Rigi Anzeiger
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Binzmühle – keine Urnenabstimmung

Risch: Der Gemeinderat hat das Projekt Binzmühle redimensioniert. Auf den geplanten Neubau und die damit verbundenen Zonenplanänderungen wird verzichtet. Damit fällt die angekündigte Urnenabstimmung weg.
pd./cek. Noch im Juli 2016 kündigte der Gemeinderat an, dass am 27. November 2016 eine Urnenabstimmung stattfindet. Die Rischer Stimmbevölkerung hätte dann über zwei Zonenplanänderungen im Zusammenhang mit einem Neubau befinden müssen. Diese fanden jedoch in den beiden öffentlichen Mitwirkungsverfahren Anfang 2016 und im Sommer 2016 nicht die notwendige Unterstützung. Zudem zeigte sich, dass die für die Sanierung und Erweiterung mit einem Neubau vorgesehene Ortsbildschutzzone umstritten bleiben wird und langjährige Rechtsmittelverfahren mit hohen Kosten und Rechtsunsicherheit mit ungewissem Ausgang drohten. Deshalb verzichtet nun der Gemeinderat auf die Urnenabstimmung und beantragt stattdessen an der Gemeindeversammlung vom 29. November 2016, die Planung der Sanierung der Binzmühle voranzutreiben sowie die Remise in Stand zu stellen. Mit der Sanierung der Altbauten wird derjenige Teil des Gesamtprojekts Binzmühle umgesetzt, der im Mitwirkungsverfahren Anfang Jahr, wie auch in der öffentlichen Auflage der Zonenplanänderungen unbestritten war.

Äusserst komplexes Projekt
Das idyllisch in ein Naturschutzgebiet mit Weiher eingebettete Gehöft der Binzmühle liegt lediglich rund 700 m westlich des Bahnhofs von Rotkreuz. Es ist grösstenteils im Eigentum der Gemeinde Risch. «Die Altbauten, bestehend aus dem Mittelhaus, dem Mühlegebäude sowie der nördlich davon gelegenen Remise, sind alle baulich in einem sehr schlechten Zustand. Der Gemeinderat hat sich bereits in der Legislatur 2011 bis 2015 das Ziel gesetzt, die Binzmühle einer sinnvollen Nutzung zuzuführen», meint Ruedi Knüsel, Vorsteher Planung/Bau/Sicherheit. Diese Absicht soll nun mit den Gemeindeversammlungsanträgen weiterverfolgt werden. Für die Ausarbeitung eines Bauprojektes hatte die Gemeindeversammlung vom 27. November 2012 einen Planungskredit von 290 000 Franken gesprochen.
Die Arbeiten für das Gesamtprojekt Binzmühle stellten sich als äusserst komplex und interdisziplinär dar. Neben der Suche nach einer sinnvollen Nutzung für die Altbaubestände wurde geprüft, ob an Stelle der ehemaligen Scheune ein Neubau errichtet werden kann, der das ursprüngliche Gebäudeensemble wieder komplettieren würde. In diesem Zusammenhang mussten auch ein Lärmgutachten, Abklärungen mit der Denkmalpflege und die Fragen der Störfallvorsorge aufgrund der Nähe zum Trassee der SBB geklärt werden. «Die Idee eines Neubaus hat uns zu Beginn überzeugt, weshalb wir die Arbeiten weiterführten und die hierzu notwendige Schaffung einer Ortsbildschutzzone planten», ergänzt Ruedi Knüsel. Der Neubau hätte an die Stiftung Phönix vermietet werden sollen, welche darin sozialtherapeutische Wohneinheiten errichtet hätte. Daneben wurde auch die Umzonung eines Teils der Zone für öffentliches Interesse und Bauten (OeIB) in eine Wohnzone angedacht.

Drei Kredite kommen zur Abstimmung
An der Gemeindeversammlung vom 29. November 2016 hat die Stimmbevölkerung zum Projekt Binzmühle über drei Kredite zu befinden: Einen Zusatzkredit für die Planung der Sanierung des Haupthauses und des Mühlegebäudes von 692›000 Franken. Der Grund: Die Vorstudie und die durchgeführte Planerauswahl zeigten, dass für die weiteren Planungsschritte erheblich mehr finanzielle Mittel aufgewendet werden müssen. Die beiden Bauten sollen einer Wohnnutzung zugeführt werden. Im Mühlegebäude ist ein öffentlicher Raum vorgesehen. Die Gründung eines Vereins zur Bewirtschaftung dieser Räumlichkeiten wird weiter vorangetrieben. Als weiteres beantragt der Gemeinderat für die Sanierung der Remise einen Baukredit von 700›000 Franken. Die Remise wird für Vereinszwecke (Lager), zu geringem Teil für den Werkhof der Gemeinde Risch sowie für die Schaffung von Garagenplätzen für die Wohnungen des Haupthauses und des Mühleteils hergerichtet. Damit diese beiden Kredite zur Abstimmung kommen können, muss die Gemeindeversammlung vorgängig die Altbaubestände vom Finanz- ins Verwaltungsvermögen überführen.
Hierfür ist ein Kredit von 1.7 Millionen Franken notwendig. «Die Überführung ist eine rein finanztechnische Transaktion ohne Mittelabfluss», teilt der Gemeinderat mit. Er ist auch überzeugt, dass die zielstrebige Umsetzung der Altbausanierungen angebracht ist, denn ein Aufschieben der Sanierung der sehr schlechte Bauzustand sei nicht zu verantworten. «Die Investitionen werden nicht zu hundert Prozent rentabilisiert, das sind wir uns bewusst. Deshalb steht auch die Überführung vom Finanz- ins Verwaltungsvermögen an. Nach heutiger Kenntnis handelt es sich bei den bestehenden Bauten um Gebäudeteile, die unter Denkmalschutz gestellt werden», hält Ruedi Knüsel fest. Durch die Sanierung nimmt die Gemeinde ihre Aufgabe wahr und führt die historischen Bauten wieder einer sinnvollen Nutzung zu, welche die Binzmühle behutsam beleben wird.

Früher ein einzigartiger Treffpunkt
1924 erwarb Jakob Lörch für 13 000 Franken die Binzmühle und machte den Ort zu einem einzigartigen Treffpunkt für Künstler und Liebhaber. Das und mehr kann im Bericht «Ziegel erleben und herstellen» gelesen werden.

Die Binzmühle mit (v.l.) Mühlegebäude, Haupthaus und Remise. Bild pd

Die Binzmühle mit (v.l.) Mühlegebäude, Haupthaus und Remise. Bild pd