Rigi Anzeiger
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Asylbewerber sammelten 300 Liter Müll

Aus der Serie «Küssnacht räumt auf»

Vergangene Woche war Hans Grossrieder, ehemals Verwalter der Hohlen Gasse, mit vier Asylbewerbern unterwegs, um Müll zu sammeln. Dabei kam eine ganz schön grosse Menge zusammen.

Hans Grossrieder ist Initiant der Aktion «Küssnacht räumt auf». Dem ehemaligen Verwalter der Hohlen Gasse ist ein sauberes Küssnacht wichtig. «Wenn ich Abfall auf dem Boden sehe, kann ich nicht einfach weitergehen», erklärte Grossrieder den Grund, weshalb er sich so engagiert. Vergangene Woche war er mit vier Asylbewerbern während drei Stunden unterwegs, um Abfall einzusammeln. «Das ist erst der Anfang, wir werden im Frühling weitere Sammelaktionen mit den Asylbewerbern durchführen», so Grossrieder, der selbst mit Greifzange und Abfallsack mit anpackt.

«Für die Asylbewerber ist dies eine willkommene Abwechslung», ist Hans Grossrieder überzeugt, «sie zeigen Einsatz und Interesse, was mich sehr freut.» Drei Stunden sammelten drei Männer aus Somalia und eine Frau aus Eritrea leere Dosen, Flaschen, Zigarettenstummel und sogar weggeworfenes Spielzeug zusammen.

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Hans Grossrieder (2.v.l.) machte sich am Dienstag mit vier Asylbewerben zur Abfallbeseitigung auf.

 

Kulturell geprägter Abschluss

Gestartet wurde um 13Uhr hinter der Landi. Neben der kleinen Fussgängerverbindung befindet sich ein Auffangbecken von Meteorwasser mit einer hohen Böschung. «Die Leute kaufen in der Landi ein und werfen den Müll dann einfach dort hinein», ärgert sich Grossrieder über die Schmutzfinken. Von der Landi ging es weiter über den Sportplatz Luterbach Richtung Schulhaus Ebnet ins Dorfzentrum. «So gesehen kann der Einsatz als ein spezielles Erlebnis gewertet werden», so Grossrieder. Mit dem Treffen am Seematt-Zopf und dem Schlussbesuch in der Kirche gelang sogar ein kulturell geprägter Abschluss der Beschäftigungsrunde. Insgesamt 300 Liter Müll ist bei der dreistündigen Aktion zusammengekommen.

Solche Aktionen sollen auch in Zukunft stattfinden. Die nächste Abfallaufräumaktion mit Asylbewerbern plant er bereits für den kommenden Frühling. «Wenn im Winter Schnee liegt, bringt es nicht viel», erklärt Grossrieder. Er glaubt, mit der Aktion werden andere Menschen motiviert, ebenfalls derartige Aktionen durchzuführen oder ihren Müll nicht einfach wegzuschmeissen. Dass der Schuss nach hinten losgehen könnte und die Aufräumaktion als Einladung dienen könnte, den Abfall zukünftig immer einfach wegzuschmeissen, getreu nach dem Motto jemand anders räumt ja dann auf, davon geht Grossrieder nicht aus. Er vertraut auf den gesunden Menschenverstand.

 

Nachgefragt bei Bezirksrat Armin Tresch:

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Armin Tresch, was bringt diese Aktion für Küssnacht?

Armin Tresch: Es ist ein Mosaikstein in der ganzen Litteringfrage und ergänzt andere schon durchgeführte oder noch geplanten Aktionen.

Und was nützt sie den Asylbewerbern?

Die Asylbewerber werden durch solche Einsätze positiv wahrgenommen und widersprechen so den vielfach nicht sehr differenzierten Aussagen.

Ist das Mitmachen bei solchen Aktionen freiwillig?

Der Einsatz ist freiwillig. Die Asylbewerber stellen sich gerne für solche Einsätze zur Verfügung.

Erhalten die Asylbewerber für ihre Arbeit eine Entschädigung?

Die Teilnehmer erhalten durch uns eine kleine Motivationszulage. Da spreche ich von einem Betrag von unter 20Franken.

Gibt es noch andere Projekte wie diese?

Ja. Der Einsatz bei der Unkrautbekämpfung, die Unterstützung des Werkdienstes und die Mithilfe bei Hausräumungen.

Welche Vorteile hat eine solche Aktion?

Es ist wichtig, dass die Asylbewerber Tagesstrukturen erhalten und sich aktiv betätigen können. Sie sind motiviert ihrer Gastgemeinde in dieser Form etwas zurückzugeben.

Wieso werden Asylsuchende nicht mehr in solche Projekte eingespannt?

Wir haben die Dienste schon verschiedenen Gruppen angeboten. Leider war das Echo bisher gering.

Wäre es auch eine Möglichkeit, Arbeitslose mit solchen Aufträgen zu beschäftigen?

Soviel ich weiss, gab es einmal solche Überlegungen. Der Verantwortungsbereich, über die Personen, welche durch die ALV unterstützt werden, ist jedoch beim Kanton.

Wie schätzen Sie persönlich das Abfallproblem in Küssnacht ein?

Es erschreckt mich, wenn ich am Wochenende als Jogger unterwegs bin und an den neuralgischen Punkten die Sauordnung sehe. Nur dank dem grossen Einsatz des Werkdienstes sind diese Plätze wieder rechtzeitig besuchergerecht vorbereitet. Aus meiner Sicht müssen unbedingt die Take Away-Geschäfte mehr in die Verantwortung einbezogen werden.