Rigi Anzeiger
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Bürgerwehr in aller Munde

Medienrummel nach Bericht im Rigianzeiger

Es war bloss eine beiläufige Erwähnung in der exklusiven Berichterstattung des Rigi Anzeiger über einen von der Polizei verschwiegenen Überfall auf einen Getränkehändler in Ebikon. Aber sie hat einen landesweiten Medienrummel ausgelöst.

Der Hüne Roland Furrer und seine anonymen Mitkämpfer. Die abenteuerlich angehauchte Bürgerwehr von Ebikon. Ein attraktives Medienthema in dieser Vorweihnachtszeit. Die Luzerner Zeitung widmete den wehrhaften Ebikonern nach kurzem Zögern einen bildlastigen Beitrag auf der Titelseite. Der Tagesanzeiger folgte ebenso. «20 Minuten» berichtete mit mehreren Beiträgen über das Thema und begleitete Roland Furrer und seine Mannen gar eine Nacht lang. Wobei sich das als wenig ergiebig erwies: Nichts von Bedeutung geschah. Man fror ein bisschen an dieser Ecke, dann an jener, man sprach über dieses und jenes, aber nie über die Anzahl und Identität von Roland Furrers Wachgenossen, von denen keiner fotografiert oder interviewt werden durfte. Dafür verriet Bürgerwehr-Chef Furrer seine «Geheimwaffe»: Ein Abwehrspray gegen Bären.

Würden gerne einen Einbrecher ertappen: Roland Furrer und seine Mannen.

Die Polizei rät ab

20 Minuten hat zur einzigartigen Ebikoner Bürgerwehr eine Meinungsumfrage lanciert: Von den über 20000 Stimmwilligen klickten 75 Prozent auf das Kästchen mit dem Text «Super! Endlich wehren sich die Bürger selber». Die 186 publizierten Online-Kommentare zu einem der Beiträge aber widerspiegeln einen anderen gesellschaftlichen Gesamteindruck: Nämlich gemischte Skepsis. Von «Oh mein Gott» bis «Furrer for President» ist alles zu lesen. Vor allem aber: «Das ist die Aufgabe der Polizei».

Und was meint sie, die Polizei, zum wehrhaften Treiben in Ebikon? «Wir raten von solchen Aktivitäten ab, weil sich damit Menschen unnötig in Gefahr begeben», erklärt Polizeisprecher Kurt Graf. Es sei besser, wenn die Bewohner ihre Umgebung aufmerksam beobachteten und alle Auffälligkeiten umgehend der Polizei meldeten. «Wenn es dringend erscheint, gerne über den Notruf 117. Und wenn es mehr eine Vorsichtsmeldung ist, lieber über die Polizeizentrale, Tel. 041 248 81 17», erläutert Graf. Die Polizei sei über jede Vermeldung von Beobachtungen über verdächtige Autos und unbekannten Personen mit auffälligen Verhalten dankbar. Ausgeschumpfen oder als übervorsichtig verspottet wird also niemand.

 

Von Wehrhaft keine Spur

Der Begriff «Bürgerwehr» scheint in Polizeikreisen Unbehagen zu verbreiten. Weil es den Begriff «wehren» impliziert. Ein hierzulande unpopulärer Begriff. Und wenn man die Möglichkeiten der «Wehrbürger» in Betracht zieht, unpassend. Die Akteure der Ebikoner Freiwilligen Nachtwache dürfen so gut wie gar nichts. Nämlich höchstens einen eindeutigen Gesetzes- oder gar Einbrecher «mit der grösstmöglichen Milde» an der Flucht hindern. Und die Polizei zu rufen. Und mit dem Bärenspray gegen dunkle Gestalten vorgehen darf Roland Furrer auch nicht.

Auch wenn viele über die Ebikoner Nachtwache die Nase rümpfen oder sich in ablehnendes Schweigen hüllen – andere freuen sich offenbar über den dokumentierten Wehrwillen. «Ich habe viele sehr positive Kommentare erhalten. Auch am Arbeitsplatz», freut sich Roland Furrer. Ebikoner aus den beiden bewachten Quartieren Bühlrain und Rütimatt hätten ihm versichert, dass sie jetzt etwas besser schlafen könnten, wenn sie wüssten, dass er mit seinen Männern Wache schiebe. Auch die Liegenschaft des überfallenen Getränkehändlers behalten die Quartierwächter fortan im Auge. «Auf entsprechende Bitte und natürlich wie immer ehrenamtlich», betont Roland Furrer.

 

Weiterhin Einbrüche

Hat wenigstens der Medienrummel die Einbrecher vor der Wehrburg Ebikon abgeschreckt? Leider nicht. Die Frage nach der Anzahl Einbrüche während den vergangenen zehn Tagen in der Gemeinde Ebikon beantwortet Polizeisprecher Graf mit: «Fünf. Das liegt im Schnitt der anderen Gemeinden in dieser Jahreszeit. Es könnten aber noch Nachmeldungen kommen». Und wie hat Roland Furrer den Medienrummel erlebt? «Ach – ich bin mir das gewohnt von den Anfängen vor einigen Jahren her. Da hat man auch landesweit wochenlang über uns geschrieben. Jetzt kommt eben eine zweite Welle», winkt er ab. Und plant schon seine nächsten Einsätze. «Sicher ist, bis über die Festtage sind wir täglich auf Patrouille», verspricht er. Und gönnt sich bei minus sieben Grad einige Züge an seinem Chrummen. Dessen Geruch sich weit in die eiskalte Winternacht verbreitet. Und auch wenn die Einbrecher – besonders jene mit intaktem Geruchssinn – seinem Hoheitsgebiet fernbleiben, so ist doch immer wieder für Abwechslung gesorgt. Am vergangenen Sonntagabend kam ein Team von Tele Züri. Am Dienstagabend der Reporter vom Rigi Anzeiger.