Rigi Anzeiger
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Bildthema von der Realität eingeholt

Dierikon: Eines seiner Bilder trägt den Namen «Naturgewalt.» Kunstmaler Robert Süess aus Dierikon hat sie als Unwetterkatastrophe erlebt.

Aufräumen: Kunstmaler Robert Süess

Aufräumen: Kunstmaler Robert Süess

jp. In Dierikon wird die Dorfstrasse zum reissenden Fluss und der Keller für zwei Menschen zur Todesfalle. Der Tag, als am oberen Dorfrand heftige Gewitter den Götzentalbach innert Minuten anschwellen lassen, bleibt auch dem Dierikoner Kunstmaler Robert Süess als Katastrophentag in Erinnerung. Er ist allerdings zum akuten Zeitpunkt im Auto unterwegs nach Norddeutschland. Mit ihm: Seine Partnerin, die, wie er, malt. In Hannover soll Süess als Referent an einem Kurs teilnehmen. In Süddeutschland machen die beiden Pause.
Am Montagmorgen wird in Dierikon das Ausmass der Katastrophe sichtbar und Süess aus der Ferne klar: «Kaum denkbar, dass meine Bilder unbeschadet blieben.» Acrylmaler Süess telefoniert, will sich ein Bild über die Lage machen. Die Nachbarn sind jedoch genug mit sich selber beschäftigt. Süess und seine Partnerin entscheiden: «Wir müssen zurück.» Und dann steht das Künstler-Paar barfuss im Schlamm. Und vor dem Schlamassel. Wegen einer nahenden Ausstellung hat Süess seine Bilder ausnahmsweise vom Atelier im Industriegebiet in den Keller seines Wohnhauses im Dorf zwischengelagert. «Dieses hier heisst Naturgewalt», sagt Süess und hält eines in die Höhe. «Ich nutze häufig Farbmittel aus der Natur: Sand, Bernsteinpulver und so fort.» Süess blickt auf die aufgerissene Strasse. «Elemente, welche die Naturgewalt vor mir neu aufgetischt hat», sagt er nachdenklich. «Vielleicht lasse ich dieses Bild einfach so, wie es ist. Ganz passend zur Naturgewalt.»
Robert Süess und Rebekka Hatzung retten, was zu retten ist. Kunst unter laufendem Wasser – wenigstens sind es keine Aquarelle. Die Rahmen aber sind hin. Zum Trocknen legt Rebekka Hatzung die Bilder an die Sonne. Denn versichert sind sie nicht.