Rigi Anzeiger
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Die Mutter der Vitznau-Rigi-Bahn – Teil 1: Die Zahnradbahn wird erfunden

Die Schweiz ist das Land der Zahnradbahnen. Nirgendwo auf der Welt gibt es auf so kleiner Fläche so viele Eisenbahnen, die mittels einer Zahnstange in die Höhe steigen. Doch kaum bekannt ist hierzulande, dass bereits zwei Jahre vor der Eröffnung der Vitznau-Rigi-Bahn, am Mount Washington in New Hampshire eine Zahnradbahn ihren Betrieb aufnahm. Sie fährt bis heute. Der Bahnjournalist Lorenz Degen war vor Ort und berichtet von der ersten Zahnradbahn der Welt – dies in einer fünfteiligen Serie.

Lesen Sie heute:

Teil 1: Die Zahnradbahn wird erfunden

Im neu gestalteten Bahnmuseum in der Talstation erinnert eine grosse Schautafel an den Bahngründer Sylvester Marsh. Bild Lorenz Degen

Im neu gestalteten Bahnmuseum in der Talstation erinnert eine grosse Schautafel an den Bahngründer Sylvester Marsh. Bild Lorenz Degen

Der Ursprung der Zahnradbahn liegt ausserhalb der helvetischen Alpenwelt. Zum ersten Mal erscheinen Zahnradbahnen nach 1800 in England. Kohlegruben und Stahlwerke verwenden dampfbetriebene Wagen auf Schienen, die mittels eines Zahnrades ihre Kraft erst auf hölzerne, Zahnstangen übertragen. Der Verschleiss ist jedoch so enorm, so dass bald schon Metallzahnstangen eingesetzt werden.

Ebenso zeigt sich, dass eiserne Räder genügend Reibungsfläche haben, um auf glatter Eisenschiene ohne Zahnstangen vorwärts zu kommen. Ab 1829 werden in England auch Personen mit der Eisenbahn befördert. Während sich in der Folge „normale“ Eisenbahnnetze in ganz Europa ausdehnen, bleiben Zahnradbahnen eine unbedeutende, selten genutzte Spezialform für kurze Höhenunterschiede.

Ein Traum wird begraben – vorerst
Mit der Hauensteinlinie über Läufelfingen geht 1858 die erste Gebirgsbahn der Schweiz in Betrieb. Die 27 Promille Steigung im feuchten Scheiteltunnel bringen die noch sehr leichten Lokomotiven ins Schleudern. Niklaus Riggenbach, damals Chef der Hauptwerkstätte in Olten, ersinnt eine Art Hilfszahnrad, um ein Durchdrehen der Räder zu verhindern. 1862 erhält er ein französisches Patent, da in der Schweiz geistiges Eigentum noch nicht geschützt werden kann. Verwirklicht wird seine Idee nicht, da schwerere Lokomotiven das Adhäsionsproblem lösen.

Ein Tüftler aus Chicago
Auf der anderen Seite der Welt tobt in diesen Jahren der amerikanische Bürgerkrieg. Sylvester Marsh, ein «Tüftler» aus Chicago, träumt von einer Bahn, die nur für touristische Zwecke auf einen Berg fährt. Nicht für Rohstoffe-Transporte, sondern für Erholung suchende Menschen will er eine Bahn zum Gipfel des Mount Washington im US-Bundesstaat New Hampshire bauen. Dort, auf dem 1917 Meter über Meer hohen Gipfel, war er einst als Wanderer bei einem Sturm fast umgekommen. Seither lässt ihn dieser Berg nicht mehr los.

Eine Bahn zum Mond
Marsh findet erst keine Unterstützung, er wird für verrückt angesehen. Kritiker spotten, er könne ja eine Bahn zum Mond bauen. Im Alleingang schiesst er Geld vor, zeichnet die Lokomotivpläne und trassiert die Strecke. Riggenbach erhält über den Schweizer Konsul in Washington, der sich in der Schweiz aufhält, Kunde vom Projekt. Er schickt den jungen Ingenieur Otto Grüninger zum Mount Washington, wo der Bahnbau im Frühsommer 1869 kurz vor dem Abschluss steht. Grüninger liefert einen detaillierten Bericht mit vielen Handskizzen an Riggenbach. Am 4. Juli 1869 fährt die Mount Washington Cog Railway zum ersten Mal zum Gipfel (cog ist das englische Wort für «Zahnrad»).

Lorenz Degen, Mitglied Bahnjournalisten Schweiz

Mit ihr begann eine neue Zeit: Die Dampflokomotive Nr. 1, genannt «Peppersass», steht heute als Denkmal neben der Talstation, in Sichtweite des Gipfels des Mount Washington. Bild Lorenz Degen

Mit ihr begann eine neue Zeit: Die Dampflokomotive Nr. 1, genannt «Peppersass», steht heute als Denkmal neben der Talstation, in Sichtweite des Gipfels des Mount Washington. Bild Lorenz Degen

Lesen Sie nächsten Woche: Teil 2: Die Schweiz befördert Touristen

 

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Während der Ercheinungswochen dieser Serie verlosen wir jede Woche zwei Tageskarten für die Rigi Bahnen.

E-Mail mit Name und Adresse und dem Betreff «Rigi Bahn» an: wettbewerbe@rigianzeiger.ch
Viel Glück!

 

Teil 1: Die Zahnradbahn wird erfunden

Teil 2: Die Schweiz befördert Touristen

Teil 3: Bio-Diesel ersetzt Dampf