Rigi Anzeiger
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Deswegen sind die meisten Thailänder so friedlich

An dieser Stelle habe ich letzte Woche darüber geschrieben, dass der Buddhismus in Thailand wohl seinen Teil dazu beigetragen hat, dass die Gesellschaft tolerant gegenüber vielen Andersdenkenden ist. Dies wird unter anderem dadurch deutlich, dass es sich beim Buddhismus um eine der wenigen Religionen handelt, deren Geschichte nicht von Missionskriegen, Zwangsbekehrungen, Folter und Hinrichtungen geprägt ist.

Historiker gehen davon aus, dass der buddhistische Glaube während langer Zeit deutlich weiter verbreitet gewesen war als dies aktuell der Fall ist. Durch die gewaltsame Ausbreitung des Christentums und des Islams haben sich die heute grössten Religionen Gebiete wie Indonesien, Pakistan oder Afghanistan unter den Nagel gerissen.
In Thailand hat dies nicht funktioniert. Im 16. Jahrhundert hatten die portugiesischen Seefahrer und Handelsmänner neben dem Tauschen und Kaufen von Waren auch vorgehabt, den christlichen Glauben im damals unter dem Namen Siam bekannten Königreich zu verbreiten. Das europäische Gedankengut konnte sich jedoch trotz lange andauernder Handelsbeziehungen nicht grossflächig durchsetzen. Nur ein sehr kleiner Prozentsatz der Thailänder ist derzeit katholisch oder reformiert, dennoch steht an bester Lage am Chao-Phraya-Fluss eine katholische Kirche und die christliche Minderheit hat in Thailand im Gegensatz zu vielen anderen Ländern weder Verfolgung noch Ausschluss aus der Gesellschaft zu befürchten. Ausserdem ist der Buddhismus die einzige der grossen Weltreligionen, bei der keine gewaltverherrlichende fundamentalistischen Gruppierungen zu finden sind. Obwohl der Buddhismus mit heute über 500 Millionen Anhängern die viertgrösste Religion der Welt ist und im Alltag vieler Thailänder nach wie vor eine wichtige Rolle spielt, haben die Einheimischen zudem noch nie einen Versuch unternommen, mich zu bekehren. Ein einziges Mal wurde ich von einem Thailänder angesprochen, der mir etwas über seinen Glauben erzählen wollte – er gehörte aber nicht dem Buddhismus sondern einer christlichen Gruppierung an. Stelle ich meinen Mitschülern jedoch Fragen zu ihrer Kultur oder ihrer Religion, geben die meisten bereitwillig Auskunft. Durch sie, unzählige Tempelbesuche und die Lektüre von einigen Büchern habe ich erst mehr Einblicke in diese spannende und friedfertige Religion erhalten.
Einzig was die zahlreich verbreiteten Figuren, Gemälde und Skulpturen von Buddha betrifft, sind die Thailänder sehr streng. «Tattoos mit dem Abbild des Buddhas sind respektlos», wird man beispielsweise am internationalen Flughafen Suvarnabhumi gleich von überdimensionalen Plakaten und Leuchtschriften begrüsst. Dennoch werden an Stränden und bei grossen Touristenattraktionen regelmässig dekorative Figürchen in Form der Gottheit oder Armbänder mit Buddha-Anhängern – meistens zu sehr tiefen Preisen – feilgeboten. Diese Verkäufer könnten laut meinem Wirtschaftsrechtsprofessor eine Busse erhalten. Weil es sich bei den Strassenhändlern in den meisten Fällen aber um Angehörige der unteren sozialen Schicht handle, werde vielfach ein Auge zugedrückt.

Auf der Strasse werden kleine Buddhafiguren verscherbelt. Dies ist eigentlich gegen das thailändische Gesetz.

Auf der Strasse werden kleine Buddhafiguren verscherbelt. Dies ist eigentlich gegen das thailändische Gesetz.

Der Buddhismus ist die friedlichste der grossen Weltreligionen.

Der Buddhismus ist die friedlichste der grossen Weltreligionen.

Stephanie Sigrist aus Risch absolviert ein Austauschsemester in Bangkok und berichtet darüber regelmässig im Rigi Anzeiger.

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