Rigi Anzeiger
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Buchstabensuppe haben sie am liebsten

Zu Besuch beim Mittagstisch in der Ebikoner Feldmatt

Seit mehr als zwei Jahren bietet die Gemeinde Ebikon an zwei verschiedenen Standorten einen Mittagstisch an. Einer davon befindet sich im Schulhaus Feldmatt, er wird von bis zu zwanzig Kindern genutzt. Und das überaus gerne.

Dienstag, gegen 11.30 Uhr: Die Standortleiterin des Mittagstischs Feldmatt, Irmgard Käch, und ihre Stellvertreterin Annemarie Ragoni rüsten Rohkost – Orangen, Äpfel, Karotten, Gurken. Das mögen die Kinder lieber als gekochtes Gemüse. Irmgard Käch blickt auf die Liste mit den Namen der Kinder, die heute zum Mittagstisch kommen. Hier sind auch deren Vorlieben oder mögliche Allergien aufgeführt, angegeben von den Eltern bei der Anmeldung ihrer Kinder zum Mittagtisch. Vegetarische Ernährung und Speisen ohne Schweinefleisch sind beispielsweise notiert.

Die Tische sind bereits gedeckt. An jedem Platz liegt ein Tischset samt Besteck. Karaffen gefüllt mit Wasser oder Tee stehen bereit. «Grüezi Frau Käch, grüezi Frau Rigoni», ertönt es alsbald. Ein jedes der heute vierzehn Kinder reicht den beiden Frauen zur Begrüssung die Hand. Das eine und andere erzählt von seinen Erlebnissen in der Schule oder zuhause. Dann setzen sich die Kinder auf die Stühle. Irmgard Käch und Annemarie Rigoni servieren Bouillon mit Buchstaben. «Diese Suppe haben die Kinder am liebsten», verrät Irmgard Käch. Das bestätigt sich dadurch, dass gerne Nachschub geholt wird. Als Hauptgang gibt es Kalbsbratwurst mit Kroketten und Karotten. Nicht alle möchten Gemüse.

Während des Essens wird geredet und gelacht. Was ihnen am Mittagstisch gefällt? «Alles» lautet die Antwort von Artan und Hedi – beide 11Jahre alt. Der zwölfjährige Denis schliesst sich ihnen an. Fragt man sie, was sie sich wünschen würden, schiesst es wie eine Rakete aus den Mündern: «Eine Playstation 3 und einen Fernseher». «Das würde euch keine Entspannung bringen», sagt Irmgard Käch. Die vierzehnjährige Servet äussert plötzlich spontan: «Der Tee ist sehr fein». Daraufhin will Hedi wissen, weshalb es kein Coca Cola gibt. Irmgard Käch erklärt: «Weil zuviel Zucker drin ist.» Servet erhebt sich, nimmt die Platte mit der übrig gebliebenen Rohkost und reicht sie ihren Mittagstischkolleginnen und -kollegen. Im Nu ist die Platte leer. Der neunjährige Keanu serviert eine Nachspeise in Form von Brownies, die er selber zusammen mit Verena Bättig am Vortag gebacken hat. Bättig ist seit vergangenem Sommer zuständig für die frühnachmittägliche Betreuung der Kinder. «Wir versuchen individuell auf die Kinder einzugehen», erläutert sie, die nach dem Mittagstisch in der Feldmatt eintrifft. Zu diesem Zeitpunkt sind die Kinder bereits am Spielen – drinnen und draussen –, betreut von Irmgard Käch und Annemarie Rigoni.

Annemarie Rigoni (links) und Irmgard Käch beim Schöpfen der Buchstabensuppe – die Kinder stehen in Reih und Glied.

Annemarie Rigoni (links) und Irmgard Käch beim Schöpfen der Buchstabensuppe – die Kinder stehen in Reih und Glied.

