Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Der Kunst in Meggen auf der Spur

«Megger Offene Atelier Tour MOAT» stiess auf grosses Interesse

Die Gelegenheit, auf Pferdekutschen-Touren im Hop-on Hop-off System 21 Megger Künstlerinnen und Künstler in Ateliers sowie die Galerie Benzeholz, das Schloss Meggenhorn und die Artothek zu besuchen, wurde rege benützt. Jost Peyer hat sich mit einigen Kunstschaffenden unterhalten.

Annamira Jochim und Laura Breitschmid

Annamira Jochim, Künstlerische Leitung, Galerie Benzeholz, Meggen
„Ich bin seit fünf Jahren Kuratorin im Benzeholz. Es gibt jedes Jahr fünf Ausstellungen mit Künstlerinnen und Künstlern aus der Zentralschweiz. Für mich extrem spannend an meiner Arbeit ist der Kontakt mit den Kunstschaffenden. Ich gehe in Ateliers, spreche mit den Künstlern über ihre Werke, sehe den Prozess des Entstehens, sei es Malen oder eine Installation entwickeln oder eine Idee für eine Ausstellung kreieren. Das macht mir Freude, diese Werke im Benzeholz zu präsentieren und der Öffentlichkeit näher zu bringen.
Bild: Annamira Jochim und Laura Breitschmid mit dem ausgestellten Werk „Der Kahn“.
Ein Teil der Megger Bildersammlung wird im Benzeholz und im Schloss Meggenhorn ausgestellt und zeigt ausgewählte Highlights der Megger Kunstsammlung. Zusammen mit Laura Breitschmid haben wir Werke ausgewählt, die einen Bezug zum Benzeholz, zum Ort am See haben. Zum Beispiel finden wir hier das Bild von Mirjam Stern „Der Kahn“, ein Fischerboot, von welchem sie hier direkt eine Aufnahme gemacht und dann in Öl gemalt hat.“

Pferdekutschen brachten die Besucher von Atelier zu Atelier.

Pferdekutschen brachten die Besucher von Atelier zu Atelier.

François Bucher, Künstler

François Bucher, Künstler, Ausstellungsraum in der Scheune Binsböschenrain, Atelier in Luzern:
„Der Alltag inspiriert mich. Das Auseinandersetzen mit all dem, was man beobachtet, was man sieht, in die bildnerische Sprache zu übersetzen oder festzuhalten, ist ein spannender Prozess. In meinem Kunstschaffen, ich bin schon etwas älter, ist es nicht immer die Inspiration, sondern das “Erschaffen“, eine Arbeit, die mich als professioneller Künstler fordert, die manchmal schöne Seiten, aber manchmal auch mühsame hat.
Bild: François Bucher blättert in seinem Lesepult mit vielen Arbeiten, die ihn immer wieder beschäftigen.
Das ist ein Lesepult, das in einem Büro verwendet wurde, wahrscheinlich mit Karten in den Fächern. Jetzt beinhalten die Fächer etwa hundert Zeichnungen. Bei meinen Werken werde ich immer nach dem Titel gefragt. Ich finde, das Bild selber ist der Titel. Deshalb habe ich hier hingeschrieben: CENT TITRES. Auf Französisch heisst “cent“ vom Wortklang her aber auch “ohne“. Auch „Titres“ kann Obligationen oder Aktien heissen, möchte ich mit einem Augenzwickern anfügen. Das “Lesepult“ ist eine Arbeit, an welcher ich immer wieder dran bin. Wo ich Ideen festhalte, die später wieder weiterentwickelt werden. Eine Art Bildtagebuch.“

Bettina Tilton, Kunstmalerin, Atelier ART 4 YOU

Bettina Tilton, Kunstmalerin, Atelier ART 4 YOU, Lerchenbühlstrasse 34:
„Ich lasse mich von grossen Künstlern beeinflussen, zum Beispiel von Modigliani. Ich bewundere seine Werke und will versuchen, diesen Stil umzusetzen, zum Beispiel in meinem Selbstporträt.
Bild: Selbstbildnis der Kunstmalerin Bettina Tilton, angelehnt an Arbeiten von Amedeo Modigliani.
Es bedeutet mir viel, ist persönlich und speziell. Natürlich lasse ich mich von weiteren Kunstschaffenden beeinflussen. Zum Beispiel von der Meggerin Odile Petitpierre. Sie hat wunderschöne Werke. Besondere Farbmischungen inspirieren mich. Was mir gefällt, das übernehme ich in meine Arbeiten.“

Louis Bovet, Steinmetz und Bildhauer

Louis Bovet, Steinmetz und Bildhauer Huobstrasse 4:
„Der schönste Moment ist, wenn ich mich mit dem Stein wie verbinden, die Form realisieren kann, die ich dem Stein geben möchte. Das gelingt nicht immer. Der Stein ist manchmal widerspenstig. Dann komme ich nicht mehr weiter. Ich lege den Stein auf die Seite. Es kommt vor, dass ich einen Stein während fünf Jahren am Boden liegen lasse. Er ist vielleicht sogar mit Dornen überwachsen. Plötzlich nehme ich den Stein wieder zur Hand – ich sehe, wie ich weiterkommen kann. Das sind für mich magische Momente.
Bild: Louis Bovet mit Elefantenhaus, einem Kieselstein, dem er klare Strukturen gegeben hat.
Da habe ich einen Kieselstein. Einen Stein, wie man ihn beispielsweise in der Kleinen Emme findet. Diesem Stein habe ich versucht, eine gewisse Strenge zu geben. Ich gab ihm Linien – wie in der Architektur. Er könnte ein Gebäude sein – mit Garage, Aufgang, Terrasse, Garten. Ich würde gerne mal ein solches Haus bauen. Das sind meine Visionen. Ich sehe aber auch noch einen Elefanten in diesem Stein. Ein Elefantenhaus.“

Lucie Heskett-Brem

Lucie Heskett-Brem, Schmuck, Atelier St. Charles Hall
„Häufig habe ich eine Idee, die sich aber nicht ohne weiteres umsetzen lässt. Oder nicht so, wie ich mir das vorstelle. Ich lasse dann nicht locker, bis es genau so geht oder wird, wie ich das möchte. Nebst dem Aussehen des fertigen Werks sind mir mehrere andere Aspekte genau so wichtig, beispielsweise wie sich Materialien anfühlen und wie sie sich bewegen. Ich hole viele Inspirationen aus der Natur, aber auch von der Textilkunst. Ich lasse mich sehr von meiner Umgebung, dem See und den Bergen inspirieren. Alles ist plastisch, immer multidimensional, aber auch gegensätzlich: alte Kultur und neue Ideen, natürlich Gewachsenes und vom Menschen Geschaffenes, Natur und Design.
Bild: Lucie Heskett-Brem mit ihrem zauberhaften Werk “Singularity“.
Die “Singularity“ bedeutet für mich ein “flüssiges Haus“. Es wird aus etwas Kleinem, Weichem, chaotisch Scheinendem ein Riesending mit ganz klaren, geraden Gesetzmässigkeiten. Es ist ein räumliches Objekt, das oben ganz geometrisch ist und gegen unten immer mehr der Schwerkraft unterliegt und runder wird.“