Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Der Fundraiser im Kapuzinergewand

Ein Gespräch mit Bruder Fridolin zu Weihnachten

Bevor Bruder Fridolin Bruder auf Zeit bei den Kapuzinern wurde, wirkte Fridolin Schwitter als Wirtschaftsförderer der Stadt Luzern. Nun setzt er sich für das 12,5 Millionen-Projekt «Oase-W» zur Erneuerung und Belebung des Klosters Wesemlin ein. Der Rigi Anzeiger hat ihm einige Fragen gestellt.

Bruder Fridolin, wie gestaltet sich Ihr heutiges Leben?
Gegenüber früher hat mein Leben mehr Nachhaltigkeit und Tiefe. Der Tagesablauf im Kloster ist klar strukturiert. Gebet wechselt sich mit der Arbeit und Tätigkeit ab. Durch den Verzicht auf einen Lohn wird auch viel Druck weggenommen. Das wirkt sich positiv auf die persönliche Befindlichkeit aus. Selber habe ich auch mehr Zeit für mich. Ich nehme beispielsweise Klarinettenunterricht. Das wäre früher aus zeitlichen Gründen nicht möglich gewesen.

Fridolin Schwitter

Wie beurteilen Sie die Rolle von Kirche und Wirtschaft?
In Westeuropa hat die Kirche gesellschaftlich stark an Bedeutung verloren. Dadurch ist insbesondere die Kirchenleitung stark verunsichert. Das zeigt sich beispielsweise im uneinheitlichen Auftritt der Schweizer Bischofskonferenz. Positiv ist, dass die Kirche an der Basis einen hohen Anteil an engagierten Mitarbeitenden verfügt. Kirche und Religion hätten eigentlich die Aufgabe, den Menschen eine «Lebensstütze» zu vermitteln. In der aktuellen Situation der Verunsicherung kann dies die «Institution Kirche» nicht in ausreichendem Masse wahrnehmen. So gesehen erachte ich es als Vorteil, dass wir als Orden eine Autonomie und Unabhängigkeit – wir erhalten auch keine Kirchensteuer – haben. Wir können für die Menschen Aufgaben wahrnehmen, welche die Kirche nicht wahrnehmen darf. Beispielsweise: «Umgang mit Geschiedenen», «Umgang mit aus der Kirche Ausgetretenen» etc.
In Bezug auf die Wirtschaft möchte ich daran erinnern, dass sich noch vor dreissig Jahren die beiden Systeme des Kommunismus und des Kapitalismus in Balance gehalten haben. Das ist heute nicht mehr so. Durch die einseitige Verlagerung zum freien Markt des Kapitals sind Freiheiten entstanden, mit denen der Mensch und die Gesellschaft nicht umgehen können. Das erzeugt wenige Gewinner und viele Verlierer. Das führt zu einer gesellschaftlichen Verunsicherung. Ich finde das alles nicht gut. Aber zumindest für unseren Orden ist das nicht negativ. Wir stellen im Bereich des Nachwuchses ein zunehmendes Interesse fest.
Wichtig wäre, dass wir im wirtschaftlichen Bereich wieder mit «etwas weniger» zufrieden wären und unsere persönlichen Ansprüche, auch zu Gunsten der nachfolgenden Generationen, ein wenig reduzierten.

Gibt es Gemeinsamkeiten?
Kirche und Wirtschaft wäre ein relevantes Thema. Aber die Kirche hat durch die erwähnte Verunsicherung und aktuelle Vorkommnisse stark an Glaubwürdigkeit verloren. Das ist auch für den Kapuzinerorden belastend, auch wenn er über eine hohe Unabhängigkeit von der «Institution Kirche» verfügt.

Was meinen Sie, wer hat den längeren Atem: die Kirche oder die Wirtschaft?
Es geht nicht um längeren Atem oder was ist besser: Wirtschaft oder Religion. Es braucht beides: Eine massvolle Wirtschaft und eine glaubwürdige Kirche. Selber würde ich mir ein Aufbruch «von der Basis» erwünschen. Die Wirtschaft ist insofern wichtig, als sie Sicherheit und Wohlstand ermöglicht. So gesehen ist sie auch friedensfördernd. Aber die Wirtschaft muss sich in den Dienst der Gesellschaft stellen und nicht zur Bereicherung einiger Einzelner dienen.

 

OASE-W
Die Klostergemeinschaft Wesemlin setzt als spirituelles Zentrum neue Akzente mit zeitgemässen Angeboten in Meditation, Gebet, Liturgie und religiöser Bildung. Wohnstudios schaffen Raum für spirituell Interessierte, welche die Nähe zum Kloster suchen. Der Klostergarten wird der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und so umgestaltet, dass er einen besinnlichen Charakter erhält. Bei allen Veränderungen bleiben die Kapuzinerbrüder in ihrer franziskanischen Grundhaltung verwurzelt. Dazu gehört die Offenheit für Menschen, die den Kontakt zum Kloster als Ort der Begegnung, des Glaubens und Betens suchen.
Weitere Hinweise: www.kapuziner.chwww.klosterluzern.ch