Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Der Biber ist zurückgekehrt

Er nagt zwischen der A14 in Root und der Reuss

Frohe Kunde für Tierfreunde: Der Biber ist offensichtlich dabei, in der Region sesshaft zu werden. Naturfreund Niklaus Roos aus Root, dokumentiert und analysiert immer wieder neue Spuren des einst ausgerotteten Nagetiers.

Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich: Genau dort, wo die Autobahn der Reuss am nächsten kommt, nämlich gegenüber von Honau, haben sich offensichtlich Biber niedergelassen. Der Biber als heimlicher Auto-Fetischist? Sucht er Schutz im permanenten Lärmpegel des Strassenverkehrs? Und überhaupt: Was sucht der Biber an einem 50Meter breiten Fluss, der auch mit einer biberischen Grossmacht kaum zu stauen ist? Wo es doch weiter flussabwärts abgelegene, stille und biberfreundliche Seitenarme gibt? Fragen über Fragen, über deren Antworten auch Biberfreund Niklaus Roos nur rätseln kann. Roos ist Naturfreund. Und Hundehalter. Und mit seinen 73 Lenzen noch sehr rüstig. Letzteres könnte damit im Zusammenhang stehen, dass er täglich der Reuss entlang joggt. Zusammen mit seinen drei Windhunden. Dabei nimmt er seine Umgebung genau wahr.

So sind ihm Bissspuren an abgeknickten Ästen und Weiden ins Auge gestochen. «Im Januar 2013 sind mir die Spuren der Biber erstmals aufgefallen», berichtet Roos. Und er freut sich über seine Entdeckung. «Warum? Weil ich mich über alles freue, was mit der Natur zu tun hat», sagt er. Dass die einst auch in der Schweiz ausgerotteten Nagetiere wieder ihren Platz zurückerobern, erfüllt ihn mit Freude und Genugtuung. Deshalb hält der joggende Rentner auch weiterhin im Windschatten seiner Windhunde unentwegt Ausschau nach neuen Anzeichen. «Bis im April oder Mai habe ich immer wieder neue Spuren entdeckt. Abgenagte Äste oder die typische Biberschlipfe, über die die Biber ins Wasser gelangen und wieder zurückklettern», berichtet er.

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Der Biber ist zurück!

Sommerferien im Maisfeld

Dann – in den Sommermonaten war es plötzlich vorbei mit neuen Anzeichen von biberischen Aktivitäten. Niklaus Roos machte sich Sorgen um seine neuen unsichtbaren Freunde. Und erfuhr auf Anfrage vom Leiter des kantonalen Fachbereiches Jagd und Fischerei, Philipp Amrein erleichtert, dass sich die Biber während der Sommermonate gerne in Maisfeldern aufhalten. Offenbar gehen die Biber länger in die Sommerferien als unsereins. Jedenfalls sind dem joggenden Tierfreund erst wieder Ende Oktober neue Bissspuren an altbekannter Stelle aufgefallen. Seither joggt der Rentner wieder mit neuem Elan dem linken Flussufer entlang und freut sich über immer neue Entdeckungen mit der Zahnschrift der zweitgrössten Nagetiere der Welt. Warum sich die Biber ausgerechnet am schmalsten Uferstreifen zwischen Autobahn und Fluss aufhalten, kann er sich nicht erklären.

Allerdings sind sie nicht nur hier präsent. Wie Peter Lakerveld, Leiter des Pro Natura-Projektes «Hallo Biber!» gegenüber dem Rigi Anzeiger erläutert, leben mindestens zwei Biber-Kolonien an der Reuss. Eine bei Gisikon und eine weiter flussaufwärts bei Rathausen. «Insgesamt tummeln sich aktuell im Kanton Luzern wohl rund ein Dutzend Biber. Unter anderem entlang der Rot, der Pfaffnern, der Wigger und der Suhre», erläutert der Biber-Spezialist. Die ersten Tiere seien bereits 2006 von Norden aus dem Kanton Aargau kommend in Luzern eingetroffen. Doch diese Population sei rasch wieder verschwunden.

Biber an der Reuss
Niklaus Roos aus Root freut sich ueber die eindeutigen Spuren, die die Biber an der Reuss bei Root hinterlassen.

Biber an der Reuss
Die Reuss unterhalb von Root: Wollen die Biber sie etwa zu stauen versuchen?

Biber als Naturschützer

Der Biber ist – nebst der Wasserspitzmaus und dem ausgerotteten Fischotter – das einzige einheimische Säugetier, welches sich praktisch ausschliesslich im Wasser oder in dessen Nähe aufhält. «Die Tiere bewegen sich entlang der ‹Wasserstrassen› in unserem Land und sind dabei auf langsam fliessende Gewässer mit grabbaren Ufern angewiesen», erläutert Lakerveld weiter. Die Nager seien eine «Schlüsselart» für die Artenvielfalt entlang unserer Gewässer. «Wo der Biber auftaucht und die Landschaft verändert, explodiert die Biodiversität richtiggehend: Fast alle Tier- und Pflanzenarten reagieren äusserst positiv auf die Lebensräume, welche der Biber schafft. Unter den Profiteuren befinden sich auch sehr viele seltene und geschützte Arten», lobt Lakerveld. Geschützt ist auch der Biber selbst. Ungeachtet der Schäden die er anrichtet. Das hat in anderen Landesteilen bereits zu heftigen Konflikten zwischen betroffenen Land- und Hausbesitzern und Naturschutzbehörden geführt. Vorerst aber wird die Rückkehr der Biber an der Reuss freudig gefeiert. Fragt sich nur wie lange. Denn: «Der Kanton Luzern steht betreffend Wiederbesiedlung durch den Biber erst am Anfang. Die Innerschweiz erträgt noch sehr viele weitere Biber!», meint Peter Lakerveld.

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