Rigi Anzeiger
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Die Heimatgemeinde entdecken

«Znünipause» mit Urs Brücker, Gemeindepräsident Meggen

Wer erwartet, der Gemeindepräsident von Meggen walte in einer weitläufigen, grosszügig ausgestatteten Bürolandschaft seines Amtes, täuscht sich. «Es ist das kleinste Büro hier», empfängt Urs Brücker den Besucher im Gemeindehaus.

Den funktional eingerichteten, nicht auf Repräsentation angelegten Arbeitsraum hat Brücker am 1. September 2012 bezogen. Er wurde als erster Vertreter der jungen Grünliberalen Partei GLP ins Präsidentenamt einer Luzerner Gemeinde gewählt. Urs Brücker war bis dahin als GLP-Präsident einer der Motoren der «bürgerlichen Grünen». Das Amt hat er inzwischen abgegeben. «Im Gemeinderat ist es fertig mit Parteipolitik», stellt er klar. Behalten hat er das Mandat im Kantonsrat und den Job als Innovations-Coach beim Innovationstransfer Zentralschweiz ITZ. Der Dreisprung zwischen Privatwirtschaft, Kantonspolitik und Gemeindehaus erfordere Flexibilität und schnelles Umdenken. «Ein Spagat – ich bin noch am Üben», stellt der 54jährige Maschineningenieur in seiner trockenen Art fest.

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Urs Brücker ist in Meggen geboren und aufgewachsen. Ein Ur-Megger, gewissermassen und einer, der die Gemeinde kennt wie die eigene Hosentasche, könnte man meinen – falsch. «Ich lerne die Gemeinde eigentlich erst jetzt richtig kennen», stellt der neue Gemeindepräsident nach den ersten 130 Tagen im Amt fest. «Meggen entdecken», heisst die Imagebroschüre der Gemeinde. Sie will das Meggen jenseits der Klischees «Steueroase – Millionärenbiotop – Villen-Vorort» zeigen. «Meggen entdecken» gilt auch für Urs Brücker. «Ich lerne Quartiere und Institutionen kennen, von denen ich nicht einmal wusste, dass es sie gibt», bekennt Brücker unumwunden. Als Gemeindepräsident komme er viel intensiver ins Dorfleben hinein, als das vorher der Fall gewesen sei – «die Gemeinde und ihr Leben werden ein Teil des eigenen Lebens», zieht Urs Brücker ein erstes Fazit seines neuen Amtes in der Gemeinde.

Das Pensum des Megger Gemeindepräsidenten ist mit 40 Prozent festgesetzt. Klar, das ist die buchhalterische Wirklichkeit. Die Amtswirklichkeit sieht anders aus. «Es ist natürlich viel mehr», stellt Brücker nüchtern fest. Man kann das schnell nachvollziehen, wenn man weiss, dass ein Präsident die Gemeinde nach aussen zu vertreten hat, wenn man hört, dass es in Meggen sage und schreibe 80 Vereine gibt und wenn man sieht, in wie vielen und wie unterschiedlichen regionalen Gremien die Interessen der Gemeinde zur Geltung gebracht werden müssen. Derzeit befindet sich Meggen auch «innenpolitisch» in einer intensiven Phase. Neben den «Dauerbrennern» Verkehr, Wohnraumpolitik, Trotte wird derzeit im Gemeinderat die Legislaturplanung erarbeitet, und das Leitbild muss aktualisiert werden. «Dank seiner Ressourcenstärke hat Meggen sicher mehr Handlungsspielraum als andere Gemeinden», erklärt Urs Brücker. Sorgen macht dem Politiker Brücker allerdings, dass das «Äquivalenzprinzip» zunehmend missachtet wird. Das Prinzip meint, einfach dargestellt, «wer befiehlt zahlt». Mehr und mehr würden aber Leistungen vom Bund oder vom Kanton beschlossen, bezahlen müssen sie aber die Gemeinden. Als Beispiel nennt Brücker die Schulraum-Investitionen, die Meggen bevorstehen – «nicht weil wir mehr Schüler haben, sondern weil durch kantonale Vorschriften pro Schüler mehr Raum gebraucht wird.»

Angetan ist Urs Brücker vom kollegialen, professionellen und engagierten Arbeitsklima in Rat und Verwaltung. Seine eigene Rolle als Gemeindepräsident mag er nicht hervorstreichen. «Der Einfluss des Gemeindepräsidenten ist beschränkt», stellt er fest. Er sei ja auch nicht in dieses Amt gekommen, um alles auf den Kopf zu stellen. Seine Rolle als Vorsitzender der politischen Gemeindebehörde verstehe er als Moderator, Akzente will er in seinen Kernthemen Ressourcen und Energie setzen – «Meggen ist auf diesem Gebiet schon sehr gut aufgestellt», freut er sich. Und nicht ausschliessen will Urs Brücker auch, dass er vielleicht mal an einer Gemeindeversammlung buchstäblich einen neuen Ton setzen will: «Vielleicht blase ich mal Alphorn», schmunzelt der engagierte Amateurmusiker. Bei der Bourbon Street Jazz Band spielt Brücker Trompete, Nasenflöte und Alphorn. Die Leidenschaft wird er weiter pflegen – so um die 20 Gigs pro Jahr hat die renommierte und beliebte Band in der Agenda.