Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

«Das Projekt überzeugt nicht»

Reusstal: Am 24. Februar legte der Kanton Luzern das Hochwasserschutz- und Renaturierungs-Projekt Reuss auf. Trotz grossem Protest sei der Verbrauch der Landflächen noch immer zu hoch, reklamieren die Land- und Waldeigentümer.

pd. «Viele Gebiete müssen gar nicht renaturiert werden», sagt die IG Reuss, «da schon naturnaher Wald besteht und etliche Flächen entlang der Reuss bereits heute hohen ökologischen Wert haben und auch naturnah bewirtschaftet werden. Die IG Reuss für vernünftigen Hochwasserschutz ist mit dem Projekt nach wie vor nicht einverstanden.» Die Fläche von über 56 Hektaren, die den Baumaschinen zum Opfer fallen würden, sei zu gross. Trotz land- und forstwirtschaftlicher Begleitplanung seien viele Betriebe vom Projekt existenziell bedroht. Dazu die IG Reuss: «Dies kann und darf nicht sein. Trotz vieler Vernehmlassungs-Eingaben, welche die Problematik des Landverbrauchs aufzeigen, wurde nur wenig am Flächenverbrauch geändert. Das Grundeigentum wird wenig geachtet. Nicht zuletzt weil der grösste Teil der beanspruchten Flächen nichts mit dem Hochwasserschutz zu tun hat. Vielen Eingaben von Verbänden oder auch Vereinen wurde Rechnung getragen. Es scheint als würde die Freizeitnutzung heute stärker gewichtet als das Eigentum. Mit diesem Vorgehen ist die IG Reuss nicht einverstanden.» Das Projekt komme sehr stur daher. Obwohl das Reussflussbett enorm ausgeweitet würde, seien noch immer Dämme notwendig. Die IG hinterfragt die Aufweitung und mit ihr den enormen Flächenverbrauch.

Einige Landbesitzer haben im Bereich Root, Gisikon und Honau die Renaturierungs-Flächen abgesteckt und bebändert, um das ganze Ausmass des Projektes sichtbar zu machen.

Einige Landbesitzer haben im Bereich Root, Gisikon und Honau die Renaturierungs-Flächen abgesteckt und bebändert, um das ganze Ausmass des Projektes sichtbar zu machen.

«Mit Gesamtkosten von 167 Millionen Franken ist dieses Projekt in der gleichen Grössenordnung wie die Neugestaltung des Seetalplatzes einzustufen», erklärt die IG Reuss, und weiter: «das Hoffen auf eine 80-Prozent-Beteiligung an den Kosten aus der Bundeskasse gilt als eine Hauptvoraussetzung für die Machbarkeit des Projekts. Dieses Vorgehen wirft viele ungeklärte Fragen auf. Dies ist beinahe schon fahrlässig, nicht zuletzt weil auch das Geld des Bundes Steuergelder der Bevölkerung sind. Fragen wirft auch der Kostenteiler für die Gemeinden auf. In Zeiten stark angespannter Finanzen, kann es sich kaum eine der betroffenen Gemeinden leisten, massiv an die Renaturierungs- und Hochwasserbauten zu bezahlen. Aktuell würde dies beispielsweise die Gemeinde Emmen 12,5 Millionen Franken kosten. Und dies nur bei voller Bundesbeteiligung, welche nicht als gesichert gilt. Einzig die Abänderung des Wasserbaugesetzes, welche eine reine Finanzierung durch den Kanton vorsieht, könnte die Gemeindekassen entlasten. Die Unsicherheit im Bereich Finanzierung ist zum Zeitpunkt der Projektauflage aus der Sicht der IG zu gross.»

 

«Fischer schaffen Lebensraum»

Die Fischer in der Schweiz ergreifen Eigeninitiative. Mit der neuen Kampagne «Fischer schaffen Lebensraum» will der Schweizerische Fischerei-Verband SFV, dass in allen Kantonen Massnahmen zur Aufwertung des Lebensraums im und am Gewässer realisiert werden. Der SFV kämpft politisch seit Jahren für eine griffige Gewässerschutz-Gesetzgebung. Von den 15000 Kilometern Fliessgewässern in schlechtem ökologischen Zustand sollen in den nächsten 80 Jahren 4000 Kilometer ökologisch aufgewertet werden. Der SFV hat sich mit Erfolg dafür eingesetzt, dass die Kantone gesetzlich zur Planung und Durchführung von Revitalisierungen verpflichtet sind. Konkret werden rund 50 Kilometer Gewässeraufwertungen pro Jahr realisiert. Das ist einerseits schön, aber gleichzeitig bedenklich, wenn man an die insgesamt 15000 Kilometer Fliessgewässer denkt.
«Wir Fischer fordern nicht nur Renaturierungsprojekte, wir ergreifen Eigeninitiative»: Damit begründete Ständerat Roberto Zanetti als Zentralpräsident des Schweizerischen Fischerei-Verbandes die neue nationale Kampagne «Fischer schaffen Lebensraum». Im Sinne der Eigenverantwortung legen die Fischer selber Hand an und realisieren in ihrem Einzugsgebiet, in Absprache mit den zuständigen Behörden, selber kleine und kleinere Massnahmen, die aber für die Fische grosse Wirkung haben können.
Im Kern der Kampagne stehen ein neues Handbuch «Fischer schaffen Lebensraum» und die Schulung der Kantonalverbände und Vereine. Denn: «Wir wollen nicht, dass die Fischer wild und unkoordiniert über das Land ziehen und an den Ufern drauf los graben», so Projektleiter und Fischereibiologe Samuel Gründler.