Hohe Sozialkompetenz

Bereits von Beginn weg, war der Gemeinde wichtig, dass die Kinder ausgewogene Mahlzeiten erhalten, und ihnen im Anschluss an das Mittagessen Spielmöglichkeiten geboten werden. Diese sind in der Feldmatt in separaten Räumlichkeiten vorzufinden. Ausserdem gibt es einen Ruheraum. Arta (10) Larissa (12) und Servet (14) gefällt dieser Raum besonders. Gegenseitiger Respekt und Rücksichtnahme wird am Mittagstisch ebenfalls gepflegt. Die Kinder, die aus unterschiedlichen Nationen stammen, tun das auf eine selbstverständliche Art. Integration geschieht hier natürlich. Gepflogenheiten wie Geschirr in die Küche zu tragen, bevors zum Spielen geht, ist ebenfalls normal. Sicher tragen zur Atmosphäre und dem Verhalten der Kinder die Betreuerinnen mit ihrer freundlichen, geduldigen Art bei. Stets haben sie ein Lächeln im Gesicht. Es ist der Ausdruck, dass sie gerne mit Kindern arbeiten. Einen reichen Erfahrungsschatz haben sie auch, nicht nur als Mütter. Irmgard Käch war gelernte Krankenschwester, leitete während acht Jahren ein Spielheim und bildete sich pädagogisch aus und weiter. Annemarie Rigoni betreute nebst ihren eigenen auch Tages-Kinder. Während vielen Jahren unterstützte sie ausserdem den Mittagstisch, den die Gemeinde Ebikon vor der Einführung der schul- und familienergänzenden Betreuung bereits führte.

 

Auch Hausaufgaben-Betreuung

Nebst dem Mittagstisch in der Feldmatt, ist auch einer im Pavillon Sagen vorzufinden. In Ebikon werden ausserdem frühmorgendliche, Früh- und Spätnachmittags-Betreuung angeboten. Letzterer ist kombinierbar mit Hausgabenhilfe. Die Kosten richten sich nach dem Einkommen des oder der Erziehungsberichtigten.

 

 

Nachgefragt bei Gemeinderat Ruedi Kaufmann, zuständig für das Ressort Bildung der Gemeinde Ebikon

Ruedi Kaufmann, die Gemeinde Ebikon bietet seit Januar 2011 familien- respektive schulergänzende Betreuungsangebote inklusive Mittagstische und Unterstützung bei den Hausaufgaben an. Wie gross ist die Nachfrage nach diesen Angeboten?
Die Nachfrage hat sich erfreulich entwickelt. Es gibt Wochentage, wo wir an den beiden Standorten Feldmatt und Sagen am Mittag über 50 Schulkinder verköstigen und betreuen. Bei der Anfang dieses Schuljahres eingeführten, Nachmittags-betreuung haben wir noch genügend Plätze frei. Die Nachfrage steigt stetig.

Anfang Jahr schrieben Sie die Angebote für das Schuljahr 2012/2013 aus. Wie war die Resonanz?
Neben der grossen Nachfrage haben wir viele positive Rückmeldungen von Eltern erhalten.

Verfügt die Gemeinde über genügend Kapazitäten, um weitere SchülerInnen betreuen lassen zu können?
Beim Standort Sagen sind wir bereits an die Kapazitätsgrenzen gestossen und mussten die Räume erweitern, um alle Kinder aufnehmen zu können. Im Feldmatt wird mittelfristig auch eine Erweiterung notwendig sein.

Besteht ein Bedarf an weiteren Betreuungsplätzen?
Bei der Frühmorgen- und Nachmittagsbetreuung sind wir im ersten Betriebsjahr. Sobald die Angebote etabliert und bekannt sind, werden die Nachfrage und der Bedarf bestimmt steigen.

Gisikon bietet schul- und familienergänzende Betreuung auch während den Schulferien an. Besteht ein ähnlicher Bedarf in Ebikon?
Wir haben bisher sehr wenige Anfragen für Ferienplätze erhalten. Bei Bedarf können Eltern das Angebot von Gisikon nutzen.

Stehen genügend Personen für die Betreuung zur Verfügung?
Bisher konnten genügend Betreuungspersonen rekrutiert werden um den Bedarf abzudecken. Wegen der steigenden Nachfrage suchen wir jedoch immer wieder neue Betreuungspersonen.

Welche Voraussetzungen müssen Personen mitbringen, um für einen Betreuungsplatz engagiert zu werden?
Für die Betreuung der Schulkinder ist es wichtig, entsprechende Erfahrung mit dem Umgang mit Schulkindern mitzubringen. Für die Leitung der Mittags- und Nachmittagsbetreuung haben wir Personen mit entsprechendem fachlichen und pädagogischen Hintergrund engagiert.

Apropos Finanzen: Sind die Betreuungsplätze in Ebikon kostendeckend?
Der Kostendeckungsgrad der Betreuungsangebote durch die Elternbeiträge bewegt sich bei ca. 50 %. Die übrigen Kosten werden durch die Gemeinde getragen.

 

Infos: www.ebikon.ch › Bildung › Betreuungsangebote