Rigi Anzeiger
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Auszeichnung für junge Bauingenieurin

Jost Peyer im Gespräch mit Sylvie Thomann, Meggen, zum Förderbeitrag der Albert Köchlin Stiftung

Der angehenden Megger Bauingenieurin Sylvie Thomann wird ein Werk- und Förderbeitrag von der Albert Köchlin Stiftung zugesprochen. 2014 lag der Schwerpunkt auf den Bereichen Architektur, Technik und Umwelt. Heute werden die Beiträge im stattkino Luzern übergeben.

Sylvie Thomann

Sylvie Thomann

Sylvie Thomann, wieso studieren Sie Bauingenieurwissenschaften?
Ich hatte schon immer eine Stärke in Mathematik, war an Bauten interessiert und wollte lange Architektur studieren. Während der Kantonsschulzeit «schnupperte» ich an der ETH in den Bereichen Architektur und Bauingenieurwesen – und stellte fest, dass Bauingenieurwissenschaften besser meinen Vorstellungen entsprechen.

Eine «Schwäche» bzw. Stärke für Mathematik – wie kams dazu?
Ich muss meinem 5./6.-Klasslehrer ein Lob aussprechen; denn er konnte das Fach Mathematik sehr spielerisch rüberbringen. Mathi machte wirklich Spass. Ich liebte das Fach. In der Kanti am Alpenquai anfänglich weniger. Aber dann merkte ich, dass ich Mathematik gut und rasch verstehe. Da hat mich der Ehrgeiz gepackt.

Welchen Einfluss hatte das Elternhaus auf die Berufswahl?
Von meinem Vater, der Bauingenieur ist, bekam ich einiges mit, was auf Baustellen abläuft. Ebenso hörte ich, was ein Architekt macht. Das hat sicher mein Interesse geweckt. Aber meine Eltern haben mir die freie Wahl gelassen.

Welche Schwerpunktfächer belegten Sie an der ETH?
Beim Bachelor-Studiengang an der ETH gibt es keine Schwerpunktfächer. Da absolvieren alle das gleiche Programm, wie Statik, Geotechnik, Verkehrsplanung, Wasserbau, Baumanagement und Werkstoffe. Im Master-Studium habe ich mich auf Geotechnik und Verkehrsplanung spezialisiert.
Was ist in den Bereichen Geotechnik und Verkehrsplanung besonders spannend?
Bodenkunde fand ich generell sehr spannend. Auch Strassenbau. Jeder Boden hat andere Eigenschaften. Ein Untergrund ist oft unberechenbarer als manche andere Werkstoffe. Das reizte mich, mit diesen Phänomenen auseinanderzusetzen.

Sie stehen im Abschluss des Master-Studienganges. Ihre Masterarbeit schrieben Sie an der renommierten Stanford University in Kalifornien. Wie kam das?
Ich glaube, es war etwas Glück dabei. Ich wollte gerne an eine Universität in den USA gehen. Meine Masterarbeit steht unter der Leitung der Professorin Sarah M. Springman. Bei ihr fragte ich nach Möglichkeiten eines USA-Aufenthalts. Sie vermittelte mir den einen Professor in Stanford, bei welchem ich mich selbstständig bewerben musste. Es war für mich eine grosse Freude und Ehre, in Stanford meine Masterarbeit an die Hand nehmen zu können.

Das Thema Ihrer Arbeit liegt im Bereich der Geotechnik. Die Forschung des Baugrundes untersucht Bodenmaterialien und dessen Tragverhalten.
Die Geotechnik ist ein umfassender Begriff und geht von Tunnelbau bis zu Bodenanalysen. Wenn man den Boden erforscht, gibt es zwei Lösungsansätze. Entweder macht man Versuche, indem man Bodenproben nimmt und diese untersucht, oder man macht numerische Analysen, wie ich es in meiner Arbeit gemacht habe.
Sie untersuchen das Bodenverhalten durch hydraulische Einflüsse, insbesondere durch Regenfälle. Wie geht das vor sich?
Die numerische Analyse ist eine Computersimulation. Mittels Modellen versucht man die Bodenbeschaffenheit zu beschreiben. Anschliessend wird die Belastung des Bodens simuliert. Aufgrund dieser Simulationen kann das Verhalten des Bodens berechnet werden. Ein entsprechender Programmcode war schon von einem Doktoranden entwickelt worden. Ich musste alle Merkmale des Bodens in Form von Zahlen eingeben, dann das Rechenprogramm starten und am Schluss erhielt ich die Resultate, die mir wichtig waren, nämlich Angaben zu Spannungen und Verformungen im Boden.

Die Albert Köchlin Stiftung (AKS) hat zum ersten Mal aufgrund einer Ausschreibung Werk- und Förderbeiträge vergeben. Wie haben Sie sich beworben?
Auch hier hat mich meine begleitende Professorin Sarah M. Springman auf die Ausschreibung der AKS aufmerksam gemacht, weil ich auf der Suche nach finanzieller Unterstützung war. Ich musste ein Motivationsschreiben, einen Lebenslauf, ein Empfehlungsschreiben der Professorin, eine Projektbeschreibung, eine Budgetaufteilung, die Noten und eine Bestätigung, dass ich in der Zentralschweiz wohnhaft bin, beibringen. Auch hier hatte ich wohl Glück; denn meine Masterarbeit wurde als etwas Spezielles betrachtet. Ich schätze mich sehr glücklich, einen Beitrag zu erhalten.

Wie haben Sie sich als Frau an der Stanford University gefühlt?
Der Frauenanteil ist wohl ähnlich wie an der ETH, etwa 15 %. Ich bin sehr gut aufgenommen worden. Ich hatte ein eigenes Büro mit einem eigenen Arbeitsplatz. In den bestehenden Teams konnte ich problemlos mitmachen.

Die Vergabe der Werk- und Förderbeiträge erfolgt heute Freitag, 22. August, im Rahmen einer Feier im stattkino, Luzern.
Ich fühle mich geehrt und freue mich auf den Anlass. Ich bekomme die Gelegenheit, meine Arbeit kurz zu präsentieren. Zudem interessiert es mich sehr, welche Projekte von den anderen Gewinnern vorgestellt werden.

Welches Ziel streben Sie als nächstes an?
Als nächstes strebe ich einen fixen Job an. Ich möchte mein Wissen in der Praxis anwenden. Ich möchte meine Vertiefungsrichtungen Geotechnik und Verkehr gerne verbinden und in der Strassenplanung eine Stelle antreten. Ich freue mich auf neue Herausforderungen und auf den Einstieg ins Berufsleben.