Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Architektur am Tourismusweg

Die etwas andere Rigi – eine Sommerserie zur Königin der Berge

Die Rigi war einst der Modeberg schlechthin. Wer was auf sich hielt, pilgerte in die luftigen Höhen in der Mitte der Schweiz. Rigi Kenner Angelo Zoppet blickt in einer dreiteiligen Sommerserie auf eine etwas andere Seite der Königin der Berge. Im ersten Teil gehts von der Scheidegg bis Unterstetten.

Ausblick von Dossen gegen Vierwaldst.see und Bürgenstock
Ausblick von Dossen gegen Vierwaldstättersee und Bürgenstock.

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Mondänes Rigi Kaltbad in schwarz-weiss

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Hotel Rigi First

Die Rigi mit seiner einmaligen Lage in der Mitte der Schweiz ist beliebter Ausflugs- und Aussichtsberg. Der einstige Modeberg ist aussergewöhnlich, vielfältig und hat auch architektonisch etwas zu bieten. Vor allem am historischen Pilger- und Panoramawanderweg von Rigi Scheidegg nach Rigi Kaltbad.

Die Rigi ist einer der berühmtesten und schönsten Aussichtsberge. Ein magischer Berg dazu, und einer der merkwürdigsten. Sozusagen ein Zauberberg voller Mystik. Ein Berg mit grosser Vergangenheit, der noch immer seine Identität sucht. Dem Modeberg des 19. Jahrhunderts, obwohl für Tagesauflüge und auch bei ausländischen Europa-Durchreise-Touristen sehr beliebt, fehlt bis heute ein klares modernes Profil.

Hat denn der wohl berühmteste Aussichtsberg des Landes auch in Sachen Bauten und Architektur etwas zu bieten? Und: hat er in Sachen Tourismus-Immobilien Entwicklungspotenzial? Wir gingen im Frühsommer diesen Fragen mit einer Reportage auf den Grund. Dank seiner Lage wurde die Rigi bereits recht früh als Tourismus- und Aussichtsberg bestiegen. Schon vor 500 Jahren war die Quelle vom «Kalten Bad» für ihre Heilwirkung bekannt. Vor 200 Jahren zählte man am Wallfahrtsort Klösterli mit der «Kapelle Maria zum Schnee» bereits 20000 Pilger. Nach der Eröffnung der ersten Bergbahn Europas 1871, der (roten) Vitznau Rigi Bahn, und vier Jahre später der (blauen) Arth–Rigi Bahn sowie 1882 mit Eröffnung der Gotthardbahn, explodierten Tourismus und Gaststätten und Hotelbauten auf der Rigi förmlich. Es herrschte eine regelrechte Goldgräberstimmung. So verzeichnete die Rigi im ersten Dezennium des 20. Jahrhunderts 2500 Hotelbetten. Das Gros war mit einem für die damalige Zeit hohen Komfort- und Verwöhnstandard ausgestattet und mit grosszügigen Aussenanlagen und Bädern. Zurzeit sind kaum noch 200 Betten mit Zwei- und Dreisterne-Komfort und -Qualität vorhanden.

Heute fahren am Rigibergmassiv neun Bahnen und Bähnli, davon drei auf die beiden Gipfel Kulm (Normalspur-Zahnradbahn) und Scheidegg (Seilbahn). In den goldenen Jahren von 1875 bis 1913 schüttete die wirtschaftlich stets besser dastehende Vitznau–Rigi-Bahn jedes Jahr neun Prozent Dividende aus. Heute darben wirtschaftlich faktisch alle Transportanlagen und haben zudem grossen Investitions- und Erneuerungsbedarf. Als eine der grossen Rigi-Pleiten erwies auch sich die 1874/75 eröffnete Schmalspur-Panoramabahn von Rigi Kaltbad zur Scheidegg. Diese Adhäsionsbahn rentierte nie und wurde 1931 nach Konzessionsentzug stillgelegt und 1942 abgebrochen. Über das alte Bahntrassee führt nun unser sieben Kilometer langer touristischer Architekturweg. Wir starten in Goldau und beginnen auf dem mittleren Rigigipfel, der Scheidegg.

