Rigi Anzeiger
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Der «Erlkönig» hat die Wurzeln auf der Rigi

Küssnacht: Im Lichte der «200 Jahre Gastfreundschaft Zentralschweiz», siehe www.gästival.ch, macht das Organisationskomitee des «anno 1815» Anlasses vom 5. September in Küssnacht, bis anfangs September «historisch-touristisch Wissenswertes» öffentlich kund.

Vor 200 Jahren waren zahlreiche Bänkelsänger und Troubadouren unterwegs, um auf Plätzen und in Gassen ihre Dichtungen und Gesänge vorzutragen und zu verbreiten. Dies auch entlang des Vierwaldstättersees, auf der Rigi und in Küssnacht. Aber nicht nur sie: auch namhafte Dichter und bekannte Komponisten besuchten unsere Region.

Johann Wolfgang von Goethe

Johann Wolfgang von Goethe

Goethe, Schiller und Lavater
Dass der grosse Dichter Johann Wolfgang von Goethe im Herbst 1797 in Küssnachts Gasthaus Engel gastierte, ist weitherum bekannt. Er verbrachte aber auch einige Tage auf der Rigi, wo ihn nächtliche Wanderungen durch düstere Wälder zu seiner berühmten Ballade «Erlkönig» inspirierten. Jene Dichtung vollendete er 1815. Friedrich Schiller war selbst nie in unserer Umgebung, liess sich aber durch Goethes Beschreibungen in zahllosen Briefen und durch Überlieferungen 1804 zu seinem Meisterwerk «Wilhelm Tell» animieren. Manch andere namhafte Dichter – unter anderem jene der angesehenen Lavater-Dynastie aus Zürich – schrieben um 1815 während ihren Aufenthalten in der Innerschweiz viele Gedichte über die Gegend rund um die Königin der Berge, welche später vertont wurden.

Mendelssohn, Schubert und Rossini
Felix Mendelssohn Bartholdy wusste schon als kleiner Knabe von der Rigi, inspiriert durch seinen Vater, welcher die Rigi von Berlin aus besuchte. 1822 bestieg der junge Komponist selbst den Berg. Später, von Italien herreisend und wieder auf der Rigi wohnend, begann er dort, seine romantische 4. Sinfonie zu komponieren. Franz Schubert, mit der frisch erschienen Ballade des Erlkönig im Gepäck, vertonte diese 1815 während eines Kuraufenthaltes in den Seegemeinden, welches zu seinem bekanntesten «Volkslied» wurde. Man sagt, er hätte auch dann und dort mit seinem grandiosen Liedzyklus «Die schöne Müllerin» begonnen. Etwa ähnlich erging es Gioacchino Rossini. Jener durchreiste in diesen Jahren die Zentralschweiz. Seine nachhaltigen Eindrücke der Schauplätze veranlassten ihn dazu, aufgrund Schillers «Tell» seine wohl bedeutendste Oper gleichen Namens zu schreiben. Diese wurde 1829 vollendet.

Felix Mendelssohn Bartholdy

Felix Mendelssohn Bartholdy

Romantische Kultur ins Volk getragen
Diese und viele andere grosse Dichtungen und Kompositionen wurden in der Zentralschweiz, vornehmlich rund um den Vierwaldstättersee sehr rasch bekannt und auch aufgeführt. Dichtungen mit dazugehörendem Gesang hörte man vorallem in den Kurorten. Die Orchesterwerke hingegen meist in der Stadt Luzern. Nicht umsonst wurde das Stadttheater Luzern bereits 1839 als Opern- und Theaterhaus erbaut. Es ist das älteste noch bespielte Berufstheater der Schweiz. Der immense Einfluss von Dichtung und Musik auf das Volk ist unbestreitbar und hat mit dazu beigetragen, dass in unserer schönen Gegend schon vor 200 Jahren «Kurorte» enstanden, welche die Basis für unseren heutigen Tourismus und die Gastronomie bildeten.

Quelle: Alvin Muoth, Immensee