Rigi Anzeiger
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Bequeme Thais und hinterlistige Tuktukfahrer

«Das ist unmöglich! Dorthin kann man nicht zu Fuss gehen», antworteten viele Thailänder, wenn ich sie auf einer meiner ersten Erkundungstouren bei strahlendem Sonnenschein nach einer Richtungsangabe fragte.

Meistens hatte ich dank einer Strassenkarte auf Papier und vorgängiger Konsultation von Googles Online-Karten eine ungefähre Ahnung von der Strecke. Gepaart mit dem schönen Wetter schien mir dies eine gute Voraussetzung für einen halbstündigen Spaziergang. Mit dem Nachfragen bei den Einheimischen hätte ich sichergehen wollen, ob der eingeschlagene Weg der richtige war. Dabei kam öfters die Antwort, dass mein Ziel nicht aus eigener Kraft zu erreichen sei. Nahm ich dann also verunsichert einen Bus, ein Taxi oder ein Tuktuk, stellte sich meistens heraus, dass die Strecke im schlimmsten Fall gerade einmal drei Kilometer lang gewesen wäre. In der Zeit, die nötig war, um den Fahrern – die meistens gar nicht oder nur sehr schlecht Englisch sprechen – mit meinen wenigen Brocken Thai zu erklären, wo ich hin möchte, hätte ich bereits mindestens einen Drittel des Weges zurückgelegt. In der Gegend um den Fluss Chao Phraya bietet sich Fussgängern zudem an einigen Stellen eine malerische Aussicht, die man von der Strasse aus kaum zu Gesicht bekommt.

Bisher habe ich mit Tuktuks nur gute Erfahrungen gemacht – im Gegensatz zu anderen Bangkok-Reisenden.

Bisher habe ich mit Tuktuks nur gute Erfahrungen gemacht – im Gegensatz zu anderen Bangkok-Reisenden.

Dazu kommt noch, dass viele Fahrer von Taxis oder Tuktuks Vereinbarungen mit Schneidereien, Bars, Nachtklubs oder Anbietern von einschlägigen Unterhaltungsshows haben. Als Fahrgast bezahlt man einen eher tiefen Preis für den Transport und wird dafür nicht an das gewünschte Ziel gebracht, sondern landet in einem Bekleidungsgeschäft, einer dunklen Bar mit Stripperinnen, einer heruntergekommenen Disco mit überteuerten Getränken oder einer Show, in der leichtbekleidete Frauen Tischtennisbälle aus ihrer Vagina katapultieren. All diese Orte möchte ich nicht unbedingt besuchen, weswegen doppelte Vorsicht bei der Auswahl des Transportmittels angesagt ist. Ein Bekannter berichtete, dass er anstatt bei einem Restaurant vom Fahrer der Autorikscha in einem Anzugsgeschäft abgeladen worden sei. Dort habe ihm der Besitzer des Ladens erst einmal gesagt, er sehe äusserst schlecht aus. Nachdem also das Eis gebrochen war, sollte der Tourist sich gefälligst ein Outfit aussuchen. Gemäss den Schilderungen muss es recht schwierig gewesen sein, das Geschäft wieder verlassen zu können. Auch auf Reiseportalen stiess ich auf mehrere Berichte über hinterlistige Tuktukfahrer. Ich selbst bin bis jetzt noch nicht übers Ohr gehauen worden. Damit dies so bleibt, verhandle ich jeweils hart und habe mir auf Thai einen Satz angeeignet, der ungefähr sagt, dass ich kein Baht zahle, wenn die Fahrt nicht dort endet, wo abgemacht war. Die paar Wörter wiederhole ich dann – am besten vor Zeugen – so lange, bis mein Gegenüber schliesslich nickt. Soweit bin ich mit dieser Strategie gut gefahren.
Trotz der erfolgreichen Taktik bewältige ich kürzere Strecken noch immer gerne zu Fuss. Dabei bin ich schon auf ein kleines Museum mit Werken junger Thaikünstler gestossen, das in keinem Reiseführer aufgelistet war und habe in einem Hinterhofsportveranstalter günstige Tickets für eine Operndarbietung im Nationaltheater kaufen können. Begleiten mich aber thailändische Mitstudenten, passe ich mich selbstverständlich den hiesigen Gepflogenheiten an und bewege mich so wenig wie möglich aus eigener Kraft fort. Wir warten dann oftmals zehn Minuten auf einen Bus, der uns anschliessend knapp 800 Meter weiter wieder ablädt. Wer noch fauler ist, hält sogar ein Taxi an, um zum 500 Meter weiter gelegenen Markt zu gelangen. Einige aus meiner Klasse halten mich wahrscheinlich für verrückt, dass ich morgens für den knapp 20-minütigen Weg von mir zu Hause zur Uni nicht rasch in ein Taxi hüpfe oder manchmal nicht auf den Lift warte, sondern für die drei Stockwerke bis zum Unterrichtsraum die Treppe nehme. Direkt auf mein sonderbares Verhalten angesprochen wurde ich allerdings noch nie, allem Anschein nach sind die Thais dafür zu höflich.

Stephanie Sigrist aus Risch absolviert ein Austauschsemester in Bangkok und berichtet darüber regelmässig im Rigi Anzeiger.

 

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