Rigi Anzeiger
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Chance für Verdichtung verpasst

Carole Mayor, Bezirksrätin Küssnacht, ein Tag nach der Abstimmung

Nach der deutlichen Ablehnung des Gesamtzonenplans steht Küssnacht vor einer ungewissen Zukunft. Bezirksrätin Carol Mayor spricht einen Tag nach der Abstimmung von einem «Scherbenhaufen» und macht aus ihrer Enttäuschung keinen Hehl.

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«In den Zentren, beim Bahnhof Küssnacht
sowie in bestimmten Wohnquartieren
wird keine Verdichtung stattfinden können.»

 

Carole Mayor, ein Tag nach dem «Scherbenhaufen», wie geht es Ihnen?
Ich bin immer noch sehr enttäuscht über die Ablehnung des Zonenplans und des Parkgeschosses. Ich werde aber auch aus dieser Erfahrung schlauer und bin auch heute meiner Arbeit für den Bezirk mit dem gewohnten Einsatz nachgegangen.

Das Votum des Volkes ist ziemlich deutlich ausgefallen. Der Widerstand gegen den Gesamtzonenplan heftig. Was lief im Vorfeld falsch?
Das Geschäft war umfangreich und sehr komplex. Daher war es sicherlich einfacher, Unsicherheiten zu streuen und für Nein-Stimmen zu werben, als Befürworter zu mobilisieren. Das Vertrauen in der Arbeit des Bezirksrats hat gefehlt und wahrscheinlich zur Deutlichkeit des Resultats geführt.

Die klare Absage kam für Sie unerwartet?
Ja, denn wir haben die Öffentlichkeit seit vier Jahren immer wieder über die Änderungen von Zonenplan und Baureglement, und insbesondere über die damit möglichen Impulse beim preisgünstigen Wohnungsbau orientiert. Ich habe immer an ein Ja geglaubt und war am Sonntag doch ziemlich enttäuscht, dass eine Mehrheit unserer Bürgerinnen und Bürger die aus meiner Sicht ausgewogene und weitsichtige Vorlage abgelehnt hat.

Die geplante Erweiterung der Bauzone um rund 7,7 Hektaren ist in Ihren Augen nicht überdimensioniert?
Nein, natürlich nicht. In den 7,7 Hektaren waren übrigens zum Beispiel 1,4 Hektaren Sport- und Erholungszone auf der Seebodenalp enthalten. Eine Fläche, die zwar zu den Bauzonen zählt, jedoch nur mit zweckgebundenen Anlagen bebaut werden darf. Mit den geplanten Flächen lagen wir übrigens deutlich unter den kantonalen Richtwerten. Zudem waren umstrittene Einzonungen auf der Halbinsel Merlischachen, bei der Hohlen Gasse oder am Seebodenweg nicht mehr im Zonenplan enthalten.

Wollen die Küssnachter denn keinen günstigen Wohnraum?
Nein, das glaube ich nicht. Es wurde ja vereinbart, dass die Eigentümer in jedem neu eingezonten Gebiet einen gewissen Anteil an preisgünstigen Wohnungen zu erstellen haben. Diese Möglichkeit, zahlreiche kostengünstige Wohnungen zu schaffen, ohne dass sich der Bezirk finanziell beteiligen muss, gibt es nun nicht mehr. Wahrscheinlich konnte sich diese Chance für den preisgünstigen Wohnungsbau gegenüber dem Schlagwort «Zersiedelung» nicht durchsetzen.

Inwiefern ist das Projekt «Bethlehem» der Missionsgesellschaft in Immensee vom Abstimmungsentscheid tangiert?
Da die entsprechende Anpassung des Baureglements nun abgelehnt wurde, muss nun abgeklärt werden, welche Konsequenzen dies für die geplante Überbauung hat. Es wäre wirklich sehr schade, wenn dieses zukunftsweisende Projekt nicht realisiert werden könnte.

Welche geplanten Entwicklungen sind nun für Küssnacht konkret nicht mehr möglich – worauf muss die Bevölkerung verzichten?
Die grösste Chance haben wir beim verdichteten Bauen verpasst. In den Zentren, beim Bahnhof Küssnacht sowie in bestimmten Wohnquartieren wird keine Verdichtung stattfinden können. Viele Eigentümer, unter anderem der Detailhandel, hatten bereits konkrete Ausbaupläne. Auf der Seebodenalp wird es keinen Ausbau der Freizeiteinrichtungen geben. Auch im Baureglement waren verschiedene Anpassungen vorgesehen, die nun nicht umgesetzt werden können.

Bleibt Küssnacht ein Provinzstädtchen?
Es war sicher nicht das Ziel des neuen Zonenplans, aus Küssnacht eine Grossstadt zu machen. Mit den vorgesehenen Anpassungen hätte es aber für die Entwicklung des Küssnachter Zentrums mehr Flexibilität gegeben. Wir werden im Hinblick auf die Eröffnung der Südumfahrung sicher einen erneuten Anlauf nehmen, damit sich innovative Geschäfte trotzdem entwickeln können.

Auch der Kredit für den Erwerb eines Tiefgaragengeschosses wurde abgelehnt. Ihre Interpretation?
Zu teuer, am falschen Standort, kein Bedarf. Dies waren die meist genannten Gründe im Vorfeld der Abstimmung. Auch diesen Entscheid werden wir akzeptieren.

Ein Fehlentscheid der Bevölkerung oder eine indirekte Stärkung des ÖV?
Ich hoffe nur, dass wir diesen Entscheid in 10 Jahren nicht bereuen. Denn später wird sich ein solches Parkgeschoss an diesem Standort nicht mehr realisieren lassen. Ich glaube nicht, dass dieser Entscheid den ÖV stärkt. Wer in Küssnacht keinen Parkplatz findet, fährt weiter und kauft dort ein, wo Park-raum zur Verfügung steht. Zum Beispiel im Industriegebiet oder im Shopping Center. Das Parkgeschoss hätte die Attraktivität der Läden, Restaurants und Kultureinrichtungen im Dorf gestärkt.

Angenommen wurden hingegen Ausgaben in der Höhe von fast 2 Millionen Franken für Verpflichtungskredite für Ausbau und Sanierung der Haltikerstrasse Abschnitt Grossarni. Wieso fand diese Vorlage beim Volk Gehör?
Die Gemeinde Udligenswil baut ihre Strasse bis zur Kantonsgrenze aus. Niemand hätte verstanden, dass der Bezirk seine sanierungsbedürftige Strasse nicht im gleichen Zuge ausbaut und mit dem nötigen separaten Rad- und Gehweg ergänzt. Der Entscheid der Bevölkerung war aus meiner Sicht der einzig richtige. Und im unteren Teil ging es um die Sicherheit der Fussgänger am Dorfeingang, was offenbar auch ein grosses Anliegen der Bevölkerung ist.