Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Ausflugsrestaurant ohne Trinkwasser

Root: Aufgrund der langen Hitzeperiode ist die Quelle auf Michaelskreuz versiegt.

«Geschätzter Gast, unsere hauseigene Quelle ist versiegt. Bitte sparsam mit dem Wasser umgehen». Diese Worte stehen auf einem kleinen Plakat, das der Pächter Daniel Lüthold an den Brunnen und in den Toiletten aufgehängt hat.

Und weiter steht auf dem Plakat: «Das Wasser wird zweimal täglich in einer Zisterne von Root auf den Michel transportiert. Wir danken für Ihre Mithilfe». «Einige Gäste können es gar nicht glauben, was da steht», sagt Lüthold im Gespräch mit unserer Zeitung. Am wenigsten die  Gruppe der Oberstufenschüler aus Buchrain, die am Montag zur Mittagszeit hier ankam und sich natürlich sofort zu allen Hahnen begab. Ich habe ihnen die Situation geschildert und sie zeigten sich sehr verständnisvoll.» Ihr Lehrer war angetan von diesem Anschauungs-Unterricht und sagte zu den Schülerinnen und Schülern: «Da seht ihr nun, wie das ist, wenn mal plötzlich kein Tropfen mehr aus dem Wasserhahn kommt. Es gibt Menschen, die erleben das jeden Tag. Andere müssen das Wasser jeden Tag Kilometer weit weg holen gehen, meist Frauen und Kinder, und das jeden Tag.» «Natürlich haben alle Wasser bekommen», sagt der umtriebige Wirt zum Schluss.

Nicht das erste Mal
Im bisherigen Rekordsommer 2003 sei diese Situation schon einmal eingetreten, lässt Seppi Meier aus der Erbengemeinschaft Hermann verlauten. Betroffen von der versiegten Quelle sei nicht nur das Gasthaus sondern auch ein Wohnhaus mit zwei Wohnungen und ein Landwirtschaftsbetrieb gegenüber. «Das ist eine absolute Ausnahmesituation und sollte nicht überbewertet werden» meint Seppi Meier beruhigend. Natürlich sei das eine kostspielige Angelegenheit, mehrmals wöchentlich 16 Tonnen (16 Kubikmeter) Wasser von Root auf den Michel zu karren. Aber die Erbengemeinschaft komme dafür auf. Auf die Frage, warum es denn keine Wasserleitung auf den Michel gebe, entgegnete Meier vehement: «Das käme viel zu teuer. Vor etwa 15 Jahren wurde uns ein Projekt vorgelegt, an dem sich mehrere Nutzer auf dem Berg hätten beteiligen können. Das war aber dermassen teuer, dass sich niemand daran beteiligen wollte.»

Aufforderung zum Wassersparen.

Aufforderung zum Wassersparen.

Und wenn es brennt?
Auf diese Frage antwortete Kari Rogenmoser, der Kommandant der Feuerwehren Root / Gisikon / Honau sehr gelassen: «Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Bei der Quelle auf dem Michel handelt es sich um Trinkwasser und nicht um Löschwasser. Für das Löschwasser stehen Regenwasser-Sammelbecken zur Verfügung, die bei verschiedenen Liegenschaften auf dem Michel vorhanden sind, und die sind randvoll», gab Rogenmoser zu verstehen. Allerdings räumte er ein, dass dieses Wasser für einen grösseren Brand nicht genügen würde. Da müssten von den Feuerwehren lange Transportleitungen zu den nächsten Hydranten gelegt werden, eventuell sogar von der Rooter und der Udliger Seite. Die Gäste von Daniel Lüthold zeigen sich allgemein verständnisvoll, wenn er ihnen für drei Dezi «Hahnenburger» zwei Franken verrechnet. Essende Gäste zahlen nichts und zu Wein oder Kaffee gibts eh ein Glas Wasser gratis. «Wenn allerdings Wanderer oder Gümmeler (Radrennfahrer) ohne zu Fragen oder ohne Begrüssung sich mit Gratiswasser eindecken wollen, dann weise ich sie auf das Plakat hin. Und je nach Grad ihrer Entrüstung, knöpfe ich ihnen dann ein paar Franken ab.»

Text und Bilder Felix von Wartburg