Rigi Anzeiger
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«Das Wissen wird nicht vernachlässigt»

Region: Der Lehrplan 21 steht kurz vor seiner Umsetzung. Dienststellenleiter Charles Vincent erklärt, was sich für die Lernenden in den kommenden Schuljahren verändern wird.

Charles Vincent, Leiter Dienststelle Volksschulbildung des Kantons Luzern. Bild Chiara Piazza

Charles Vincent, Leiter Dienststelle Volksschulbildung des Kantons Luzern. Bild Chiara Piazza

Charles Vincent, was bedeutet eigentlich der Begriff «Lehrplan 21»?
Viele Leute vermuten dahinter einen Lehrplan für das angelaufene 21. Jahrhundert. Das ist auch nicht ganz falsch. Der Name bezieht sich aber in erster Linie auf die 21 Deutschschweizer Kantone, die im Zuge der neuen Bestimmungen in der Bundesverfassung erstmals einen gemeinsamen Lehrplan herausgeben.

Welche Bedeutung hat der neue Lehrplan für den Kanton Luzern?
Der Lehrplan 21 führt eine dringend benötigte Aktualisierung und Harmonisierung der teils Jahrzehnte alten kantonalen Lehrpläne herbei. Wenn der Kanton Luzern im Schulbereich national mithalten will, ist die Einführung eines zukunftsgerichteten Lehrplans unumgänglich.

Was meinen Sie mit zukunftsgerichtet?
Der Lehrplan 21 greift neue Themen wie Medien und Informatik auf und trägt damit einem Bedürfnis unserer Gesellschaft Rechnung. Zusätzlich bekommen die naturwissenschaftlichen und technischen Fächer – auch MINT-Fächer genannt – sowie die Muttersprache mehr Gewicht. Eine weitere wichtige Veränderung: Der Lehrplan 21 schreibt nicht mehr vor, was der Lehrer behandeln, sondern was das Kind beherrschen muss. Die Orientierung an Kompetenzen schafft für die abnehmenden Institutionen eine höhere Verbindlichkeit, vor allem auch für die Lehrbetriebe.
Kritiker des Lehrplans 21 behaupten, dass die Schulkinder vor lauter «Orientierung an den Kompetenzen» letztlich nichts mehr wissen werden. Können Sie diese Angst nachvollziehen?
Da kann ich Entwarnung geben. Das Wissen wird im neuen Lehrplan nicht vernachlässigt. Die Kompetenzorientierung geht einfach einen Schritt weiter. Bisher wussten die Kinder zwar viel, sie konnten es aber nicht immer anwenden. Das darf nicht sein, zumal auch die Lehrpläne der Berufsbildung und der weiterführenden Schulen kompetenzorientiert sind. Ein Maurer muss das Gelernte aus der Berufsfachschule am nächsten Tag auf der Baustelle anwenden können. Übrigens: Die Kompetenzorientierung ist bei uns ja nichts Neues. Wir arbeiten im Kanton Luzern schon lange mit Sozial-, Selbst- und Methodenkompetenzen.
Haben die Kinder mit dem neuen Lehrplan mehr Schule?
In der Primarschule nimmt die Zahl der Wochenstunden leicht zu. Das führt dazu, dass unsere Primarschüler im interkantonalen Vergleich durchschnittlich auf etwa gleich viele Lektionen kommen. Die bisherige Benachteiligung wird also korrigiert. Auf der Sekundarstufe bleibt die Zahl der Wochenstunden hingegen in etwa gleich.

Wie geht es nun weiter?
Ab Mitte März werden wir den Lehrplan schrittweise den Verantwortlichen vorstellen – zuerst den Schulleitungen, dann den Lehrpersonen. Ab dem nächsten Schuljahr können die Lehrpersonen an der Pädagogischen Hochschule Luzern Kurse belegen, sei es zu neuen Fächern oder zu solchen, die ausgebaut werden. Die Lehrpersonen sind die zentralen Akteure bei der Umsetzung des Lehrplans 21. Alex Piazza