Rigi Anzeiger
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«Der hat ein Rad verloren!»

Ein Gespräch mit Hans Howald, Küssnacht, Manager, Extremkletterer, Einradfahrer

An idyllischer Lage, am Küssnachtersee, kann sich der selbstständige Unternehmer Hans Howald inspirieren lassen für seine vielfältigen Interessen. Eines davon ist das Fahren mit dem Einrad. 35 Seen hat er damit umrundet. Reporter Jost Peyer wollte mehr darüber erfahren.

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Hans Howald auf Einrad-Tour am Vierwaldstättersee zwischen Weggis und Vitznau.

 

Herr Howald, zu Ihrem 60. Geburtstag haben Sie von Ihrer Frau ein Einrad geschenkt bekommen. Eine Überraschung?

Ja! Im Zirkus habe ich mal einen Artisten auf dem Einrad erlebt und so nebenbei meiner Frau gesagt, so was würde mich auch mal reizen. Als ehemaliger Bergsteiger hatte ich mich mit der Balance schon intensiv auseinandergesetzt. Vielleicht dachte sie auch, ich hätte schon seit 30 Jahren nach dem Aufgeben des Bergsteigens kaum mehr Sport gemacht und sei häufig dem Geschäft «nachgerannt». Es wäre gut, wenn ich mich wieder mehr bewegte…

Was fasziniert Sie am Einrad?

Das Einradfahren ist ein endloses Spiel. Man macht es, wie beim Bergsport, nicht für einen Pokal, nicht für Geld, sondern aus lauter Freude. Man ist nie fertig. Kann man endlich auch rückwärtsfahren, steht das Hüpfen über Treppen hinauf- und hinunter an. Fortschritte sind nur durch Üben zu erreichen. Und das Einrad fahren beansprucht beide Hirnhälften. Es macht sehr viel Spass. Bei dieser Trendsportart treffe ich zudem auf viele junge Leute. Meine Tochter hat sich ohne mein Zutun auch aufs Einrad gewagt und begleitet mich ab und zu auf Ausflügen.

Sie haben 35 Schweizerseen mit dem Einrad umrundet?

Die Rundfahrten waren für mich ein Ziel. Anstatt planlos Strecken abzufahren, habe ich die Seen als Ziel gesehen. Insgesamt habe ich so über 1500 km auf dem Einrad zurückgelegt.

Zuerst war der Türlersee an der Reihe. Als er im Winter gefroren war, habe ich ihn überquert. Dann folgten der Greifen- und Lauerzersee mit zirka 20 km Fahrstrecke. Für meine anfänglichen Fahrkünste eine Herausforderung. Und schliesslich hatte ich die Idee, alle Schweizerseen mit dem Einrad zu umrunden. Ich druckte mir eine Liste mit den Schweizerseen aus. So hatte ich eine grosse Vielfalt ein Möglichkeiten. Ich machte mich an die Umrundung des Walensees. Ein anstrengendes Unterfangen. Es ging steil den Walenstadtberg hinauf, dann einen steilen Bergweg hinunter und stellenweise musste ich das Rad sogar tragen. Happig waren die Rundfahrten um den Genfersee und den Lago Maggiore mit 180 km Fahrstrecke.

Die schönste Seeumrundung?

Die schönste Rundfahrt war jene um den Bodensee. Nicht weil es mit 220 km die längste Strecke ist, sondern weil es praktisch überall Radwege hat. Und in guter Erinnerung ist mir auch der Lac de Joux, denn dort begleitete mich zum ersten Mal meine Tochter mit dem Einrad.

Mit diesen Seenfahrten habe ich zudem die Schweiz noch besser kennen gelernt. Ich musste die Fahrten mit der Karte planen und überlegen, wo allenfalls übernachtet werden kann. Diese 35 Seerundfahrten ergaben für mich tolle Erlebnisse, die ich nicht missen möchte.

Wie sind die Reaktionen der Leute?

Viele rufen: Bravo! Oder Töff- und Autofahrer hupen beim Überholen oder halten den Daumen hoch. Erstaunlich – kaum je eine negative Reaktion. Der Standardkommentar ist: He, der hat ein Rad verloren! Und ich antworte: Lieber dies, als eine Schraube locker! (Lacht!) Oder Kinder reagieren ganz lustig: Mami, Mami, der Einradfahrer, wie bremst der?

