Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Das Tierwohl geht in Thailand oft vergessen

In der Vorweihnachtszeit erhalte ich in der Schweiz jeweils eine Vielzahl an Bettelbriefen, Prospekten für Kinderpatenschaften und Einladungen zu Weihnachtsmärkten, deren Erlös für gemeinnützige Zwecke eingesetzt wird.

In den letzten Jahren hat neben Spenden für die unterschiedlichsten Verwendungszwecke im Namen des Beschenkten anstelle des Überreichens eines Geschenkpakets in vielen Industrieländern zudem das Verschenken von Tierpatenschaften an Beliebtheit gewonnen. Letzteres wäre in Thailand wohl undenkbar – obwohl sich die meisten Thais ihren schlechter gestellten Mitmenschen gegenüber äusserst grosszügig zeigen und den zahlreichen Bettlern in Bangkok oftmals Geld zustecken oder Essen kaufen. Auch Schulen für weniger privilegierte oder behinderte Kinder sowie Museen für die breite Öffentlichkeit dürfen sich regelmässig über finanzielle Zuwendungen freuen.
Dem Wohl von Tieren wird in der hiesigen Gesellschaft aber offenbar nicht allzu grosse Bedeutung zugemessen. Abgesehen von der weit verbreiteten Massentierhaltung, die eigentlich mindestens einen ausführlichen Artikel für sich alleine verdient hätte, auf die ich an dieser Stelle aus Platzgründen aber nicht eingehen kann, wurde mir dies das erste Mal auf einem von der Uni organisierten Ausflug vor Augen geführt. Zum Semesterbeginn waren alle Masterstudenten meines Studienganges auf eine Exkursion auf eine Elefantenfarm in der Nähe von Bangkok eingeladen worden, wo sich die Besucher in einem Gestell auf dem Rücken der Dickhäuter herumtragen lassen, die Tiere füttern und sich mit ihnen fotografieren lassen. Die erwiesenermassen intelligenten Elefanten mussten stundenlang im Kreis mit geringem Umfang gehen und mithilfe von Knüppeln hielten Wärter die Rüsseltiere im Zaum. Dreimal täglich fand ausserdem eine Vorführung statt, bei der die Lebewesen sich im Takt der Musik bewegen mussten und ein wörtlich in ihrem Nacken sitzender Aufseher mit Stockschlägen dafür sorgte, dass der Rhythmus eingehalten wurde. Viele meiner Mitschüler konnten nicht verstehen, dass ich nicht auf den Elefanten reiten wollte und mich auch von der Show nicht sonderlich begeistert zeigte. Da ich meine Klasse zu diesem Zeitpunkt erst zum zweiten Mal sah, wollte ich nicht schon zu diesem Zeitpunkt eine für die Region wichtige Einnahmequelle kritisieren. Sie liessen sich durch den Mangel an Euphorie meinerseits denn auch nicht beirren und reihten sich gemeinsam mit mindestens drei Primarschulklassen in die Warteschlange für das Reitvergnügen ein. In der Zwischenzeit schaute ich mir die Bestallungen der Dickhäuter an und beobachtete, wie kleine Kinder wohl gerade ihr ganzes Taschengeld dafür ausgaben, Bananen für die Elefanten zu kaufen oder sich mit den grössten noch lebenden Landtieren ablichten zu lassen. Eine kurze Internetrecherche nach dem Ausflug ergab, dass viele Tierfarmen ähnliche Zustände aufweisen wie die von mir besuchte.
Im Gegensatz zu dem Elefantenhof konnte ich den grossen Zoo in Bangkok mit ruhigem Gewissen besuchen. Eine Einrichtung, die mir ebenfalls positiv in Erinnerung bleiben wird, ist die vom thailändischen Roten Kreuz betriebene Schlangenfarm mitten im Herzen der Hauptstadt. Dort werden Seren gewonnen, die im Falle eines Schlangenbisses als Gegengift dienen. Den dazu benötigten Reptilien steht relativ viel Platz zur Verfügung, es bieten sich Rückzugsmöglichkeiten und die Schuppenkriechtiere werden medizinisch versorgt. Die auf der Farm gewonnenen Gegenmittel werden an Krankenhäuser im ganzen Königreich geliefert.

Obwohl Elefanten im Buddhismus und in der Thai-Mythologie eine bedeutende Rolle spielen, werden die Dickhäuter auf einigen Farmen nicht artgerecht gehalten.

Obwohl Elefanten im Buddhismus und in der Thai-Mythologie eine bedeutende Rolle spielen, werden die Dickhäuter auf einigen Farmen nicht artgerecht gehalten.

In einer Einrichtung des thailändischen Roten Kreuzes werden Gegenmittel gegen Schlangenbisse hergestellt.

In einer Einrichtung des thailändischen Roten Kreuzes werden Gegenmittel gegen Schlangenbisse hergestellt.

Stephanie Sigrist aus Risch absolviert ein Austauschsemester in Bangkok und berichtet darüber regelmässig im Rigi Anzeiger.

E-Mail aus Bangkok 1: Nächster Halt Tempel und Abgase 

E-Mail aus Bangkok 2: Warnungen stellen sich als nichtig heraus 

E-Mail aus Bangkok 3: Autorität der Lehrer ist unangetastet 

E-Mail aus Bangkok 4: Nur kleine Wolken über Bangkok 

E-Mail aus Bangkok 5: Bequeme Thais und hinterlistige Tuktukfahrer

E-Mail aus Bangkok 6: Wehe dem, der den König nicht ehrt

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E-Mail aus Bangkok 10: Ungeschriebene Gesetze regeln das Zusammenleben

E-Mail aus Bangkok 11: Das Tierwohl geht in Thailand oft vergessen

E-Mail aus Bangkok 12: Auch in Thailand gibt es heuer Grund zum Feiern