Rigi Anzeiger
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«Der richtige Umgang will gelernt sein»

Eltern können Kinder im Umgang mit neuen Medien unterstützen

97 Prozent aller 12- bis 19-Jährigen haben zu Hause Internetzugang. Das birgt Chancen, aber auch Gefahren. Michael In Albon (Bild), Beauftragter für Jugendmedienschutz bei der Swisscom, erklärt, wie Eltern ihre Kinder schützen können.

Michael In Albon, gemäss der kürzlich erschienenen JAMES-Studie der Hochschule hat sich der Anteil an Smartphones bei den Jugendlichen innert zwei Jahren fast verdoppelt. Die meisten nutzen das Internet allerdings primär zur Unterhaltung. Ist das ein Problem?
Nicht zwingend. Die digitale Welt ist nicht trennbar in «Hier lerne ich etwas» und «Da unterhalte ich mich bloss». Es gibt verschiedene Formen des Lernens. Zum Beispiel auch das Entwickeln von Strategien bei einem Computerspiel. Social Medias wie Facebook oder Twitter sind für Kinder und Jugendliche eine Art Probebühne. Dort sammeln sie Erfahrungen, testen Rollenverhalten und schauen, wie sie in ihrem Kollegenkreis ankommen.

Welches sind die negativen Auswirkungen?
Wenn ein Jugendlicher in der realen Welt von seinen Kollegen ausgegrenzt wird, besteht die Gefahr, dass er sich in die virtuelle Welt zurückzieht und dort seine ganze Energie investiert. Das kann zum Beispiel ein Game sein, bei dem er für seine Erfolge Anerkennung erhält. So was gefährdet die Entwicklung des jungen Menschen.

Haben Internet-Games und soziale Netzwerke auch positive Seiten?
Ja. In Games wird zum Beispiel Teamwork geübt: Jugendliche müssen sich auf andere abstimmen und zusammenwirken, um Erfolg zu haben. In sozialen Netzwerken entwickeln Jugendliche viel Kreativität darin sich zu präsentieren. Sie machen Fotos, gestalten Texte, schreiben und veröffentlichen Gedichte. Und sie lernen auch zu überlegen, was sie veröffentlichen wollen und was nicht.

Wie lernen Kinder und Jugendliche den Umgang mit Medien?
Indem sie beobachten, was andere tun. Sie lernen stark am Vorbild von Eltern oder Lehrpersonen, aber auch von Gleichaltrigen. Je jünger ein Kind, desto spielerischer geht es mit einem neuen Medium um. Es probiert alles aus. Umso mehr brauchen Kinder im Umgang mit den Medien Unterstützung und Begleitung. Ideal ist, wenn die Kinder mit ihren Eltern über den Internetgebrauch reden können. Dafür müssen die Eltern diese neuen Medien auch selber nutzen. Mal auf Google nach Begriffen suchen oder ein Facebook-Konto eröffnen, ohne aber gleich mit dem eigenen Kind «befreundet» zu sein.

Kann auch die Schule ihren Beitrag leisten?
Selbstverständlich. Es ist wichtig, dass die Lernenden bereits in der Primarschule den Umgang mit dem Computer und insbesondere mit dem Internet erlernen. Ab nächstem Schuljahr werden in verschiedenen Gemeinden sogar i-Pads eingesetzt.

Welche Risiken gibt es beim Medienkonsum von Jugendlichen?
Ein grosses Risiko bergen Gewaltdarstellungen oder harte Pornografie. Diese können Gefühle von Ekel, Angst und Ohnmacht auslösen. Nicht ungefährlich ist auch der Umgang mit den eigenen Daten: Es gibt viele Jugendliche, die relativ unbekümmert ihre Handynummer veröffentlichen oder Partybilder hochladen. Die neueste JAMES-Studie zeigt aber, dass das Bewusstsein zum Schutz eigener Daten auf sozialen Netzwerken zunimmt. 80 Prozent der befragten Jugendlichen gaben an, dass sie ihr Profil aktiv schützen, indem sie den Zugriff einschränken. 2010 waren es noch 57 Prozent.

Ein Thema im Umgang mit dem Smartphone ist auch das Geld. Wie lässt sich eine Verschuldung verhindern?
Indem man zwei Dinge beachtet. Erstens sollen Kinder und Jugendliche Abos lösen, die für sie konzipiert sind. Die funktionieren nicht mehr, sobald eine bestimmte Kostengrenze erreicht ist. Zweitens gehören Kreditkarten nicht in Kinderhände. Dann kann man auch nicht unbewusst langfristige Verträge abschliessen, zum Beispiel beim Online-Kauf eines Klingeltons.

 

Immer mehr surfen mobil
Zum zweiten Mal nach 2010 hat die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften im Auftrag von Swisscom das Nutzungsverhalten von über 1000 Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren erhoben. Die Erkenntnisse der neuesten JAMES-Studie: Der Anteil an Smartphones hat sich in zwei Jahren mit 80 Prozent fast verdoppelt. Zwei Drittel der Jugendlichen gaben an, dass sie täglich oder mehrmals wöchentlich via Smartphone im Internet surfen. 2010 waren es noch 16 Prozent. Zudem nutzen viele Jugendliche mehrere Medien gleichzeitig. Sie hören Musik, während sie Nachrichten verschicken, ein Youtube-Video ansehen oder auf Facebook chatten. Erfreulich: Die immer vielfältigeren Zugangsmöglichkeiten haben kaum eine Auswirkung auf die Freizeitgestaltung. Die Jungen treffen sich immer noch regelmässig mit Freunden, hören Musik oder unternehmen etwas mit der Familie.

 

Siehe dazu die Umfrage auf www.facebook.com/RigiAnzeiger