Rigi Anzeiger
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Die Welt im Klassenzimmer

Besuch von den Philippinen im Gymnasium Immensee

Wie lebt es sich auf den Philippinen? Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Immensee erfahren es aus erster Hand. Den interkulturellen Austausch auf allen Ebenen zu pflegen, gehört zu schulischen Tradition.

Die Geschichte des Gymi Immensee ist eng verbunden mit der Geschichte der Bethlehem Mission Immensee, einer der schweizweit grössten Organisationen der personellen Entwicklungszusammenarbeit. Mittlerweile hat sich das Gymi längst vom Missionshaus abgekoppelt – zumindest organisatorisch. Geblieben ist aber eine Sensibliltät der Schule für interkulturelle Fragen.

So richtig stellen sich solche Fragen erst im direkten Kontakt mit Menschen anderer Kulturen. Zum Beispiel Airen Rüttimann aus den Philippinen, Mitarbeiterin der Bildungsstelle der Bethlehem Mission Immensee und seit vier Jahren in Zug wohnend. Gibt es auf den Philippinen auch Früchte? Warum tragen dort die Schülerinnen und Schüler Uniformen? Gibt es auch einen Winter? Ohne zu idealisieren von der Heimat zu berichten ist nicht ganz einfach. Das spürt auch Airen Rüttimann. «Ich habe hier mehr als genug», sagt sie, «und ich bin zufrieden». Aber ist sie auch glücklich? Dazu fehlt ihr das, was sie den Schülerinnen und Schülern des ersten Gymi nahebringt:

Das tägliche Leben in der Dorfgemeinschaft. Die Feste, die Regentänze nach dem durchdringenden Scheppern der Gangsda-Gongs. Das Naturerlebnis beim Holzsammeln im Wald. Ein einfaches und sicher auch hartes Leben, aber sinnhaft und erfüllend.

Die Schülerinnen und Schüler spüren diese Spannung genau, und neue, tiefere Fragen kommen hoch: Bin ich glücklich? Leben wir richtig in der individualistischen Schweiz, in der es auch den Überfluss gibt? «Statt den ganzen Tag rumzugamen mit meinen Freunden Holzsammeln gehen, diese auf den selbstgebauten Holzroller laden und mit der Fuhre auf einer Schotterpiste nach Hause rattern – das wäre schon auch was», sinniert Raphael Portmann.

«Aber den ganzen Tag Reis essen und in diesen offenen Hütten leben, das wäre doch nichts für mich.» Auch die Geschichte vom Bruder von Airen, der sich mit der Machete ins Bein gehackt hat und so kilometerweit ins nächste Spital humpeln musste, hat ihm zu denken gegeben. «Darin liegt das Ziel der interkulturellen Begegnung», sagt der BMI-Bildungsreferent Stephan Tschirren. «Die Schülerinnen und Schüler sollen eine persönliche, differenzierte Haltung gegenüber anderen Kulturen aufbauen wollen.» Das will auch die Schule. Deshalb hat das Gymi Immensee eine Partnerschaft aufgebaut mit einer Schule auf den Philippinen. Anfang Februar wird eine BMI-Hospitationspraktikantin einen Stoss Briefe von Immensee zur Partnerschule bringen, weil die Internetverbindung nicht gut funktioniert.

Alle sind gespannt, womit die Praktikantin nach einigen Monaten wieder zurückkommt.