Rigi Anzeiger
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Aufstand der Uedliger

Sammeleinsprache gegen die geplante Deponie ennet der Gemeindegrenze

Die 2200-Seelengemeinde Udligenswil wehrt sich gegen die knapp jenseits der Gemeindegrenze geplante Deponie Robmatt. Nachdem bereits der Gemeinderat Einsprache gegen das Vorhaben eingereicht hat, doppeln jetzt 511 Uedliger mit einer Sammeleinsprache nach.

Ein Bilderbuchbeispiel für den ganz normalen, alltäglichen Egoismus. Vor sechs Jahren wehrten sich die Meierskappeler mit Händen und Füssen und sogar mit einem Anwalt gegen eine in der Nachbargemeinde Risch geplante – und bis jetzt immer noch nicht realisierte – Bauschutt-Deponie. Es ging – und geht noch immer – um die zu- und wegfahrenden Lastwagen, die einerseits die Strassen von Meierskappel mit Lärm und Abgase belasten und anderseits eine akute Bedrohung vor allem für velofahrende Kinder darstellen. Soweit die deklarierten Befürchtungen der Meierskappeler. Es fielen unpolitisch klare Kommentare. Wie jener des damaligen Meierkapplers Gemeindepräsidenten Armin Huber. «Von der Deponie haben wir keinen Nutzen, aber die grössten Lasten. Das ist für uns nicht tragbar», sagte er an einer emotionsvollen Gemeindeversammlung im Jahre 2006.

Diesen Kommentar kann man heute in einem aktuellen Dokument nachlesen. Er erscheint in der von 511 Uedliger unterzeichneten Sameleinsprache unter Punkt 8 – dem letzten Punkt. «Der Gemeinderat von Meierskappel sei an seinen Kampf gegen die Deponie Stockeri auf Gemeindegebiet von Risch (Rotkreuz) erinnert: Aussage des damaligen Gemeindepräsidenten: «Von der Deponie haben wir keinen Nutzen, aber die grössten Lasten. Das ist für uns nicht tragbar.»

Weshalb diese Aussage wieder aktuell ist? Weil es diesmal um exakt dasselbe geht. Einfach um eine Gemeinde nach Westen verschoben. Diesmal wehren sich die Uedliger gegen eine geplante Deponie für unverschmutztes Aushubmaterial jenseits der Gemeindegrenze an der Strasse zwischen Udligenswil und Meierskappel. Und zwar mit exakt denselben Argumenten, die auch die Meierskappler in ihrem Abwehrkampf eingesetzt haben: Unzumutbarer Mehrverkehr durch Lastwagen und Gefährdung der schwächeren Verkehrsteilnehmer. Zwei Drittel der Zu- und Wegfahrten führten über Udligenswil. Dies entspreche vier Fahrten pro Stunde, argumentiert das «Uedliger Komitee gegen die Deponie Robmatt». «Der gesamte Schwerverkehr über Udligenswil fährt durch den schmalen und steilen Dorfkern und am Schulhaus vorbei, was nebst dem zusätzlichen Lärm zu einer erheblichen Gefährdung im Dorfkern von Udligenswil führt», gibt das Komitee in seiner Einsprache zu bedenken.

Geografisch können die Uedliger noch etwas weiter ausholen als die Meierskappler. «Äusserst prekär ist die Situation auf der Götzentalstrasse. Der Mehrverkehr durch den Rontalzubringer ist schon heute spür- und hörbar», führen die Einsprecher aus.

 

«Das Optimum herausholen»

Und wie bereits in Meierskappel, ertönt auch in Udligenswil der Ruf nach Gegenleistung. In Meierskappel schlug ein Einwohner dereinst vor: «Die Deponiebetreiber sollen uns eine tipptoppe, acht Meter breite Strasse bauen.» Und der Gemeindepräsident doppelte nach: «Sollte die Erschliessung doch über die Lendiswilerstrasse kommen, sind wir es unseren Bewohnern schuldig, dass wir das Optimum herausholen».

