Rigi Anzeiger
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Denkmalpflege muss zustimmen

Perlen/Buchrain: Zum Verkauf des Kirchenzentrums St. Joseph in Perlen an die Serbisch-orthodoxe Gemeinde sind einige Fragen offen. Die Antworten dazu gibt Kirchengemeindepräsident Peter Kaufmann.

Das Kirchenzentrum St. Joseph in Perlen, das zurzeit für viel Gesprächsstoff sorgt. Bild vw.

Das Kirchenzentrum St. Joseph in Perlen, das zurzeit für viel Gesprächsstoff sorgt. Bild vw.

An der Kirchgemeindeversammlung im Herbst 2013 wurde bekannt gegeben, dass für die Perler Kirche eine neue Nutzung gesucht und Gespräche aufgenommen werden. Wie ist es möglich, dass in einem Bericht der Neuen Luzerner Zeitung vom 19. September 2009 – also vier Jahre vorher – zu lesen ist, dass die serbisch-orthodoxe Gemeinde bereits mit der katholischen Kirchgemeinde bezüglich einer Übernahme der Kirche St. Joseph in Verhandlung steht?
Das ist in der Tat so, wie dies im angesprochenen Artikel erwähnt wurde. Im Jahre 2009 haben wir bereits einmal eine Anfrage von der Serbisch-Orthodoxen Kirche erhalten. Die Orthodoxe Kirche war auf der Suche nach einem grösseren Raum und da war es natürlich naheliegend, dass sie uns anfragten, nachdem sie ja damals schon ab und zu die Kirche in Perlen nutzen durften. Der Kirchenrat hat aber damals die Abgabe der Kirche in Perlen an die Serbisch-Orthodoxe Kirche noch nicht ins Auge gefasst, weil die Perler Bevölkerung bis im Februar 2012 noch durch einen katholischen Seelsorger vor Ort betreut wurde.

In der Abstimmungsbotschaft wird als einer der Verkaufsgründe die bevölkerungsmässige Entwicklung des Dorfes und der Kirchgemeinde Buchrain-Perlen erwähnt, die sich nach Buchrain verlagert hat. Zurzeit entstehen jedoch in Perlen neue Wohnüberbauungen, die ein Bevölkerungswachstum zur Folge haben. Wurde das bei den Überlegungen zum Verkauf der Kirche berücksichtigt?
Wir gehen davon aus, dass die im Dorf Perlen entstehenden Wohnüberbauungen nicht zu einer Verschiebung des bevölkerungsmässigen Zentrums von Buchrain nach Perlen führen wird. Im Dorfteil Buchrain wird auch weiter gebaut. Die neuen Wohnungen im Gebiet Fahr sind ohnehin nach Buchrain orientiert. Zudem muss sich die Kirchgemeinde aus personellen und finanziellen Gründen in Zukunft auf ein Kirchenzentrum konzentrieren. Das erarbeitete Immobilien-Nutzungskonzept hat klar gezeigt, dass wir mit dem Zentrum St. Agatha in Buchrain sowohl für kirchliche wie auch für kulturelle Belange eine sehr gut ausgebaute Infrastruktur anbieten können. Diese stellen wir ja bereits heute vielen Vereinen und Organisationen sehr kostengünstig zur Verfügung. Diese Möglichkeiten haben wir in Perlen nicht.

Gemäss einem uns vorliegenden Schreiben von Bischofsvikar Ruedi Heim fällt der Verkauf der Kirche ausschliesslich in die Zuständigkeit der Kirchgemeinde (Kirchenrat). Warum wird in der Botschaft der Bischof immer in befürwortender Stellungnahme zitiert?
Das Kirchenzentrum Perlen gehört der Pfarrpfrundstiftung St. Joseph Perlen (und nicht der katholischen Kirchgemeinde) und ist eine kirchliche Stiftung, über die der Bischof die Aufsicht hat. Die operative Leitung jeder Stiftung wird einem Stiftungsrat übertragen, im Fall der Pfarrpfrundstiftung St. Joseph amtet laut Stiftungsstatut der Kirchenrat der katholischen Kirchgemeinde Buchrain im Auftrag von Bischof Felix Gmür als Stiftungsrat. Wenn der Kirchenrat eine Veränderung der Liegenschaft vorsieht, ob eine Sanierung, eine Vermietung oder ein Verkauf, braucht es die Zustimmung des Bischofs bzw. des Residentialkapitels des Bistums. Nach einem Verkauf ist sichergestellt, dass für die katholische Bevölkerung von Perlen die Kirche täglich für das stille Gebet bei der Statue der heiligen Maria offen steht und dass die Angebote des Quartiervereins HAPP-IG, Mittagstisch und Perlentreff, weitergeführt werden können. Die Jugendarbeit im Juniorclub wird die Räume weiterhin nutzen können. Und an mehreren Festtagen im Jahr wird die katholische Pfarrei Gottesdienste in der Kirche Perlen feiern können.

