Rigi Anzeiger
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Der neue Wetterschmöcker triffts

Küssnacht: Keiner der sechs legendären Muotataler Wetterschmöcker hat das Osterwetter so treffsicher vorhergesagt wie Naturmensch Karl Hediger von der Rigi. Wenn er weiter Recht behält, bleibt der Frühling bis zum Sommer.

«Naturmensch» Karl Hediger war mit seiner April-Vorhersage überhaupt nicht auf dem Holzweg.

«Naturmensch» Karl Hediger war mit seiner April-Vorhersage überhaupt nicht auf dem Holzweg.

Einer heiteren Gewohnheit folgend, geben die international bekannten «Innerschwyzer Meteorologen», wie sie sich gegenwärtig nennen,  schon Ende Oktober ihre Prognosen für den bevorstehenden Winter ab. Die zweifelsfrei kurioseste Wettervorschau im deutschsprachigen Raum basiert einerseits auf den skurrilen Beobachtungs- und Interpretationstechniken der sechs selbstbewussten und akademisch gänzlich unbelasteten  Akteure. Und anderseits in der derb-witzigen Formulierung ihrer Wettervorhersage. Ungekrönter Meister dieses bizarren Wetterfaches ist der «Wettermissionar» Martin Horat aus Rothenthurm, der in den letzten Jahren demonstrativ auf grossen Ameisenhaufen Platz zu nehmen pflegte und die strammen Oberschenkel der Krabbeltierchen beurteilte. Bevor ihm ein Medienmann auf der Suche nach einer neuen Orakelrezeptur beliebt machte, doch lieber Schnee zu kosten. Das ist einfacher und kühlt den prophetischen Übermut .

Übermütig bleibt der wortgewaltigste seiner Gilde aber weiterhin bei der Formulierung seiner Halbjahres-Prognose, bei der jeder seine Mitpropheten mit besonders träfen und gewagten Sprüchen zu übertrumpfen trachtet. Denn immerhin gewichtet das Publikum der sechs wetterfesten Originale den Wortlaut der Vorhersagen ganz offensichtlich höher als deren Treffsicherheit. Was eigentlich das einzig Richtige ist. «Um Mitte Januar gibt’s eine Regenphase. Nachher wird es so kalt, dass es fast nicht möglich ist, ohne Handschuhe im Freien Wasser zu lösen», orakelte Martin Horat Ende Oktober in der Mehrzweckhalle in Illgau unter grossem Gelächter. Und lag damit um viele Minusgrade daneben.  «Der Aschermittwoch (18.) ist geeignet zum Ausschlafen da die Sonne zu stark blendet», war eine weitere Voraussage, die immerhin für alle jene zutraf, die  oberhalb 1200 Meter über Meer ausschliefen, während die restlichen bei minus zwei Grad unter der obligaten Nebelsuppe keinem Blendungsrisiko ausgesetzt waren. Klar auf der Verliererseite liegt der legendäre Wettermissionar mit seiner Aprilprognose. «Zu Beginn ist der lästige Biswind im Spiel. Bis am 20. langweiliges Aprilwetter. Solche, die am 15. Geburtstag haben, können sich auf einen schönen Tag freuen», orakelte er. Und liegt damit immerhin wenigstens am 15. April richtig.

Doch dieser Einzeltreffer ist nichts im Vergleich zur April Prognose von Wetterschmöcker Karl Hediger, der oberhalb der Seebodenalp auf der Rigi daheim ist:  «Anfangs kalt mit Schneefall. Am 5. wird der Osterhase als Schneehase kommen. Danach kommt Frühlingswetter, es wird wärmer». Damit liegt der Landwirt und Älpler, der erst seit vier Jahren im wetterprophetischen Sextett mitwirkt, fast unheimlich präzise. Vor allem im Vergleich zu den April- und Ostervorhersagen seiner durchwegs erfahreneren Mitpropheten.

Martin Holdener etwa prophezeite: Der «April fängt launisch an mit Regen, Nebel und Schnee. Vom 14. an bessert sich das Wetter schlagartig, warm und viel Sonne. Ostersonntag (5.) gibt es keinen bunten Eier, nur gesprengte vor Kälte.»

3500 zahlende Mitglieder  

Der April ist der letzte Monat, den die Wetterschmöcker vorhersagen. Denn in der zweiten Monatshälfte präsentieren sie jeweils ihre Sommerwetterprognose. Am Freitag kommender Woche ist es wieder soweit: Mehrere hundert des 3500 Mitglieder zählenden  «Meteorologischen Vereins Innerschwyz», die jährlich einen Beitrag von Fr. 10.- bezahlen, werden ab 20 Uhr in der Mehrzweckhalle «Stumpenmatt» in Muotathal ihr Gratis Znacht und die Sprüche der legendären Sechs geniessen. Die  Auswertung der letzten Prognose mit dem tatsächlichen Winterwetter – mit Wanderpreisverteilung – wird dabei nur einen kurzen Moment beanspruchen und kaum in eine Wortklauberei ausarten. Zum Glück. Denn der Abend gehört der Wetterzukunft. Und wie lesen sich die jetzt auslaufenden Halbjahres Prognosen für den Frühling 2015?

Karl Hediger: «Der Frühling kommt zur rechten Zeit.»

Bild & Text: Niklaus Wächter