Ja, wie bremst man mit dem Einrad?

Entweder erklärt man, dass das Bremsen mit den Beinen erfolgt oder ich sage scherzhaft: Du, leider habe ich die Betriebsanleitung nicht bei mir!

Weshalb verfolgen Sie diesen Sport?

Ich bin zum Einrad fahren «geschupft» worden durch meine Frau. Auch zum Tanzen hat sie mich animiert. Ich bin ihr unendlich dankbar, denn beides macht mir viel Spass.

In den 70-er und 80-er Jahren frönten Sie dem Extremklettersport. Sie eröffneten eine neue Eiger-Route?

In dieser Zeit habe ich eine Reihe neuer Routen machen können. Wir haben im Grimselgebiet ein neues Kletterfeld entdeckt. An der Südwand des Titlis konnte ich eine neue Route eröffnen. 1981 gelang Marcel Rüedi und mir in zwei Tagen die Durchsteigung der Eiger-Nordwand über eine neue Route, über die Nordverschneidung. Am folgenden dritten Tag erstiegen wir den Eiger zudem über die klassische Nordwandroute mit Übernachtung auf dem Gipfel.

Welche Gemeinsamkeiten finden Sie in Ihrem Beruf als Manager, im Klettern und im Einrad fahren?

Ich möchte stichwortartig, in kurzen Sätzen antworten: Man muss die Situation gut einschätzen können. Man muss die Übersicht behalten. Man muss dauernd Entscheidungen treffen. Man muss die Konsequenzen selber ausbaden. Man muss Ausdauer oder noch besser gesagt Stehvermögen haben. Beim Klettern und im Geschäft ist das Planen ein ganz bedeutender Punkt. Und auch das Teamwork.

Beim Klettern ist der Seilpartner ein wichtiger Faktor.

Ja – da habe ich unterschiedliche Erfahrungen und Erkenntnisse gewonnen. In den 70er-Jahren war ich im Yosemite Park, wo in den Granitfelsen im Klettern höchstes Niveau gefordert ist. Als junger Mann mit beschränkten finanziellen Mitteln liess ich mich in einem Camp nieder, wo es galt, auf dem Boden zu schlafen und all seine Habseligkeiten gegen hungrige Bären zu sichern. Der traditionelle Anlaufpunkt und Szenentreff für die Kletterer war abends die Bar. Hier lernte ich einen Amerikaner kennen, der mir als Kletterpartner geeignet schien und zu welchem ich Vertrauen fasste. Wir vereinbarten, gemeinsam am El Capitan die sehr schwierige Aquarian-Wall-Route in Angriff zu nehmen. In 6 Tagen schafften wir den Aufstieg durch die rund 2000 Fuss hohe Granitwand. Ein Erlebnis, das mir zeigte, dass nicht nur mit Assessment und grafologischen Gutachten ein Partner gefunden werden kann, mit welchem man auf Gedeih und Verderben verbunden ist.

Welche Ziele haben Sie noch vor Augen?

Da gilt für mich ein geflügeltes Wort: Träume sind mir lieber als Erinnerungen! Erinnerungen sind zwar schön, aber noch schöner ist es, etwas vor sich zu haben, das man gerne machen möchte.

 

Zur Person Hans Howald

Geboren am 22. Dezember 1949 in Zürich. Beruflicher Werdegang: 2. Bildungsweg mit Studium von Elektrotechnik und Betriebswirtschaft; CEO verschiedener Niederlassungen amerikanischer Firmen in der Schweiz; heute ein eigenes Büro für Software- und Cleantech-Start-ups. Zivilstand: verheiratet, eine Tochter.

Eiger oder Rigi: Mit dem Eiger verbinden mich grossartige Klettererlebnisse, die Rigi ist mein Einrad-Hausberg.

Einrad oder Rennrad: Das Einrad bietet doppelten Spass zum halben Preis.

Am Seil oder am Stecken: Auch im Alter lieber am Seil als am Stecken.

Eigenverantwortung oder Solidarität: Von beiden braucht es eine grosse Portion.

Team oder Konkurrent: Ein gutes Team ist meist jedem Konkurrenten überlegen.

 

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