Rigi Anzeiger
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Die «Gelassenheit des Alters»

Znünipause mit Josef Mattmann, Gemeindepräsident von Inwil

Ein erster Eindruck bei der Begegnung mit Josef Mattmann, dem Gemeindepräsidenten von Inwil: so schnell lässt sich dieser Mann wohl nicht aus der Ruhe bringen.

Im Verlauf des Gesprächs bestätigt er: «Das ist die Altersgelassenheit, vor zehn Jahre hatte ich die noch nicht.» Wir kamen darauf zu sprechen im Zusammenhang mit dem gescheiteren Deponieprojekt. Der Gemeinderat als Behörde und Mattmann als Präsident hatten sich für das Vorhaben engagiert. Immerhin hätte die Deponie der Gemeinde jährlich etwas über 200000 Franken in die Kasse gebracht – Geld, das den finanziellen Horizont in Inwil etwas aufgehellt hätte. Doch am 22.September sagte das Volk bei einer Stimmbeteiligung von 70 Prozent deutlich Nein. Frust beim Gemeindepräsidenten? «Im ersten Moment schon ein bisschen, ja», blickt Josef Mattmann zurück. Aber rauslassen müsse er den nicht. Viel wichtiger sei, dass der Entscheid so klar ausgefallen sei – «da gibts nichts zu deuteln, und jetzt kann man sich wieder in die Augen schauen». Altersgelassenheit eben.

Vielleicht ist es auch gute Bauernart: Wenn einmal etwas nicht so herausgekommen ist, wie man es sich beim Säen gedacht hat, macht man nicht lange die Faust im Sack. Man geht wieder hinaus, packt an und bestellt den Acker. Josef Mattmann, 55, ist Landwirt auf dem «Berghof» auf dem Eibeler Berg. 1975 zog Vater Mattmann auf den Berghof. Die Liegenschaft war der Realersatz für den Betrieb in Schenkon, der dem Nationalstrassenbau weichen musste. Für Mattmanns war der Wechsel vom Gäu auf den Eibeler Berg im oberen Seetal kein Umzug in die «Fremde». Josef Mattmanns Grossvater stammt aus Inwil und seine Mutter ist hier aufgewachsen – «zurück zu den Wurzeln», lacht der Gemeindepräsident. So schnell umgepflanzt wird dieser Stamm wohl nicht. Die Nachfolge ist geregelt – Mattmanns Sohn hat die landwirtschaftliche Ausbildung mit Erfolg abgeschlossen und er wird den Betrieb einmal übernehmen. Voraussetzung dafür schuf eine Investition vor zehn Jahren: «Wir konnten die Betriebsfläche auf 22 Hektaren verdoppeln», erklärt Josef Mattmann. Ohne diese Möglichkeit hätte der Berghof als Landwirtschaftsbetrieb wohl keine Zukunft gehabt. Jetzt ist er ein Hof von mittlerer Grösse mit Milchwirtschaft, Ackerbau und Schweinemast und Zukunftsperspektiven für einen Jungbauern.

Nicht nur das Bauern, auch die Politik liegt Josef Mattmann im Blut. Auf die Frage nach der Partei sagt er spontan, er sei «bei den Liberalen». Natürlich sind «die Freisinnigen» gemeint. Nur: Die Luzerner Landliberalen und die Zürcher Freisinnigen waren zwar in der gleichen schweizerischen Partei vereinigt, aber zwischen ihren politischen, nicht zuletzt auch wirtschafts- und sozialpolitischen Ansichten lagen oft Welten. Hier die bodenständigen, volksnahen, gesellschafts- und sozialpolitisch offenen Luzerner Liberalen, dort die finanzkapitalistischen, elitären und machtbewussten Zürcher Freisinnigen. Jetzt haben die beiden ungleichen Brüder und Schwestern in der gleichen freisinnigen Parteifamilie unter dem Pünktchen-Label «FDP.Die Liberalen» wieder näher zusammengefunden. «Es geht wieder aufwärts», freut sich Josef Mattmann für seine Partei, und das Verdienst dafür sieht er beim neuen schweizerischen Parteipräsidenten Philipp Müller. Der sei «näher bei der Basis» als seine Vorgänger, freut er sich. Den Gemeindepräsidenten von Inwil muss man das nicht lehren – er ist gerne unter den Leuten, schätzt und pflegt den Kontakt mit der Bevölkerung. Vielleicht hat er das Flair für die Politik ja geerbt – sein Vater war Parteipräsident in Inwil und liberaler Grossrat (heute Kantonsrat).

Gemeindepräsident ist Josef Mattmann seit fünf Jahren. Das Amt gefällt ihm: «selber mitbestimmen, aktiv mitgestalten, die Entwicklung beeinflussen» sind für ihn die Motivation fürs Engagement. Zu tun gab’s und gibt’s da einiges für den Gemeindepräsidenten und seine Mitstreiter im Rat von Inwil: Das grosse Infrastrukturprojekt EIBuS ist abgeschlossen, jetzt muss die Amortisation in der Finanzplanung abgesichert werden. Der Siedlungsdruck aus Zug und Zürich muss bewältigt werden. Der Durchgangsverkehr vom Rontalzubringer ins Seetal hat spürbar zugenommen. Das Fotovoltaikprojekt der CKW in der Schweissmatt steht bald zur Umzonung an (Mattmann macht aus seinem Herzen keine Mördergrube: er sieht die Liegenschaft vor allem als wertvolles Landwirtschaftsland).

Natürlich: Würde bringt Bürde, das gilt auch für den Gemeindepräsidenten von Inwil. Und neben einem gerüttelt Mass an Arbeit auch manchmal Ärger. Josef Mattmann bedauert den zunehmenden Egoismus in der Gesellschaft. «Jeder schaut nur noch für sich selbst und will für sich selbst das Beste herausholen,» stellt er fest. Damit steige auch die Anspruchshaltung gegenüber der Gemeinde. Doch auch hier überwiegt die «Altersgelassenheit» des Luzerner Liberalen: «Grundsätzlich sehe ich optimistisch in die Zukunft», sagt Josef Mattmann.