Rigi Anzeiger
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Die Reuss soll mehr Platz bekommen

Region: Zehn Jahre nach dem «Jahrhundert-Hochwasser» wird der Hochwasserschutz an der Reuss konkret. Der Kanton schickt ein Projekt in die Vernehmlassung.

Es ist ein trauriges Jubiläum. Am 22. August 2005 wälzten sich die Wassermassen von Emme und Reuss in kaum je gesehener Höhe durch die zu eng gewordenen Flussbette. Das Jahrhundert-Hochwasser verursachte im Kanton Luzern Schäden von fast 600 Millionen Franken. Nach den Aufräumarbeiten und der Ursachenanalyse war das Naturereignis der Start zu einem der grössten Bauprojekte im Kanton – «Hochwasserschutz und Renaturierung Emme / Reuss». Einiges aus dem riesigen Projekt ist bereits realisiert: in der Stadt Luzern wurde mit dem Neubau des Nadelwehrs die See- und Abflussregulierung verbessert, am Unterlauf der Kleinen Emme bis und mit Seetalplatz wurden Hochwasserschutz- und Renaturalisierungsmassnahmen umgesetzt. Jetzt steht die Luzerner Reuss vom Einfluss der Kleinen Emme bis zur Kantonsgrenze auf dem Programm. Betroffen sind im Rontal die Gemeinden Ebikon, Buchrain, Inwil, Root, Gisikon und Honau.

Grösstes Risiko: Dammbruch
Das Projekt, das jetzt in die Vernehmlassung geht, erstreckt sich über eine Flusslänge von 13,2 Kilometer. Die Kosten werden auf rund 200 Millionen Franken geschätzt. In einem Vorprojekt aus dem Jahr 2011 soll die Reuss auf diesem Abschnitt «mehr Raum und Dynamik» erhalten. Dafür sollte das Flussbett teilweise von 50 bis 70 auf 110 Meter verbreitert und mit «Sollbruchstellen» versehen werden. Im gegenwärtigen Zustand weise die Reuss auf Luzerner Kantonsgebiet «ein erhebliches Schutzdefizit» auf, stellt der Synthesebericht zum Vorprojekt fest. Begründet wird das mit dem grossen Dammbruch-Risiko. Beim Hochwasser von 2005 sei das Reussbett «bordvoll» gewesen und ein Bruch der teilweise 150 Jahre alten Dämme wäre damals möglich gewesen. Fürs «Szenario Dammbruch» wird mit grossflächigen Überflutungen und mit Schäden von rund 260 Millionen Franken gerechnet.

Bauern befürchten Landverlust
Strittig beim Projekt ist die angestrebte «Renaturierung». Der Raum, der dem Fluss gegeben werden soll, geht auf Kosten von Bauernland. Gemäss einer Schätzung der «Bauern-Zeitung» wären von den Massnahmen 32 Betriebe mit zusammen 28 Hektaren Kulturland betroffen. Wie weit den Bedenken in dem am Donnerstag vorgestellten Vernehmlassungsprojekt Rechnung getragen wird, berichtet der Rigi Anzeiger in der nächsten Ausgabe. Hanns Fuchs