Rigi Anzeiger
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«Aus» für Löwen, «Huānyíng» für Falken

Zwei der populärsten Gasthäuser Ebikons haben ihre Besitzer gewechselt

Ausgerechnet der Löwen – best platziertes Wahrzeichen der Ebikoner Gastronomie – soll einer Überbauung weichen. Und der Falken hat einen neuen Besitzer und versucht künftig, Touristen aus China und Ebikoner chinesisch zu verwöhnen. Huānyíng sagen die Chinesen, wenn sie jemanden willkommen heissen.

In der Stille der Sommerferien hat sich in Ebikon ein gastronomisches Erdbeben ereignet, das noch viel zu reden geben wird. Der traditionsreiche Landgasthof Löwen – weitherum bekannter Treffpunkt, Navigationspunkt, Fest- und Versammlungsort und ein Ort rustikaler Gastlichkeit – wurde verkauft. An die PAX, Schweizerische Lebensversicherungs-Gesellschaft AG mit Sitz in Basel. Ebikoner und Löwen-Stammgäste sind schockiert. Ortschützer alarmiert. Was ist der Grund für den Verkauf? Ganz einfach: Die PAX, die bereits gegenüber dem Schindler-Areal die Überbauung «Ebilife» mit Wohn- und Terassenhäuser erstellt hat, möchte auch den Standort des heutigen Löwen neu überbauen. Aber nicht nur. «Mit der Standort-Parzelle des Gasthauses wurden noch weitere benachbarte Parzellen verkauft. Genug Platz also, um ein grösseres Projekt zu realisieren», sagt der Ebikoner Bauchef Peter Schärli. Der Gemeinderat sei nach seiner Rückkehr aus der Sommerpause über den Verkauf orientiert worden und wurde für einen ersten Besprechungstermin mit dem Architekten kontaktiert. «Ansonsten wissen wir nichts über die Pläne und Absichten der neuen Eigentümer», versichert Schärli. Lediglich, dass der Betrieb wie bis anhin bis Ende 2014 weitergeführt werde.

«Erhaltenswertes Objekt»

Den Löwen einfach so wegzuputzen wird allerdings auch für einen geübten Grossinvestor nicht möglich sein. «Der ursprüngliche Teil des Landgasthofes, also der Richtung Luzern gelegene Gasthof ohne die angebauten Säle, figuriert auf der Liste der erhaltenswerten Objekte in der Gemeinde Ebikon», betont Schärli. Und was heisst das im konkreten Ernstfall, wie er nun eintritt? «Eine Überbauung wird nur im Rahmen Gestaltungs- oder Bebauungsplanverfahrens möglich sein, welches Gewähr für eine qualitativ besonders sorgfältige Planung bietet. Dabei ist davon auszugehen, dass der Gemeinderat ein Konkurrenzverfahren mit mehreren Planverfasser verlangen wird. Über die Zukunft des Löwen wird im Rahmen der Ergebnisse des Wettbewerbs zu entscheiden sein», beschreibt Schärli. Ob dereinst einmal der erhaltenswerte Teil des Löwen inmitten einer Neusiedlung steht, oder bloss eine Gedenktafel mit dem letzten Tagesmenü oder ob schliesslich einfach gar nichts übrig bleibt – das lässt sich heute noch nicht abschätzen. Klar ist, dass der Löwen und die dazugehörenden Parzellen in der Bauzone liegen.

Gasthaus Loewen in Ebikon
Der historische Teil (im Vordergrund) des Gasthauses Löwen ist im Ebikoner Inventar der erhaltenswerten Bauten vermerkt und stellte damit im Falle einer Überbauung erhoehte Anforderungen an Planung und Architektur.

 

Neuer Besitzer– neue Pächter

Auch der zweite Ebikoner Gastro-Verkauf ist still und leise über die Hinterbühne gegangen. Kein Wort, kein Hinweis und keine Gästeinformation auf der gepflegten Website des «Falken am Rotsee». Dabei soll «das traditionsreiche behagliche Hotel mit gepflegtem Restaurant und leistungsfähigem Catering» nicht mehr und nicht weniger als ein chinesischer Vorposten für die starke touristische Chinaszene in Luzern werden. Esther und Christoph Hulliger sind nach 15jähriger Präsenz jetzt nur noch auf der Website zu sehen. Und inzwischen in eine andere Landesregion umgezogen. Neuer Besitzer des Betriebes ist Senol Tunca, der an der Schachenweidstrasse die Midas Express GmbH betreibt. «Mein Geschäft sind Lampen», sagt Tunca. Aber auf seiner Website dominieren Transporte und Mietfahrzeuge. Und die Rede ist von griechischen Mythen. Jedenfalls versteht Senol Tunca nichts von Kochen, wie er bekräftigt. Er hat deshalb den Betrieb einer Gruppe junger Chinesen verpachtet, die als GmbH agieren. «Tüchtige junge Fachleute», lobt Tunca. Seit vergangener Woche wirken sie in der Falken-Küche und die Reaktionen auf ihr erstes Catering sind sehr positiv. Ob sie es schaffen, einen Teil des touristischen China-Kuchens aus der Stadt nach Ebikon umzulenken und gleichzeitig die Ebikoner zu kulinarischen China-Abenden zu verführen, bleibt abzuwarten.

Das Gasthaus Falken in Ebikon
Das Gasthaus Falken an der Luzernerstrasse in Ebikon.