Rigi Anzeiger
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Das Kantonsspital spielt eine führende Rolle

Luzern Am Herzzentrum im Luzerner Kantonsspital LUKS wird seit zwei Wochen eine neu entwickelte Gefässstütze implantiert. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Stents löst sich das Implantat «Magmaris» nach etwa einem Jahr im Körper spurlos auf.

Gefässstütze der neusten Generation: selbstauflösende Gefässstütze Magmaris

Gefässstütze der neusten Generation: selbstauflösende Gefässstütze Magmaris

Das LUKS ist schweizweit führend an der Entwicklung des neuen Implantats beteiligt. Jetzt gehört die Luzerner Herzklinik zu den ersten in der Schweiz, die Magmaris routinemässig einsetzen. PD Dr. med. Peiman Jamshidi, Co-Chefarzt Kardiologie am LUKS erklärt em RigiAnzeiger, um was es bei dieser neuen Behandlungsmethode geht.

PD Dr. med. Peiman Jamshidi, seit wann wird die selbstauflösende Gefässstütze Magmaris am LUKS implantiert?
Im Rahmen der Forschung implantieren wir bereits seit 2004 bioresorbierbare Gefässstützen. Nach der Zulassung von Magmaris im europäischen Markt mit Erhalt der CE-Kennzeichnung am 16. Juni 2016 haben wir mit der Anwendung der Gefässstütze in der Routinebehandlung begonnen.

Was ist der Vorteil dieses Implantats gegenüber herkömmlichen Stents?
Stents aus Metall bleiben für immer im Gefäss bestehen. Zwar werden sie nach einigen Monaten durch eine dünne, neu gebildete Schicht der Gefässwand, der Neointima, überzogen. Das Problem ist aber, dass es in den so überwachsenen Metall-Stents irgendwann auch wieder zu Gefässverkalkung, der Neo-Atherosklerose, und somit wieder zu Verengungen des Gefässes kommen kann. Eine solche Verengung im Metall-Stent wieder zu eröffnen kann aber schwierig sein. Auch die Planung einer allfälligen Bypassoperation könnte sich später schwieriger gestalten, wenn gerade das Gefässsegment durch einen Stent besetzt wird, welches der Herzchirurg für das Annähen eines Bypassgefässes benötigen würde. Die selbstauflösenden Gefässstützen (sogenannte bioresorbierbare Scaffolds) werden in einem Zeitraum von zwölf (Magmaris) bis 48 (Absorb) Monaten stufenweise abgebaut, womit dann das Gefäss von einem gesunden nicht mehr zu unterscheiden ist. Somit wäre (zum Beispiel nach zwölf Monaten wie bei Magmaris) bei einer allfälligen Wiederverengungen des Gefässes eine erneute Ballondilatation und falls eine Bypassoperation notwendig sein sollte, die chirurgische Versorgung des betroffenen Gefässsegementes einfacher durchzuführen.

PD Dr. med. Peiman Jamshidi, Co-Chefarzt Kardiologie LUKS im Herzkatheterlabor (rechts).

PD Dr. med. Peiman Jamshidi, Co-Chefarzt Kardiologie LUKS im Herzkatheterlabor (rechts).

Wieviele Patienten wurden am LUKS bis jetzt nach dieser Methode behandelt?
Bis jetzt haben wir in den letzten Jahren über 750 Patienten mit der selbstauflösenden Gefässstütze Absorb behandelt. Seit dem 16. Juni 2016 wurde bereits bei über zehn Patienten die bioresorbierbare Gefässstütze Magmaris in der Routinebehandlung erfolgreich angewendet.

Wie sind die Erfahrungen?
Aufgrund der frühen Teilnahme an Forschungsprojekten haben wir in der Schweiz am meisten Erfahrung mit den selbstauflösenden Gefässstützen. Unsere Erfolgs- und auch Komplikationsrate sind vergleichbar mit denen der etablierten Metall-Stents (zum Beispiel Komplikationen weniger als ein Prozent).

Wie muss man sich das vorstellen: «Das Implantat verschwindet (…) beinahe vollständig aus dem Körper»?
Magmaris besteht praktisch vollständig aus Magnesium, einem im Körper natürlich vorhandenem Spurenelement, welches wir über unserer Nahrung aufnehmen. Das Magnesiumgerüst von Magmaris löst sich dann über die genannten zwölf Monate durch körpereigene Prozesse langsam auf. Bei Absorb geht dieser Prozess 48 Monate. Erste Daten bestätigen die Wirksamkeit und Sicherheit dieser neuartigen Gefässstützen.

Gibt es Patientengruppen, bei denen diese Methode nicht angewendet werden kann?
Ja. Vor allem Gefässe mit schweren Verkalkungen, grossen Verzweigungen wie auch der Hauptstamm der linken Kranzarterien sind für diese Methode nicht prädestiniert.

Wie kommt es eigentlich, dass die Kardiologie am LUKS bei der Anwendung dieser Methode schweizweit ganz vorne im Umzug marschiert?
Da wir seit 2004 an der Forschung der selbstauflösenden Gefässstützen teilgenommen haben, konnten wir uns einen riesigen Erfahrungsschatz in der Technik der Implantation der bioresorbierbaren Gefässstützen erarbeiten. Die richtige Implantationstechnik ist absolut zentral für einen langjährigen Verlauf einer solchen Gefässstütze ohne relevante Komplikationen.

Und haben «normale» Herzpatienten auch etwas von diesem Pionierstatus der LUKS-Kardiologie?
Jeder Patient kann von der neuen Gefässstütze profitieren, sofern er an einer koronaren Herzkrankheit leidet, eine Behandlung medizinisch sinnvoll ist und keine der obengenannten Anwendungseinschränkungen bestehen.
Interview Hanns Fuchs

PD Dr. med. Peiman Jamshidi ist seit Oktober 2008 Leitender Arzt Kardiologie am Luzerner Kantonsspital. Er ist Co-Chefarzt Kardiologie und Leiter invasive Kardiologie HKL. Jamshidi ist 51 Jahre alt und wurde in Salmas, Iran geboren. Er studierte Humanmedizin an der Universität Uromieh, Iran. Am Universitätsspital in Teheran war er bis 2002 Kardiologe und Assistenzprofessor. 2002 bis 2003 war er Fellowship an der Kardioloie Klinik des Universitätsspital Bern, und 2003 bis 2008 als Oberarzt invasive Kardiologie am LUKS. Seit Oktober 2008 ist er Leitender Arzt Kardiologie.

PD Dr. med. Peiman Jamshidi ist seit Oktober 2008 Leitender Arzt Kardiologie am Luzerner Kantonsspital. Er ist Co-Chefarzt Kardiologie und Leiter invasive Kardiologie HKL. Jamshidi ist 51 Jahre alt und wurde in Salmas, Iran geboren. Er studierte Humanmedizin an der Universität Uromieh, Iran. Am Universitätsspital in Teheran war er bis 2002 Kardiologe und Assistenzprofessor. 2002 bis 2003 war er Fellowship an der Kardioloie Klinik des Universitätsspital Bern, und 2003 bis 2008 als Oberarzt invasive Kardiologie am LUKS. Seit Oktober 2008 ist er Leitender Arzt Kardiologie.