Im Jahresprogramm 2015/16 von FrauenImpuls ist die Müttermesse aufgeführt, die jeweils einmal im Monat an einem Mittwoch um 9 Uhr in der Kirche St. Joseph stattfindet. Bleibt diese erhalten?
Die Müttermesse ist seit mehr als fünf Jahren nicht mehr ein Angebot des FrauenImPuls, sondern der Pfarrei St. Agatha Buchrain-Perlen. Unabhängig davon, ob ein Verkauf zu Stande kommt oder nicht, haben die Seelsorge-Verantwortlichen der Pfarreien Buchrain-Perlen, Ebikon und Root entschieden, das Gottesdienst-Angebot in allen Pfarreien aufgrund der fehlenden personellen Ressourcen und aufgrund des Rückgangs an GottesdienstbesucherInnen Schritt für Schritt weiter zu reduzieren. In diesem Zusammenhang wird der «Gottesdienst, von Frauen mitgestaltet» ab 1. Februar 2016 nicht mehr abgehalten werden.

Änderungen in der Kirche unterliegen dem kantonalen Denkmalschutz. Hat der kantonale Denkmalschutz auch die auffälligste Veränderung im Altarraum bereits bewilligt?
Es ist richtig, die Bilder von Pietro Chiesa sind denkmalpflegerisch geschützt. Bis heute gibt es erste Überlegungen, was verändert werden könnte. Es ist so, dass jede Veränderung im Kircheninnenraum mit der Denkmalpflege abgesprochen wird und von ihr auch genehmigt werden muss. Im Kaufvertrag wird auf diesen Umstand (Grundbucheintrag) separat nochmals hingewiesen.

Weshalb werden in der Botschaft die Veränderungen, die die Serbisch-Orthodoxe Gemeinde vorzunehmen gedenkt, nicht detailliert aufgeführt?
Was beim Verkauf wohl jedes Gebäudes gilt, gilt im Grundsatz auch beim Verkauf der Kirche Perlen: Der Käufer hat das Recht, dieses seinen Bedürfnissen entsprechend anzupassen. Gleichzeitig hat er die Pflicht, gewünschte Veränderungen von den zuständigen Gremien (z.B. Denkmalpflege) bewilligen zu lassen. Beides ist der Käuferin bewusst und sie wird sich daran halten. Am Grundsatzentscheid: «Verkauf Ja oder Nein» ändert dies allerdings nichts, zumal der Kirchenrat wie der Bischof es sinnvoll finden, dass die Serbisch-Orthodoxe Gemeinde den Kircheninnenraum ihrer Liturgie entsprechend verändern werden. Zudem ist es so, dass die geplanten Veränderungen erst als Skizzen existieren. Die Detailplanung wird die Serbisch-Orthodoxe Gemeinde erst vornehmen, wenn der Entscheid zum Verkauf gefällt ist.

Wie werden die denkmalgeschützten Wandbilder von Pietro Chiesa vor Kerzen- und Weihrauch geschützt?
Die Verantwortlichen der Serbisch-Orthodoxen Kirche sind sich dieses Umstandes sehr bewusst. Es wird aus diesem Grunde der heutige Aufbahrungsraum (beim Durchgang zum Friedhof) für künftige Kerzenrituale genutzt werden. Weihrauch beinhaltet keine Stoffe, die zu einer Schwärzung der Wände führen könnte. Schwärzungen rühren in der Regel vom Abbrennen von Kerzen.

Was geschieht mit dem Inventar wie Orgel, Beichtstühle, Kanzel usw.?
Das angesprochene feste Inventar gehört zur Kirche als Gebäude und ist Bestandteil des Verkaufes. Ob und wie dieses eine Weiterverwendung findet, oder ob es zum Teil zurückgebaut wird, entscheidet der neue Eigentümer zusammen mit der Denkmalpflege. Das mobile Inventar (Altar, Wegkreuz, Kelche, Ornamente) bleibt im Besitze der Pfarrei Buchrain-Perlen. Deren Weiterverwendung wird in Absprache mit der Bistumsleitung geregelt werden.

