch heute noch die forschen «Sechziger» an. Dahindens Idee war, dass sich die Bauten in die Landschaft hineinschmiegen sollten. Das überzeugte damals auch den Heimatschutz. Jacques Herzog kann aber Dahindens Hostellerie nicht viel Gutes abgewinnen. Für ihn sei es «ein Gebäude im Mövenpickstil der sechziger Jahre, mit viel Sichtbeton, Eisenbahnschwellen und dunkelgrauen Eternitplatten.»

Die Aufbruchstimmung auf der Rigi in den frühen 1960er-Jahren verblasste bald: Die zweite Bauetappe der Hostellerie wurde begraben. Ebenso scheiterte 1968 ein Hotelprojekt mit Hallenbad, Minigolfanlage und Tennisplätzen auf der Scheidegg. Das Debakel um die Neubau-Hotelruine Bellevue um die Jahrtausendwende ist noch vielen präsent. 2005 präsentierte man Pläne für ein Badprojekt von Mario Botta. Zwei Jahre später: erneuter Marschhalt mit ausgestiegenem Investor. 2009 erliess die Gemeinde Weggis einen Gestaltungsplan für ein abgespecktes Gesamtkonzept. Und endlich im vergangenen Juli das Eröffnungsfest für das neue Mineralbad & Spa Rigi Kaltbad – samt dem darüber liegendem Dorfplatz und der teilsanierten, in Hotel Rigi Kaltbad umbenannten Hostellerie.

 

 

Neues Botta-Bad mit Hotel Rigi Kaltbad
Neues Botta-Bad mit Hotel Rigi Kaltbad.

Kleines Aussenschwimmbädli
Kleines Aussenschwimmbädli.

Dorfplatz Rigi Kaltbad über Botta-Bad
Der Dorfplatz Rigi Kaltbad über dem Botta-Bad.

Aelteste Rigi-Dampflock im Kaltbad
Die älteste Rigi-Dampflock in Kaltbad.

Impressionen (Holztristel)in Rigi Kaltbad
Holztriste auf Rigi Kaltbad.

 

Infos und Tipps
• Faltprospekt «RIGI» Massstab 1:27500 für 5Franken, zu beziehen bei Tourist Information Rigi, Rigi Kaltbad.
• Buch «Rigi – mehr als ein Berg» von Adi Kälin (2012), hier+jetzt, Verlag für Kultur und Geschichte GmbH, Baden.

 

››› Teil 1: Von der Scheidegg bis Unterstetten.

››› Teil 2: Von Unterstette bis Rigi First.