Hoher Zweitwohnungsanteil

Hinauf ab Kräbel mit der Seilbahn. Das Seilbähnli bringt uns in nur sechs Minuten auf die 1650 Meter hohe Rigi Scheidegg. Von den einstmals vornehmsten, nobelsten Rigi-Kurhotels ist nur noch ein trister, leerer Vorplatz beim heutigen Gasthaus erkennbar. Von touristischer Betriebsamkeit keine Spur. Die kleine Siedlung auf dem mittleren Rigigipfel besteht fast nur aus Ferienhäusern. Der Zweitwohnungsanteil beträgt bestimmt über 80 Prozent. Der zum Bezirk Gersau gehörende, sonnige Südabhang hat bis heute noch viel zu üppig eingezonte Baugebiete. Das neu revidierte Raumplanungsgesetz und die Zweitwohnungs-Initiative werden wohl einige Korrekturen bringen.

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Die einstige «Rigi Scheideck» …

Rigi Scheidegg - heutiger Standort des früheren Grosshotelkomplexes
… sieht heute so aus.

Der Weg führt uns von der Bergstation hinunter zur ehemaligen Endstation der Rigi-Scheidegg-Bahn (RSB). Linkerhand auf einer Aussichtskuppe lacht uns ein neueres, achteckiges Holzhaus mit flachem Zeltdach an. Immerhin hat dieses eigenwillige Haus Charme und zeigt sich nicht so trist und dunkelbraun-trivial wie die meisten übrigen Scheidegg Berghüsli.

Rigi Scheidegg – modernes Schutzhaus mit Qualität

Zuerst nimmt man nur die schmale Westfassade des aussergewöhnlichen Ferienhauses der beiden Zürcher Architekten Gabrielle Hächler und Andreas Fuhrimann mit dem an ein Schiff erinnernden Baukörper wie eine ‹gut verpackte Holzkiste› wahr. Aber dieser erste Eindruck vom Weg her täuscht gewaltig. Die mit grosszügigen Fenstern bestückte, abgewinkelte Südfassade des zweigeschossigen Bijous zeigt seine volle architektonische Qualität. Auch die schmale Ostfassade hat grosse Fenster, um die legendären Rigi-Sonnenaufgänge vom Gebäudeinnern geniessen zu können. Der schlichte Holzbau, mit seiner naturbewitterten, gräulich-braunen Farbe an der Hanglage, ist mit einem massiven Stahlbetonkeller gegen Natur- und Witterungseinflüsse gut in den Untergrund verankert. Der Rückzugsort der beiden Architekten auf der nebelfreien Rigi glänzt auch durch ein optimales Energiekonzept mit einem hohen Anteil an passiver Solarnutzung. Die Sonneneinstrahlung sorge gemäss Architekt Fuhrimann in der Regel für ausreichend Wärme im ganzen Haus. Und so muss nur in Ausnahmefällen eine Luft-Wärmepumpe zugeschaltet werden.
1 R. Scheidegg, Ferienhaus Fuhrimann-Hächler - 3
Ferienhaus Fuhrimann-Hächler auf Rigi Scheidegg, welch Aussenansicht …

R. Scheidegg, Ferienhaus Fuhrimann-Hächler - 1

1 Haus Fuhrimann+Hächler, Rigi Scheidegg - 4
… und welch Aussicht vom Innern des Gebäudes.
1 Oktogonales Haus Rigi Scheidegg - 2
Oktogonales Haus auf Rigi Scheidegg.

Die Tourismusweg-Wanderung führt uns zurück auf den Weg des ehemaligen Scheideggbahn-Trassees. Nur noch drei, vier einsame Ferienhäuschen stehen am breiten Panoramaweg, der recht holprig und uneben ist, und der eine gründliche Sanierung bitter nötig hat. Die nächsten dreieinhalb Kilometer können wir die prächtige Aussicht auf den schönsten Alpenrandsee und die Alpenkette widmen sowie auf das gegenüberliegende, obere Zugerseebecken und Arther Talboden. Wir verlassen bei Hinder Dosse den klassischen Panoramaweg und nehmen den grasig-feuchten Pfad an der Dossesüdflanke. Der so genannte Seeweg bringt uns nach Unterstetten zum erst kürzlich unter Schutz gestellten ehemaligen Bahnviadukt und zum berühmten Nurdachhaus (Zelthaus) des heute 88-jährigen Doyen der Schweizer Architekten, Justus Dahinden.

 

Infos und Tipps
• Faltprospekt «RIGI» Massstab 1:27500 für 5Franken, zu beziehen bei Tourist Information Rigi, Rigi Kaltbad.
• Buch «Rigi – mehr als ein Berg» von Adi Kälin (2012), hier+jetzt, Verlag für Kultur und Geschichte GmbH, Baden.

 

››› Teil 2: Von Unterstette bis Rigi First.

 

 

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