Rigi Anzeiger
Der Rigi Anzeiger ist die führende gratis Wochenzeitung für die Luzerner, Schwyzer und Zuger Regionen Rontal und Rigiland. Der Rigi Anzeiger erscheint seit über 50 Jahren in einem sehr interessanten Erscheinungsgebiet, einer WEMF-beglaubigte Auflage von 35 728 und wird jeden Freitag mit den regionalen News von der Post in alle Briefkästen im Einzugsgebiet verteilt.

Die Natur bestimmt ihren Arbeitsrhythmus

Menschen im Gespräch: Stephan und Andrea Stocker-Wyss, «Hühnervermieter» in Greppen

«Der erste Durchgang ging in die Hose», erzählt schmunzelnd der Jungbauer Stephan am Küchentisch im stilvoll renovierten Bauernhaus am Kirchweg in Greppen. Da war er aber noch nicht im Geschäft. Angefangen habe eigentlich alles mit seinen Eltern. Sie hielten die ersten Freilandhühner. Die Eltern Stocker – sie wohnen noch immer nebenan im ebenfalls restaurierten Stöckli – suchten einen anderen Erwerbszweig. Denn die Schweinezucht im kleinen Rahmen rentierte nicht (mehr).

Vater Stocker kaufte sich eine erste Legehennen-Schar und eben – siehe oben … Sohn Stephan berichtet weiter: «Der Vertreter einer Futtermühle – wir beziehen das Hühnerfutter immer noch dort – animierte Vater dann zum Weitermachen.» Allerdings forderte der Landwirt erst den Beweis, dass es funktionieren würde und den bekam er auch. «Seither rauscht es: Von 350 Hennen wurde bis auf 550 Tiere ausgebaut, zwei weitere Ställe hergerichtet.» Aktuell sind es wieder 350 Hühner, denn zwischen 1990 und heute hat sich viel getan. Aber davon später.

Stephan (34) und Andrea Stocker-Wyss (34) mit Tochter Alina (3) in der Feigen-Kultur in Greppen. Bild Marlis Jungo

Stephan (34) und Andrea Stocker-Wyss (34) mit Tochter Alina (3) in der Feigen-Kultur in Greppen. Bild Marlis Jungo

Leben mit den Hühnern
Der Alltag des jungen Ehepaares ist geprägt durch den Lebenszyklus der Legehennen. Im Hochsommer, im Alter von 18 Wochen werden die braunen Jungtiere eingestallt. «Die Legeleistung ist zwar etwas kleiner, aber dafür ist die Rasse robuster », sagt Stephan Stocker. Nach einer Zeit der Eingewöhnung steigert sich die Eierproduktion und erreicht ab der 26. bis 28. Woche dann die Maximalleistung von 95 Prozent. Also fast täglich ein Ei!

Damit das auch so bleibt wird die Hühnerschar «gesteuert». Um 3 Uhr gibt es Tagwache, den die Hennen legen nur bei Licht. Die Futterqualität und Auslauf müssen ebenfalls stimmen. Um 9.30 Uhr öffnet der Schieber für das Freiluftvergnügen. «Nicht wenn Schnee liegt, das macht die Hühner agressiv», sagt der versierte Bauer. Täglich darf dafür von den Tieren der «Wintergarten» benützt werden. Und anfangs Juli kommen – nachdem der Stall geputzt und desinfiziert wurde – nach einer Pause von ungefähr 10 Tagen – die Nachfolgehennen. Damit endet die Arbeit der beiden unermüdlichen Schaffer aber nicht. Aus den Brüstli und Schenkeln der geschlachteten Tiere stellen Sie Geflügelbratwürste und Rauchwürste her, so dass das ganze Tier genutzt werden kann und das Fleisch nicht einfach weggeworfen wird.

