Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Auch bei Sextouristinnen hoch im Kurs

Als ich in dieser Kolumne letzte Woche von der Prostitution in Thailand berichtet hatte, lag das Hauptaugenmerk des Artikels auf weiblichen Sexarbeiterinnen. Obwohl diese eindeutig die Mehrheit darstellen, ist auch die Anzahl an männlichen Prostituierten nicht zu vernachlässigen.


Soziologen und Branchenkenner schätzen, dass bis Ende 2013 mehr als 30000 sogenannte «Love Boys» – also «Jungs für die Liebe» – Frauen ihre sexuellen Dienste zur Verfügung stellten. Die Kundinnen stammten dabei zum einen aus Thailand und zum anderen aus westlichen Ländern. Insbesondere US-Amerikanerinnen und Engländerinnen machten einen grossen Teil der Sextouristinnen aus. Das Arbeiten in diesem Sektor ist hierzulande für beide Geschlechter verboten, dennoch floriert das Geschäft mit der käuflichen Liebe nach wie vor. Im Gegensatz zu ihren weiblichen Pendants werden die Love Boys allerdings deutlich besser entlöhnt. Liebesdienerinnen erhalten laut eigenen Angaben pro Kunde teilweise bloss um die 1000 Baht für eine ganze Nacht, was etwa 30 Franken entspricht, während männliche Sexarbeiter gemäss Reportagen für ein paar Stunden gut das Doppelte verlangen. Da käuflicher Sex in der Damenwelt noch immer ein Tabuthema ist, sind Freierinnen diskreter und prahlen in ihren Heimatländern nicht mit in den Ferien gemachten Sexabenteuern, was Männer vor allem in betrunkenem Zustand gerne tun. Dabei wird nicht selten abschätzig über die Mädchen gesprochen, die ihnen für vergleichsweise wenig Geld grosses Vergnügen bereitet hatten. «In meiner Heimat muss ich mein Date zuerst zum Essen einladen und irgendwann geht sie dann vielleicht mit mir ins Bett. Hier bezahle ich 20 Dollar und sie bläst mir einen», teilte ein älterer Kanadier einem anderen Austauschschüler und mir in einer Bar in Bangkok ungefragt mit. Ähnliche Aussagen von älteren Damen, die sich in ihrem Urlaub gegen Bezahlung von deutlich jüngeren Gespielen sexuell verwöhnen lassen, sind mir keine bekannt. Auch betreffend der Herkunft unterscheiden sich die käuflichen Männer von den weiblichen Prostituierten: Stammen die jungen Frauen vielfach aus ärmlichen Verhältnissen und sehen das Praktizieren von sexuellen Handlungen gegen Entgelt als einzigen Ausweg aus einer prekären finanziellen Situation, handelt es sich bei den Love Boys oftmals um Studenten oder Büroangestellte, die sich ein Zubrot verdienen möchten. Experten gehen davon aus, dass Bangkok und Phuket in naher Zukunft Länder wie Jamaika, Kenia, Ägypten und Marokko als beliebteste Reiseziele von Sextouristinnen ablösen könnten.
Die Kundschaft der meistens nur knapp volljährigen Männer ist jedoch nicht ausschliesslich weiblich. Viele Liebesdiener bezeichnen sich zwar als heterosexuell und bevorzugen Kundinnen, schlagen aber auch Angebote von anderen Herren nicht aus. Ähnlich wie bei den Sexarbeiterinnen kommt es auch bei männlichen Prostituierten vor, dass ältere Freier sie aus der vielfach als ältestes Gewerbe der Welt bezeichneten Branche freikaufen. Den Jungs wird eine kleine Wohnung bezahlt, die als gemeinsames Liebesnest dient und eine Ausbildung ermöglicht.

In Ferienparadiesen wie Koh Samui (im Bild) oder Phuket warten zahlreiche Prostituierte auf Freier.

In Ferienparadiesen wie Koh Samui (im Bild) oder Phuket warten zahlreiche Prostituierte auf Freier.

Neben den atemberaubenden Stränden Thailands trägt auch der Sextourismus zur Beliebtheit des Landes bei Reisenden bei.

Neben den atemberaubenden Stränden Thailands trägt auch der Sextourismus zur Beliebtheit des Landes bei Reisenden bei.

E-Mail aus Bangkok 1: Nächster Halt Tempel und Abgase 

E-Mail aus Bangkok 2: Warnungen stellen sich als nichtig heraus 

E-Mail aus Bangkok 3: Autorität der Lehrer ist unangetastet 

E-Mail aus Bangkok 4: Nur kleine Wolken über Bangkok 

E-Mail aus Bangkok 5: Bequeme Thais und hinterlistige Tuktukfahrer

E-Mail aus Bangkok 6: Wehe dem, der den König nicht ehrt

E-Mail aus Bangkok 7: Rollerunfälle sind Todesursache Nummer eins

E-Mails aus Bangkok 8: Fluss im Regenwald oder doch Sugar Daddy?

E-Mails aus Bangkok 9: Andere Länder, andere Tischsitten 

E-Mail aus Bangkok 10: Ungeschriebene Gesetze regeln das Zusammenleben

E-Mail aus Bangkok 11: Das Tierwohl geht in Thailand oft vergessen

E-Mail aus Bangkok 12: Auch in Thailand gibt es heuer Grund zum Feiern

E-Mail aus Bangkok 13: Ins Nirgendwo entsandt

E-Mail aus Bangkok 14: In Thailand wird Pretty Woman wahr

Stephanie Sigrist aus Risch absolviert ein Austauschsemester in Bangkok und berichtet darüber regelmässig im Rigi Anzeiger.