Rigi Anzeiger
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«Car-Flut» chinesischer Touristen ärgert

Ebikon: Der wachsende Zustrom chinesischer Touristen ins China-Restaurant Maxim sorgt für allgemeine Verärgerung.  Derweil pflastert die Gemeinde den Weg zum Car-Parkplatz zu, den sie dem Maxim-Besitzer zur Verfügung stellt.

Immer wieder laden Busse mit chinesischen Touristen ihre Fahrgaeste direkt vor dem Restaurant ab und versperrendabei Fahrbahnen und Parkplaetze. Im Hintergrund das zum Asylzentrum umfunktionierte ehemalige Hotel Loewen.    Bild: Niklaus Waechter

Immer wieder laden Busse mit chinesischen Touristen ihre Fahrgäste direkt vor dem Restaurant ab und versperren dabei Fahrbahnen und Parkplätze. Im Hintergrund das ehemalige Hotel Löwen.
Bild: Niklaus Waechter

Bis in die nationalen Boulevard-Medien hat es die Aufregung rund um das China-Restaurant Maxim an der Zentralstrasse 12 in Ebikon geschafft.  Anwohner klagen über eine Car-Schwemme mit ärgerlichen bis spektakulären Fahrmanövern, über spuckende, urinierende und rüpelhafte, respektlose Chinesen, über Restaurantmülldeponien und penetrante Geruchsimmissionen. Geschäftsführer Wei Geng bleibt höflich und gibt sich einsichtig. «Ja ich gebe zu: Auch in China haben nicht alle Menschen gute Manieren. Und immer mehr Chinesen – auch solche aus weniger privilegierten Kreisen – können sich heute Reisen ins Ausland reisen», sagt er. Nur: Was kann denn er dafür, wenn sich unter den täglich bis zu 600 Gästen – darunter auch mehr oder weniger gut erzogene Kinder – einige gründlich daneben benehmen? Der Gastgeber weist darauf hin, dass die chinesische Regierung den Landsleuten zunehmend eindringlicher einschärft, sich auf Reisen den örtlichen Sitten anzupassen.

Erfolgreicher Geschäftsmann
Im Gegensatz zu anderen Landsleuten darf China stolz auf den fliessend Deutsch sprechenden Wei Geng  sein. Er hat es immerhin geschafft, innert fünf Jahren einen einstigen unscheinbaren Quartier-Treffpunkt in einer Wohn- und Geschäftsüberbauung zu einer hochfrequentierten Gaststätte für chinesische Gruppenreisende zu machen.  «Wir haben hart gearbeitet, um die Reisegruppen von Luzern nach Ebikon zu lotsen», sagt er stolz. Aber nun wird er zum Opfer seines eigenen Erfolgs. So viele Gäste wie in den vergangenen Monaten hatte er noch nie zuvor. Wei Geng ist vom Ansturm selbst überrascht und musste sein Personal um zwei auf zehn Personen aufstocken. «Gut möglich, dass der in diesem Jahr weltweite Anstieg chinesischer Touristen im Zusammenhang steht mit dem Umstand, dass es bald nur noch ein Visum gegen Fingerabdruck gibt», vermutet er. Weil die dafür nötigen Lesegeräte nicht überall im riesigen Land  zur Verfügung stünden, müssten künftig viele reisewillige Chinesen erst einmal eine zum Teil lange und beschwerliche  Inlandreise für den Erhalt eines Visums antreten. Und haben deshalb in diesem Jahr die letzte Chance für eine einfacher zu realisierende Auslandsreise genutzt.

Das China-Restaurant Maxim ist im Obergeschoss eines Wohn- und Shopping - Komplexes. Bild: Niklaus Waechter

Das China-Restaurant Maxim ist im Obergeschoss eines Wohn- und Shopping – Komplexes.
Bild: Niklaus Waechter

Parkplatz-Zufahrt verbaut
Im Touristenland Schweiz, bzw. im weniger touristisch ausgerichteten Ebikon, sorgen die Chinesenmassen allerdings für Verärgerung und Unmut. «Das grosse Problem sind die Cars», sagt Gemeinderat Peter Schärli. Ihre Anzahl führe zu unhaltbaren Zuständen. «Wir sind seit Jahren mit Herrn Wei Geng im Gespräch. Am Anfang waren es ja bloss einige wenige Cars die vorfuhren.  Als die Parkplätze auf dem Areal mit der Zeit knapp wurden, haben wir ihm vorgeschlagen, die Gäste vor dem Lokal aussteigen und die Cars auf dem Areal des früheren Migros-Do-it parken zu lassen», schildert er.  Doch mit dem heutigen Ansturm von Gästen, die sieben Tage in der Woche über die Mittagszeit und am frühen Abend allesamt in Cars anreisen, sei die Situation aus dem Ruder gelaufen. «Auf dem Car-Parkplatz standen zeitweise bis zu sechs und mehr Cars. Und bei Hitze natürlich mit laufenden Motoren», berichtet Schärli. Derzeit herrscht dort allerdings Ruhe. Die Rischerstrasse wird seit einer Woche für verkehrsberuhigende Massnahmen verbaut. Die Fundamente für grossflächige Schwellen, die bis über die Strassenmitte reichen, lassen kaum mehr Platz für die Durchfahrt von Cars. Offenbar lehnen es die Car-Chauffeure ab, ihre massigen Vehikel dort durchzuzwängen. Maxim-Geschäftsführer Wei Geng ist konsterniert. «Weshalb macht die Gemeinde den Parkplatz, den sie uns selbst zugewiesen hat, jetzt unzugänglich?», fragt er. Der zuständige Gemeindevertreter verspricht: «In zwei Wochen wird die Strasse auch für Cars wieder problemlos befahrbar sein».

Unhaltbare Zustände
Doch auch mit dem Car-Parkplatz empfinden Anwohner und Gemeindebehörden die chinesische Invasion an der Zentralstrasse als Zumutung. «So kann es nicht mehr weitergehen», sagt Schärli. Die Gemeinde lädt in Kürze zu einem runden Tisch ein, mit Wei Geng und Vertretern des Kantons, welche für die Bewilligung zuständig sind, um Lösungen zu finden. «Die Gemeinde befürwortet massive Einschränkungen für den Restaurationsbetrieb», verrät er. Und ist sich bewusst, dass damit die Existenz des China-Restaurants aufs Spiel gesetzt wird. «Die beste Lösung wäre wohl ein Standortwechsel. Einfach wird es nicht werden, das Problem auf die Schnelle zu lösen», sinniert Schärli. Dass es so wie in den vergangenen Monaten nicht mehr weitergehen kann, weiss auch Wei Geng, der in unmittelbarer Nähe seines ca. 140 plätzigen Restaurants  noch einen Souvenirladen betreibt.  Er ist der Wegzugs-Idee nicht abgeneigt. «Ich bin auf der Suche nach einem neuen Lokal. Denn ich habe Verständnis für den Groll den Nachbarn und möchte in Frieden mit ihnen leben. Die aktuellen Zustände und die Berichterstattungen darüber sind mir sehr unangenehm», sagt er. Text & Bilder Niklaus Wächter