Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Asche aufs Haupt

So. Das haben wir nun also auch wieder hinter uns gebracht. Die Fasnacht ist vorbei, die Grinde, Masken, Perücken und Gwänder wieder eingesperrt in der Fasnachtskiste im Keller oder Estrich. Vielleicht kann man das eine oder andere ja ein andermal wieder verwenden. Die «tollen Tage» sind Vergangenheit, der Alltag hat uns wieder.


fuchsDas war nicht immer so. In grauer Vorzeit waren nicht die «närrischen Tage» die wichtigste Zeit im Winter-Brauchtum. Die alte Schreibweise «Fastnacht» erinnert an die Bedeutung der kollektiven Ausgelassenheit. Jubel, Trubel, Heiterkeit waren gewissermassen das letzte Aufbäumen ungezügelter Lebensfreude. Was dann folgte, war buchstäblich «hartes Brot». Fast-Nacht – die Nacht, später die Nächte vor der Fastenzeit waren seit dem 13. Jahrhundert der Auftakt zur Einstimmung auf Ostern. 46 Tage liegen zwischen Aschermittwoch und Ostern. Vom harten Fasten ausgenommen waren lediglich die sechs Sonntage. Es blieben so immer noch 40 Fastentage – so beschlossen am 1. Konzil von Nicäa im Jahr 325. Im Laufe der Zeit wurden die Fastenregeln stetig verfeinert, und der Mensch, dieser Schlaumeier, dachte sich einiges aus, um die entsagungsreiche Zeit ein bisschen angenehmer zu gestalten. Alkohol und Fleisch waren natürlich tabu. Beim Fleisch bot sich ein Ausweg an in Gestalt des Fisches – er blutet nicht. Stockfisch und Hering waren besonders beliebt zur Fastenzeit – beide lassen sich lange aufbewahren. Und um den Übergang von der fastnächtlichen Völlerei zum kargen Fastenleben etwas sanfter zu gestalten, wurden Bier und Schnaps als mit dem Aschermittwoch-Fasten vereinbar erklärt. Natürlich bedurften diese beiden Rauschmittel einer höheren Rechtfertigung. Mit dem Bierkonsum sollte für ein gutes Gerstenjahr gesorgt werden. Und Schnaps sei Dank hielt man die Mücken fern. Im übrigen aber galt für die Fastenzeit über Jahrhunderte die Regel «drei Bissen Brot und drei Schluck Bier oder Wasser». Erst 1486 erlaubte Papst Innozenz VIII. seinen Schäfchen auch Milchprodukte in der Fastenzeit.
Das alles ist mittlerweile Schnee von gestern. Denn wer, Hand aufs Herz, hält sich heute noch an die 40tägige Fastenregel? Ramba-zamba ist heute jedes Wochenende, die «Generation Party» hält nichts davon, sich Asche aufs Haupt zu streuen und danach 40 Tage lang hartes Brot zu essen. Schliesslich stehen ja die Osterhasen schon in der Auslage, bevor die ersten Konfetti auf die Strasse regneten. Hanns Fuchs