Rigi Anzeiger
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«Die Nahtstelle intensiver bewirtschaften»

Fokus Schule

Fast 20 Prozent der Schulabgänger schaffen den direkten Einstieg in die Berufsbildung nicht aus eigener Kraft. Jetzt reagiert das Luzerner Bildungsdepartement. Regierungsrat Reto Wyss erläutert die geplanten Massnahmen.

Reto Wyss, warum bereitet der Übergang von der Sekundarschule in die Berufslehre vielen Jugendlichen Mühe?
Von den Berufsbildungsverantwortlichen in den Unternehmen wird immer wieder bemängelt, dass viele Schulabgängerinnen und –abgänger in Deutsch und Mathematik nicht über die nötigen Anforderungen verfügen, um in einer beruflichen Grundbildung zu bestehen. Jeder fünfte Lernende schafft den direkten Einstieg in eine Berufsausbildung nicht. Insbesondere Sekundarschüler des Niveaus C benötigen oft zusätzliche Unterstützung in Form von Brückenangeboten. Diese Brückenangebote sind wichtig und erfolgreich, doch sie verursachen eben auch erhebliche Kosten.

Was wollen Sie dagegen unternehmen?
Die Dienststellen Volksschulbildung sowie Berufs- und Weiterbildung haben sich zum Ziel gesetzt, die Quote der Jugendlichen, die ein Brückenangebot benötigen, von heute 650 mittelfristig auf 400 zu reduzieren.

Wie wollen Sie das erreichen?
Die Nahtstelle zwischen Schule und Lehre soll intensiver bewirtschaftet werden. Indem wir etwa die Niveau-C-Lernenden in den Fächern Deutsch und Mathematik zusätzlich fördern. Deshalb soll von der 1. bis zur 3. Oberstufe je eine Förderlektion zur Verfügung gestellt werden. Ein weiteres wichtiges Element besteht darin, dass die Berufsberater direkt auf die Sek-C-Lehrpersonen des 8. und 9. Schuljahres zugehen und mit ihnen die Berufswahlsituation jedes Lernenden besprechen. «Risikoschüler» sollen frühzeitig erkannt werden, damit sie von einer optimalen individuellen Unterstützung profitieren können. Auch arbeiten wir mit der Stiftung Speranza zusammen. Im Rahmen des «Bewerbungstrainings» prüfen erfahrene Wirtschaftscoaches die Bewerbungsunterlagen der Jugendlichen und führen mit ihnen anschliessend ein Bewerbungsgespräch. Bei «Rent a Boss» berichten Unternehmer im Klassenzimmer aus ihrem Wirtschaftsalltag und beantworten Fragen, die den Jugendlichen auf der Zunge brennen. Ausserdem wollen wir die Schulen ermuntern, mit der Wirtschaft enger zusammenzuarbeiten, um Jugendlichen noch bessere Einblicke in die Berufswelt zu ermöglichen.

Wie definieren Sie «Risikoschüler»?
Jene Jugendlichen, die Gefahr laufen, den Übertritt nicht auf Anhieb zu schaffen. Das sind aber nicht nur Schüler mit schulischen Defiziten. Von den 650 Lernenden in den Brückenangeboten stammt rund ein Drittel aus der Sek A und Sek B, welche die schulischen Anforderungen einer Berufslehre zweifellos erfüllen. Vielen fehlt es ganz einfach an der Sozialkompetenz, oder aber sie haben unrealistische Berufswünsche.

Was, wenn die geplanten Massnahmen nicht den gewünschten Erfolg bringen?
Die einzelnen Projekte sind erst einmal auf die Dauer von vier Jahren befristet. Daraufhin nehmen wir eine Evaluation vor, um erfolgreiche Massnahmen allenfalls in den neuen Lehrplan einfliessen zu lassen oder auch neue zu lancieren.