Eiertour mit der Tochter
Täglich zwischen 9 und 10 Uhr heisst es Eier ausnehmen, kontrollieren, trockenreiben, verpacken und Bereitstellen für die Auslieferung. «Die meisten unserer Kunden befinden sich im Verbreitungsgebiet des Rigi Anzeiger». Dafür ist Andrea Stocker zusammen mit der dreijährigen Alina zuständig: «Da es geht halt meistens nicht so schnell!» Es sei der jungen Familie aber wichtig, dass die Kleine alles mitbekommt und auch mitmachen darf. «Zeit für das Familienleben ist uns enorm wichtig!» Nicht zuletzt, weil beide Eltern einem zusätzlichen Brotverdienst nachgehen. Stephan mit einem 60%-Pensum als Schlosser und Andrea zu 50% als Heilpädagogin.
Die beiden haben 2012 geheiratet. Und auch ein letztes Mal «grosse» Ferien genossen – vier Flitterwochen. Heute reicht es ab und an mal für ein paar Tage ans Meer. Denn nebst Hühnern warten noch andere Tiere auf dem Hof darauf, versorgt zu werden. Seien es die Mutterkühe mit ihren Kälbern oder die Schafe. Das Obst von 135 Hochstammbäumen will verwertet werden. Und auf den Wiesen im Kirchweg sowie im «Bärgli» an der Rigilehne muss das (Öko)heu geerntet werden. «Da helfen jeweils Freunde und Familie mit».
Und wie es zu dieser Diversifizierung kam? Anfangs der 90er kündigte die Ei AG die Verträge. Es galt einmal mehr, sich neu auszurichten und so begannen die Eltern Stocker mit der Direktvermarktung. Stephan Stocker als gelernter Landwirt und Schmied erweiterte mit Andrea die Direktvermarktung, verlegte sich auf Kälberaufzucht, Mutterkühe mit Jungen und auf das Hühnerleasing. Dieses hat bis nach Zürich ins Hotel Glärnischhof Anklang gefunden. Dessen Direktor «sponsert» seinen Lernenden ein Huhn. Die Eier bekommen die Hotelgäste auf dem Frühstücksbuffet mit einem Hinweis auf die Herkunft.

Erste Schweizer Feigenanlage
Und da ist noch das neuste Projekt der jungen Familie: die einzigartige Feigenanlage mit 160 Pflanzen und acht Sorten. Die Recherchen führten bis nach Südfrank­reich und Süditalien. «Die Franzosen betreiben das ganz professionell, wir waren bei einem Produzenten für Carrefour herzlich willkommen!» Mit viel Dünger wachsen dort Feigen gross wie Äpfel. Das ist aber nicht im Sinn der beiden Grepper Feigenanbauer. «Wir düngen mit Hühnermist. Die selbst verlegte Tröpfchenbewässerungsanlage garantiert uns eine lange, regelmässige Ernte mit schönen Früchten und das Netz soll die Sträucher vor Hagel und den Vögeln schützen».

Andrea schwärmt von blauen und von grünen, von glänzenden und von behaarten Früchten. Die allesamt mit Haut essbar sind, da nicht gespritzt. Vermarktet werden sie nach Möglichkeit frisch: «Wir haben sogar einen Abnehmer aus der Ostschweiz!» Zusätzlich stellt die innovative Ebikoner Quereinsteigerin «es macht Freude trotz Knochenarbeit» aus den Feigen Brotaufstrich, Feigensenf und einen Fruchtsnack her. Derweil der Ehemann das «Schnapsen» übernimmt. Nicht nur mit Feigen – auch Brände aus Kern- und Steinobst sowie Quitten und Marroni sind in den unverwechselbar etikettierten Flaschen zu haben. Alles mit Herz und Kompetenz selbst gemacht!
Kontakt: www.kirchweg-greppen.ch
Marlis Jungo

Unser nächster Gast in der Rubrik «Menschen im Gespräch» ist auf Wunsch der «Hühnervermieter» Stephan und Andrea Stocker-Wyss vom Kirchweg in Greppen der Feuerwehrkommandant und Kernkraftwerkstechniker Alois Heggli aus Meierskappel.