Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Bauern schimpfen gegen Reusserweiterung

Gisikon: Den Bauern passt die geplante Erweiterung des Reussbettes nicht. Sie stellen den Sinn und Nutzen des «Jahrhundertprojektes» in Frage.

honauer_schachen_20150115_1135292156

Im Honauer Schachen geht Bauernland verloren. Bild vif

Knapp 60 Personen erschienen am Montagabend im Zentrum Mühlehof in Gisikon zur ersten von insgesamt vier in diesen Tagen stattfindenden Informationsveranstaltungen über das Projekt «Hochwasserschutz und Renaturierung Reuss» (Rigi Anzeiger Nr. 4/2015 vom 23. Januar 2015 «Generationenprojekt an der Reuss»). Auf die Thematik eingestimmt wurden sie mit einem etwa zehnminütigen Lokal-Reportagen-Verschnitt über die nationale Hochwasser-Katastrophe im August 2005. Das Ereignis habe allein entlang der Kleinen Emme und der Reuss Schäden in der Grössenordnung einer halben Milliarde Franken verursacht und das politische Bedürfnis nach der Erhöhung des Abflusskapazitäten der Reuss ausgelöst, erläuterte Albin Schmidhauser, Abteilungsleiter Naturgefahren beim Kanton. Wegen der Grundwasservorkommen sei es aber nicht möglich, das Flussbett einfach tiefer zu graben. «Es bleibt demnach keine andere Lösung, als es breiter zu machen», erklärte Projektleiter Sandro Ritler. Die drei Ziele des Projektes seien «Sicherheit vor Hochwasser», «Schaffung von Erholungsräumen» und «ökologische Aufwertung».

Albin Schmidhauser, Abteilungsleiter Naturgefahren beim Kanton (l) und Projektleiter Sandro Ritler erklaeren im Muehlehofsaaal in Gisikon rund 60 Interessierten das Projekt. Bild: Niklaus Waechter

Albin Schmidhauser, Abteilungsleiter Naturgefahren beim Kanton (l) und Projektleiter Sandro Ritler erklaeren im Muehlehofsaaal in Gisikon rund 60 Interessierten das Projekt.
Bild: Niklaus Waechter

Honau am stärksten betroffen
Von den berechneten Gesamtkosten von 167 Millionen würde der Bund gemäss heutigem Verteilschlüssel 80 Prozent übernehmen. Aber nur unter bestimmten Bedingungen. Dazu zählt auch die Schaffung eines grosszügigen „Gewässerraumes“. Also jenes Raumes, den ein oberirdisches Gewässer natürlicherweise beansprucht, einschliesslich seiner naturbelassenen Ausdehnungsreserven im Falle von Hochwasser und unter Einbezug einer Schutzzone zur Vermeidung von Gewässerverschmutzung. Das alles geht natürlich stellenweise auf Kosten der heutigen Uferpartien, die zum Teil von Landwirtschaftsbetrieben genutzt werden. Es geht dabei um insgesamt 28 Hektaren (529 x 529 Meter; zum Vergleich: Der Rotsee misst 48 ha). Und sie liegen hauptsächlich im Gebiet Honau.

Landwirtschaftliche Protestflut
«Wenn dieses Projekt so umgesetzt wird, sind drei bis vier Landwirtschaftsbetriebe in ihrer Existanz bedroht», protestierte ein Versammlungsteilnehmer aus dem bäuerlichen Lager. «Sie haben uns schon vor einem Jahr auf unserem Hof besucht und angekündigt, dass es keinen Realersatz für unser Land geben wird», doppelte ein anderer nach. «Wir im Gebiet Honau brauchen keinen Hochwasserschutz. Wenn die Reuss wieder mal hochgehen sollte, räumen wir eben auf und arbeiten weiter», war eine weitere Wortmeldung. «Sie werden unser Land einfach enteignen», prophezeite ein Paar. Und weiter: «Sie stellen uns vor vollendete Tatsachen. Wir fühlen uns nicht ernst genommen». «Das ganze Projekt ist massiv überdimensioniert und eigentlich überflüssig», befand ein weiterer Versammlungsteilnehmer. «Profitieren würde davon auch nur Emmen», meinte einer. «Man müsste ja bei Hochwasser nur den Reussabfluss in Luzern blockieren. Dann wäre dieser Hochwasserschutz gar nicht nötig», riet ein anderer.
Als Zugabe von fast jeder Wortmeldung – und es waren ausschliesslich negative – wurden die Kosten kritisiert. «Ihr könnt doch nicht einfach für so etwas die Gemeinden mit horrenden Kosten belasten. Das können sich die ja gar nicht leisten», lautete der Grundtenor. Dem Kostenargument schlossen sich auch die Vertreter der Gemeinden Gisikon und Honau an. «Wir stehen dem Projekt grundsätzlich positiv gegenüber», versicherte der Gisikoner Gemeindepräsident Alois Muri. Aber die Kostenfrage, der drohende Landverlust für die örtlichen Bauern und die fehlende Integration der Nachbarkantone in das Projekt, gäben zu kritischen Fragen Anlass. Sehr ähnlich äusserte sich auch der Vertreter von Honau.

«Es bleibt noch viel Zeit»
Die beiden Referenten kamen kaum nach, diese hochwasserartige Flut von Protesten, Einwänden und Bedenken zu parieren. Ihr wichtigstes Argument: «Dieses Vorhaben ist ein ausgereiftes, mit den Nachbarkantonen abgesprochenes und bereits kostenoptimiertes Projekt, das aus verschiedenen Gründen zwingend umgesetzt werden muss». Und an die protestierenden Bauern gewandt: «Noch nie haben wir in einer so frühen Phase eines Projektes den Dialog mit den Direktbetroffenen eröffnet. Es bleibt für Verhandlungen noch viel Zeit. Bis die Bauarbeiten in Honau ankommen, könnte es 2030 werden». Bereits in den nächsten Tagen würden die Gespräche mit betroffenen Landwirten aufgenommen. «Wir wollen den Landwirten weder wertvolles Kulturland wegnehmen, noch sie enteignen müssen. Wir wollen im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben möglichst optimale Lösungen finden», bekräftigte sowohl Schmidhauser, als auch Ritler. Darum würden die Gespräche auch in einem ungewöhnlich frühen Projektstadium aufgenommen. Die Skepsis der Bauern blieb auch nach diesen Zusicherungen hörbar. Auf die Frage, ob für ein Projekt dieser finanziellen Grössenordnung nicht eine Volksabstimmung nötig wäre, antwortete Schmidhauser, dass eine solche Anfrage beim Regierungsrat hängig sei. «Ich persönlich wäre sehr froh über eine Volksabstimmung», beteuert er.
Die nächste öffentliche Informationsveranstaltung zum Projekt «Hochwasserschutz und Renaturierung Reuss» findet am kommenden Montag, 2. März um 19.30 Uhr im Pfarreiheim Emmen-Dorf und die letzte Veranstaltung am Mittwoch, 4 März um 19.30 Uhr in der Aula der Schulanlage Hinterleisibach in Buchrain statt. Text & Bild Niklaus Wächter