Genau dasselbe wollen jetzt auch die lieben Nachbarn. «Die Absicht des Gemeinderates von Meierskappel, unmittelbar an der Gemeindegrenze zur Nachbargemeinde Udligenswil während vielen Jahren eine Deponie betreiben zu lassen und damit den Nachbarn eine deutliche Mehrbelastung von Lärm, Dreck und Gefährdungen ohne Massnahmen und Gegenleistungen zuzumuten, können wir nicht akzeptieren», meinen die einsprechenden Uedliger. Und beantragen die Ablehnung der geplanten Änderung des Zonenplanes der Gemeinde Meierskappel sowie die Ablehnung der Schaffung einer Deponiezone.

Die Sammeleinsprache ist breit abgestützt. «Das Komitee hat es fertig gebracht, über das vergangene, verlängerte Wochenende eine Sammeleinsprache mit 511 Unterschriften von erwachsenen Einwohnerinnen und Einwohnern von Udligenswil gegen das in der Nachbargemeinde geplante Deponievorhaben zusammenzutragen. Das halbe Dorf sammelte Unterschriften, weil man mit den Mehrbelastungen der Uedliger Wohngebiete nicht einverstanden ist!», freut sich Silvio Covi, einer der vier Initianten der Sammeleinsprache.

 

Abstimmung am 9. Juni 2013 geplant

Und was sagt man im Nachbarort Meierskappel zum doppelten Protest aus Udligenswil? «Die Einsprachen aus Udligenswil sind bei der Gemeindeverwaltung Meierskappel eingegangen und werden anlässlich der Einspracheverhandlungen behandelt. Selbstverständlich steht es allen Betroffenen zu, sich im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten für ihre Anliegen einzusetzen», erläutert der Gemeindepräsident André Iten.

Das Vorhaben werde auch in Meierskappel diskutiert und sei nicht unumstritten. Der Gemeinderat sei sich dessen im Voraus bewusst gewesen und habe deshalb das Gespräch mit den Gesuchstellern für die Deponie gesucht, erklärt Iten weiter. «Da der Kanton als verantwortlicher Eigentümer die Kantonsstrasse nicht ausbaut, hat der Gemeinderat deshalb von den Gesuchstellern unter anderem projektbegleitende Verkehrssicherheitsmassnahmen verlangt. Diese wurden zusammen mit dem eigentlichen Deponieprojekt bis zum 18.Dezember öffentlich aufgelegt», berichtet er. Zusätzlich soll auch ein Podiumsgespräch stattfinden, um die konkreten Anliegen der Bevölkerung und insbesondere von Eltern von schulpflichtigen Eltern aufzunehmen und bestmöglich umzusetzen. Ab Mitte Januar 2013 sollen die Einspracheverhandlungen stattfinden. Für die erforderliche Umzonung hat der Gemeinderat eine Abstimmung an der Urne beschlossen. Sie ist für 9. Juni 2013 vorgesehen.

Microsoft Word - 0325_GLfürDeponiezone01.doc

Um das geht es
Die beiden Meierskappeler Landbesitzer Alfred Theiler und Fidel Huber an der Gemeindegrenze zu Udligenswil wollen ihr Land für die Einrichtung einer Deponie für sauberen Aushub nutzen und dabei selbst als Deponiemitarbeiter wirken. Als Deponiebetreiberin ist die «Einfache Gesellschaft Robmatt» vorgesehen, an der das Ebikoner Recycling- und Transportunternehmen Düring AG und die Buchrainer Baufirma Schmid Bauunternehmung AG beteiligt sind. Das vorgesehene Einzugsgebiet für die neue Deponie reicht von Risch über Küssnacht bis ins Zentrum Meggen, hinauf am östlichen Ende des Rotsees und der Emmer Flugpiste vorbei bis südlich von Eschenbach und über Rotkreuz bis an den Zugersee. Der Grossteil des anfallenden Lastwagenverkehrs wird über die Götzentalstrasse und durch das Dorf Udligenswil erwartet. Die nächstgelegenen der insgesamt neun Deponien für unverschmutztes Aushubmaterial im Kanton Luzern (Stand März 12) sind in Emmen, Rothenburg und Littau. Sie werden alle von Bau- und/oder Transportunternehmen betrieben.