Ist es richtig, dass bereits Verkaufsanstrengungen für die Orgel unternommen wurden?
Das ist falsch. Die Orgel gehört – wie oben geschrieben – zum festen Inventar der Kirche und wird vom neuen Eigentümer übernommen.

Wie ist die Parkplatzsituation gelöst bei über 100 Fahrzeugen pro sonntägliche Kirchenfeier oder bei Anlässen der Serbisch-Orthodoxen Schweiz und Österreich, wo mit mehreren hundert Fahrzeugen gerechnet wird?
Bei 95 Prozent der Gottesdienste werden weniger als 100 Fahrzeuge erwartet. Für diese Anzahl Autos sind genügend Parkmöglichkeiten vorhanden. Die mündliche Zusage der Papierfabrik Perlen liegt vor, die schriftliche Vereinbarung ist in Arbeit.
Für alle anderen Anlässe muss bei der Gemeinde Buchrain spätestens einen Monat im Voraus eine Bewilligung eingeholt werden. Dies gilt ja für alle Grossveranstaltungen auf dem Gemeindegebiet von Buchrain. Damit die Bewilligung erteilt wird, muss auch jedes Mal neu aufgezeigt werden, wie man das Parkplatzproblem lösen will.

Warum wird der Serbisch-Orthodoxen Gemeinde ein Vorverkaufsrecht für die Parzelle 1687 eingeräumt?
Das Vorverkaufsrecht für diese Parzelle wird auch der Gemeinde eingeräumt. Da man auch ein gegenseitiges Näherbaurecht vereinbart, will man mit diesem Vorkaufsrecht verhindern, dass die Kirchgemeinde dieses Grundstück ohne Rücksprache mit den Besitzern der Nachbarparzellen einem Dritten verkaufen kann. Ebenso hat die Kirchgemeinde ein Vorkaufsrecht auf die Parzelle mit dem Kirchenzentrum St. Joseph.
Warum steht in der Abstimmungsbotschaft, dass die als Käuferin auftretende Wohnbaugenossenschaft Fildern ein Kulturzentrum betreiben möchte?
An der Kirchgemeindeversammlung vom 26. November 2015 gab die Wohnbaugenossenschaft Fildern zum Ausdruck, dass sie ein Zentrum der Ruhe für kulturelle und kirchliche Zwecke schaffen wolle.

Liegt Ihnen ein schriftliches Konzept vor?
Dem Kirchenrat nicht. Wir wurden zwei Tage vor der Kirchgemeindeversammlung darüber mündlich informiert, dass die Wohnbaugenossenschaft Fildern das Zentrum Perlen gerne kaufen würde, um es künftig kulturell zu nutzen. Eine mögliche kirchliche Nutzung wurde in Aussicht gestellt. Mit dem Verkauf an die Serbisch-Orthodoxe Kirchgemeinde ist sichergestellt, dass das Zentrum – wie bisher – überwiegend kirchlich genutzt wird, was für alle Beteiligten eine sehr gute Lösung darstellt.

Was geschieht, wenn dem Verkauf der Kirche nicht zugestimmt wird?
Der Kirchenrat trifft sich am 26. Januar 2016 zu einer ordentlichen Sitzung. An dieser Sitzung wird das weitere Vorgehen besprochen. Es ist geplant, dass ab dem 1. Februar 2016 in Perlen nur noch die Angebote, wie diese bei einem Verkauf vorgesehen sind, stattfinden werden. Wir gehen davon aus, dass dem Verkauf an der Urne am 24. Januar 2016 zugestimmt wird. Danach werden die Mitglieder der Serbisch-Orthodoxen Kirche dem Kauf ebenfalls noch zustimmen müssen. Anschliessend wird die Käuferschaft alle notwendigen Unterlagen für eine Betriebsbewilligung bei der Gemeinde Buchrain einreichen. Erst wenn der Gemeinderat eine entsprechende Bewilligung erteilt, kommt der Verkauf zu Stande.

Wird nach dem Verkauf weiterhin Kirchensteuer aus dem Kirchenkreis Perlen eingezogen?
Es gibt keinen Kirchenkreis Perlen, es gibt eine Kirchgemeinde Buchrain-Perlen und da gehört der Ortsteil (Quartier) Perlen natürlich weiterhin dazu, d.h. alle katholischen Mitglieder werden weiterhin Kirchensteuern zahlen. Ebenfalls werden von den juristischen Personen, die sich auf dem Gemeindegebiet der Kirchgemeinde Buchrain-Perlen (also auch in Perlen) befinden, Kirchensteuern erhoben. Interview Claudia Surek