Rigi Anzeiger
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Demokratie an der Schule?

Immensee: Das Schulparlament ist am Gymi Immensee ein wichtiges Element der Betriebskultur. Ein interessanter Einblick in eine Sitzung.

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red. Mirza Dedic eröffnet die Sitzung des Schulparlaments, das alle zwei Wochen während rund anderthalb Stunden tagt. In der Runde sitzen zwölf Schülerinnen und Schüler aller Gymnasialstufen, diesmal ist auch der Prorektor Christoph König dabei. Die Traktandenliste ist reich befrachtet. Zuerst geht’s um das Selbstorganisierte Lernen (SOL). Der Unterricht am Gymi Immensee ist aufgeteilt in den normalen Lektionenbetrieb und Zeit für die selbstständige Erledigung von Zusatzaufträgen. Doch da gibt’s in den dritten Klassen ein Problem. Christoph König rechnet vor, dass die Lektionen-Präsenzzeit in den dritten Klassen pro Schüler und Woche 24,5 Stunden beträgt. Dazu kamen bisher 10 Stunden Aufgaben und 12 Stunden Lernzeit für Grossprüfungen – macht also 46,5 Stunden. Eine vertretbare Arbeitszeit, finden beide Seiten, wenn man den Vergleich zieht mit der Arbeitsbelastung einer Berufslehre und die Ferien mit einrechnet. Aber was ist mit der zusätzlichen Zeit, die die Schülerinnen und Schüler für das Selbstorganisierte Lernen aufwenden? Die Frage ist berechtigt. Christoph König macht einen Vorschlag, in dem die Richtwerte für SOL und Hausaufgaben gesenkt werden. Die Schülerparlamentarier sind einverstanden, dass ein Pilotversuch mit dieser Neuregelung gestartet wird. Zur Kontrolle erfassen die SOL-Verantwortlichen der Klassen die wöchentliche Arbeitszeit. Die Klassenlehrer sorgen dann dafür, dass die Anzahl SOL-Aufträge stimmt und die Richtwerte eingehalten werden. «Es geht hier nicht darum, im engeren Sinn mitentscheiden zu können», sagt Mirza Dedic, der Präsident des Schulparlaments. «Wir machen aber die Erfahrung, dass unsere Anliegen vom Rektorat und der Lehrerschaft ernst genommen werden – wir fühlen uns so wie Mitarbeiter in einem gut geführten Betrieb.»

Die Schlüsselfrage
Zu einem gut geführten Betrieb gehört auch, dass die Verantwortlichkeiten geklärt und wahrgenommen werden. Ein klassisches Lehrstück bietet die Geschichte mit dem Kraftraum. Dieser sollte, wenn niemand drin ist, geschlossen sein – das sehen alle ein. Nur: Wer öffnet, wer schliesst den Kraftraum, der tagsüber allen Schülern offenstehen soll? Die Antwort ist einfach – im Prinzip. Wer geht, holt den Schlüssel beim Sekretariat und bringt ihn nachher wieder zurück. Nur funktioniert das nicht immer mit dem Zurückbringen. Ausweichverhalten 1: Man bittet den nächststehenden Lehrer, zu öffnen. Christoph König teilt mit, dass die Lehrerschaft das zukünftig nicht mehr machen wird. Ausweichverhalten 2: Man bringt zwei Schlüssel in Umlauf. Die Schülerparlamentarier müssen ab dieser Idee selber lachen, weil sie genau wissen, dass dann einfach zwei Schlüssel den Weg zurück zum Sekretariat nicht mehr finden. Es bleibt also nur noch ein Weg: Die Schüler müssen das Problem untereinander lösen. Wenn der Schlüssel verschollen ist, bleibt der Kraftraum zu. «Eine wichtige Funktion des Schulparlamentes liegt darin, in offenen Diskussionen gegenseitiges Verständnis zu schaffen», sagt Christoph König. «So haben die Schülerinnen und Schüler in diesem Fall eingesehen, dass sie kollektive Selbstverantwortung einüben müssen. Das ist für die Schulkultur viel besser als eine hart kommunizierte Regel und eine überbordende Bürokratie.» Es gibt aber auch klare Dinge, die sofort einleuchten und umgesetzt werden. So beschliessen Schulparlament und Prorektor, dass das Internet schon ab 7 Uhr freigeschaltet wird, um früher eintreffenden Schülerinnen und Schülern das Arbeiten zu ermöglichen.

Mehr als ein Lerntempel
Offensichtlich begreifen auch die Schülerinnen und Schüler das Gymi Immensee nicht einfach als Lernort, sondern als Gemeinschaft. So hat sich aus dem Schulparlament heraus eine Schülerorganisation gebildet, die etwas Spass und Lockerheit in den Schulalltag bringen will – zum Beispiel mit so genannten «Motto-Tagen», an denen wer will gemäss einem Thema verkleidet zur Schule kommt. «Wir finden es schön, wenn die Schülerinnen und Schüler das Gymi Immensee auch als Ort des Zusammenlebens wahrnehmen», sagt Christoph König. Teambildung ist auch das letzte Traktandum der Parlamentssitzung. Ein gemeinsames Pizzaessen an einem Abend? Ja, klar! Besonders schön: Die Schulleitung beschliesst an der nächsten Sitzung, den Parlamentarierinnen und Parlamentariern diese Pizza zu bezahlen. «Weil das Schulparlament ehrenamtlich einen Superjob zum Wohl der ganzen Schule macht», sagt Christoph König.